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Man mag es vielleicht nicht immer merken, aber seitdem die AFD im Bundestag sitzt und in vierzehn Landtage eingezogen ist, werden die scheinbaren Anhänger, Wutbürger, Pegidioten, Nazis und Rassisten immer aufdringlicher, wenn es darum geht die Kommentarleisten hier bei Facebook und überhaupt im Internet diskussionsfreudig oder auch nur stumpf zu füllen.
Wir versuchen stets gegen zu steuern und es gelingt uns nur schwerlich. Wer unsere Posts betrachtet, stellt fest, wie oft wir damit zu kämpfen haben den Mist von braunen Gedankenträgern zu löschen.

Wir geben natürlich nicht auf und arbeiten an einer Lösung. Bei der Masse an Kommentaren ist es allerdings nicht so einfach sie zu löschen oder Leute zu sperren. Selbstverständlich sind wir von Euren Hinweisen abhängig, aber selbst dann werden wir es momentan nicht schaffen, alle Kommentare zu kontrollieren. dafür fehlt uns jegliche Kapazität.
Wir wollen die Situation verbessern und fragen uns auch, was alles nicht gegen die Richtlinien von Facebook oder anderen Portalen verstösst. Die Verantwortung scheint immer noch viel zu schwer bei Seitenbetreibern und Userinnen und Usern zu liegen. Die groß angekündigten Änderungen der großen Internetkonzerne finden immer noch nicht statt.
Bei YouTube sieht es nicht anders aus. Immer noch finden wir Nazivideos mit steigenden Fanzahlen und entsprechenden Kommentaren. Wir finden den Zustand sehr gruselig und mit dem immer größeren rechten Geist in unserer Zivilgesellschaft wird es für uns und alle die sich hier positionieren immer schwieriger, die rechten Hetzer zu verbannen. Gesetze scheinen auch nicht zu greifen.
Im Umfeld unseres Vereins suchen wir momentan ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die unsere Kommentarleisten kontinuierlich auf menschenverachtende Inhalte prüfen. Dabei haben wir doch gelernt, dass Facebook bereits eine solche Abteilung betreibt. Nur leider zu unseren Themen eher erfolglos. Es kann ja eigentlich nicht sein, dass z. B. ein einschlägiger Nazi-Shop nicht gegen die Richtlinien der Internetbetreiber verstösst und des Wegen nach der Meldung durch Userinnen und Usern weiter via Social Media verkaufen darf. Es kann nicht sein, dass Rassisten ihren menschenverachtenden Dreck einfach mal so innerhalb von Sekunden plakativ positionieren können. Und doch, das ist unser täglich Brot geworden.
Natürlich lassen wir uns nicht unterkriegen, aber wir haben die Schnauze voll vom braunen Dreck.
LGN

Erfolgreicher Rechtspopulismus entsteht durch Sprache und Gestik

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Foto: zeitklicks.de

Wir neigen im Moment dazu das „Social Media“ als Hauptgrund für den Rechtsruck in der Gesellschaft zu sehen und zu erkennen. Eigentlich ist es jedoch eine alte Geschichte. Wer Hass schüren will betreibt Polemik und verwendet eine Rhetorik, die den Nazis von damals gleich kommt. Als Symbol hierfür steht Joseph Goebbels der es mit seiner perfiden Nutzung von Medien und einer starken geschickt eingesetzten Körpersprache geschafft hatte, Menschen aufzuwiegeln und den Hass salonfähig zu machen. Leider so überzeugend, dass 12 Jahre Diktatur folgten, bei der Krieg und Massenmord die Folge waren. Erfolge der hasserfüllten Rassisten und Nationalisten entstehen durch den gezielten Einsatz der Sprache und der Gestik. Goebbels wurde zum Vorbild vieler Demagogen. So rutschte selbst einem der der bekanntesten Werber in Deutschland vor einigen Jahren einmal heraus, Goebbels könnte ein Vorbild für eine erfolgreiche Werbung sein, da dieser die Leute mit riss und ihnen ein gutes Gefühl der eigenen Sicherheit gab?
Der Propagandaminister der Nazis hatte es damals geschafft die Mehrheit in Deutschland hinter sich zu bringen. Mit dem Schüren von Hass und der gleichzeitigen Beruhigung, dass die Nazis dies alles in den Griff bekommen und viel besser machen würden. Während des Krieges forderte er von den Deutschen den „Totalen Krieg“. Jubel und Begeisterung trotz zerstörter Städte und des großen Leids des Krieges in der Bevölkerung, waren zu hören und zu sehen. Noch während des so genannten „Unterganges“ waren Menschen von einem bzw. Hitlers „Endsieg“ überzeugt.

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Foto: Einer der größten Nachahmer von Goebbels ist Björn Höcke/ www.web.de

Die Nachahmer von Goebbels tummeln sich geradezu in rechtsextremistischen, rechtspopulistischen europäischen Parteien. Sie wirken eher lächerlich , sind aber brandgefährlich. Diese neuen Hetzer zählen sich zu einer Elite und zur intellektuellen Szene. Sie nehmen mit einem anderen Erscheinungsbild ihre Wirkung auf, nicht in Uniform, im Anzug und Kostümchen.  Sie wollen „Wutbürger“ beruhigen die sie vorher genügend angestachelt haben. Blickt man in Parteiprogramme wie dem der AFD, stellt man eine Leere fest. Angelehnt an altes Nazigedankengut.  Sie kommen als Retter vor dem Untergang des Abendlandes her und reißen ihre Mitläufer mit. Diese scheinen sich für wahre Inhalte nicht besonders zu interessieren. Sie hören die Phrasen und das gefährliche Anheizen der Goebbels Kopien. Allzu oft werden diese rassistischen, antisemitischen Wortführer von dem Establishment und gebildeten Menschen nicht ernst genommen. Genau dies ist aber auch ein Problem. Wer hätte Trump vor einigen Monaten schon ernst genommen? Erst in der Wahlnacht kam der Schock, der eigentlich vorauszusehen war. Trump reihen wir bei den Rechtspopulisten ein und obwohl dieser rhetorisch nicht gerade glänzte, sondern mit Wut, Hetze und schwachen Plattitüden werkelte, wird dieser Mann im Januar der Präsident des mächtigsten Landes der Welt.  Ja, wir haben zu Beginn des Wahlkampfs auch über ihn gelacht, bis uns schließlich jenes im Halse stecken blieb.

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Foto: Donald Trump auch mit klaren Vorbildern / www.web.de

Die Sehnsucht nach starker Führung und einem neuen sorgenfreien Leben vieler Menschen, wird von den rechten Demagogen auf dieser Welt genutzt. Sie schüren Ängste die in Wirklichkeit nicht mal vorhanden sind. Sie spielen geschickt damit, den Menschen zu erzählen, dass sie in einer Demokratie keine Chance haben. Sie sind die Lösung für den Frust und suchen Schuldige. Diese Schuldigen sind die Menschen die alles verloren haben und Schutz suchen. In Amerika, in Europa, in Deutschland-eigentlich überall. Wir gehen weiter,diese rechten Demagogen sind die hässlichen Fratzen und die Verkörperung eines alten Geistes der immer stärker wird. Sie sind machtgeil und haltlos. Sie gehen über Leichen und suchen sich Opfergruppen auf die sie dann die Meute hetzen. All das haben wir in Deutschland schon einmal gehabt und irgendwie haben wir nicht draus gelernt. Wir lassen diesen alten Geist wieder wachsen. Fast ungeniert. Mit der Entschuldigung, dass die heutige Generation für die alte Nazi-Generation ja nichts kann.

Kurse für Körpersprache und Rhetorik werden viele Politikerinnen und Politiker sicherlich in Anspruch nehmen. Kein Zweifel, dass viele Gesten während einer Rede eingeübt sind. Dies sicherlich auch parteiübergreifend. Letztendlich ist das Wichtige jedoch, was man vermitteln will. Diktatoren der Geschichte und ihre Handlanger haben bewiesen wie Menschen beeinflussbar sind. Zu einer betonten Körpersprache kommen die Gestik und der Ton. Goebbels ist für uns das beste Beispiel. Eigentlich ein kleiner Mann, der bei seinen Reden groß wurde oder sich so darstellte. Sein Führer übte seine Reden vor dem Spiegel. Beide verfehlten die Wirkung nicht. Meist werden Menschen durch Rechtspopulisten heutzutage erst einmal aufgewiegelt. Die Ängste und dafür scheinbare Lösungen zu erfinden, ist die Strategie die meist erfolgreich ankommt.

Hierzu nutzen diejenigen die Hass schüren Enttäuschungen der Bürgerinnen und Bürger, die Wut gegen die existierende politische Landschaft, die Angst vor dem Fremden und nicht zu vergessen die Erklärung, man gehöre zu einer besonderen Gattung Mensch, denen andere alles entreissen wollen. Gerade hier in Deutschland war die so genannte „Flüchtlingskrise“ zu Beginn des Jahres die Argumentationslinie für rechte Polemiker und Rassisten, die mit ihrer Angstmacherei große Teile der besorgten Bürgerinnen und Bürger erreichte.  Ein Nährboden, den wir heute überall zu spüren bekommen. Im Internet leben sich diejenigen die sich von all der rechtspopulistischen Polemik hinreißen liessen derzeit richtig aus. Kein Phänomen. Hasskommentare entstehen nicht nur durch Social Media, sondern durch Menschen,die diesen Hass im realen Leben transportieren und in unseren Medien immer mehr Beachtung finden. Hierzu braucht es geschulte Hassprediger die gekonnt Sprache und Gestik einsetzen, um mitzureißen.

Ob die Lösungen die die AFD beispielsweise oder andere europäische Parteien in irgendeiner Form Relevanz haben, ist schier unwichtig. Einmal auf die Phrasen der Rechten aufgesprungen, ist das Gedankengut meist in den Köpfen verpflanzt. Nur so ist zu erklären, warum PEGIDA, die AFD und auch damals die NPD so große Aufmärsche und Veranstaltungen in Deutschland hinbekommen haben. Unsere Aufgabe sollte darin bestehen die symbolische Maske der rechtspopulistischen angeblichen Volksversteher mit Argumenten und beherzter Aufklärung herunter zu reißen und den Menschen zu zeigen, wem sie Glauben schenken.

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Foto: Nazis provozierten Straßenkämpfe in der Weimaer Republik.Durch eine immer größer werdende Präsenz, erlangten sie immer mehr Macht- heutzutage tummeln sie sich zuhauf im Internet.

Wir steuern gerade auf eine Zeit zu, die nichts Gutes bedeuten kann, wenn wir offene Menschenverachtung, Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus wieder zulassen. Die Entwicklung in der Weimaer Republik muss uns doch allen zu denken geben. Hitler wurde, als er empor kroch zunächst von Demokraten belächelt. Als Spinner und Fantast. Als man ihn letztendlich ernst nehmen musste, war er schon längst an der Macht. Mitläufer und die damaligen „Wutbürger“ rannten mit.

Fazit: Wir sind gefordert endlich gegen diese Entwicklungen zu agieren. Die rechtspopulistische AFD, deren Vorsitzende Petry das Wort „völkisch“ positiv besetzen möchte und im Hofbräuhaus (einer von Hitlers ersten Wirkungsstätte) sich feiern ließ, genau diese AFD wird wohl nach allen derzeitigen Prognosen 2017 in den Bundestag einziehen. Sie sitzt zudem bereits in neun Landtagen als Opposition. Das ist nicht mehr witzig, nicht zu belächeln und sollte uns den nötigen Ernst verschaffen, aufzustehen.

JM für LGN

Von der Unfähigkeit, Hassreden im „Social Media“ in den Griff zu bekommen

  • „Counter Speech“ als Lösung schwierig – ein härteres Durchgreifen der Internetbetreiber und der Justiz ist gefragt!

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„Rechter Populismus und Menschenverachtung im „Social Media“ werden immer noch verharmlost. Die Facebook Seite der AFD ist die stärkste Partei-Seite auf Facebook (301.000 Fans), gefolgt von der NPD Seite (167.000 Fans) . Danach folgen mit großem Abstand die anderen Parteien (SPD 117.000, CDU 120.000, Die Grünen 127.000, Die Linke 158.000). Die US Wahl und der aktuelle Zustand sollte uns allen doch endlich noch mehr zu denken geben. Handeln ist gefragt: Gerade in Hinsicht auf die Bundestagswahl 2017 sollten wir alle Maßnahmen ergreifen, die Polemik und den Hass im Netz nicht mehr zuzulassen. Die Verantwortung auf die Userinnen und User abzuwälzen, kann nicht das Erfolgskonzept sein. Die Internetkonzerne stehen mit in der Verantwortung. Auch bei Youtube betreiben rechtspopulistische Parteien und die NPD erfolgreiche Channels.“

„Counter Speech“ ist die so genannte Gegenargumentation, die Userinnen und User dazu auffordert, sich in Kommentarleisten gegen Hassreden zu stellen. Dieses Konzept wurde im Herbst 2015 von Facebook Deutschland als Rezept vorgestellt. Eine Million Euro wurden investiert, um wissenschaftliche Ausarbeitungen und die Unterstützung von Initiativen über einen Träger zu fördern. Zuvor hatte das Justizministerium die Internetkonzerne ermahnt und angedroht rechtliche Schritte zu unternehmen, wenn diese nicht endlich handeln. Neulich tagten die Justizminister in Berlin. Dort liegt auch dieses unangenehme Thema wieder auf dem Tisch. Das Thema „Hassreden“ findet derzeit in den Medien statt, jedoch sind echte Maßnahmen, wie die Löschung solcher Inhalte nicht wirklich zu erkennen. Eher eskaliert die Situation bei Facebook und Co. .Wir beschäftigen uns seit 2011 mit diesem Thema und sehen keine Besserung, kein massives Handeln der verantwortlichen Konzerne. Zwar unterstützen wir grundsätzlich die Idee des „Counter Speech“, aber dieses Konzept kann nicht allein wirken.

„Counter Speech“ als Lösung gescheitert?

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Bild: www.facebook.com/NazLoeschen/?fref=ts

Auf unserer Facebook Seite www.facebook.com/istlaut haben wir sozusagen einen Selbstversuch unternommen. „Counter Speech“ scheint zumindest in unseren Kommentarleisten zu scheitern. Eher werden die, die ihren Hass verbreiten noch mehr angestachelt, zu posten was das Zeugs hält. Mit dem Ergebnis, dass wir als Administratoren sämtliche Kommentare selbst löschen müssen. Wir maßen uns an, dies durchaus beurteilen zu können. Unsere Seite erreichte in diesem Jahr bereits 85 Millionen Menschen. Zudem haben wir uns mit dem Thema „Counter Speech“ massiv auseinander gesetzt, als wir die gleichnamige Tournee mit Facebook Deutschland als Partner im Mai 2016 umsetzten. Seit 2011 machen wir immer wieder auf das Thema aufmerksam – wir können definitiv keine Besserung feststellen. Bei Facebook sind insbesondere geschlossene Gruppen ein großes Problem in dem Hass und die Menschenverachtung aufgebahrt und kocht. Hier Meldungen von „Hassreden“, rassistischen und menschenverachtenden Kommentaren/Posts an Facebook zu geben, gestaltet sich nach wie vor sehr schwierig.

Nicht nur auf Facebook lassen Maßnahmen der Verantwortlichen zu wünschen übrig. Die Google Tochter „YouTube“ hat das Konzept „#Nichtegal“ www.facebook.com/InitiativeNichtEgal/? in das Leben gerufen. Ein guter Ansatz der allerdings auch nicht so angenommen wird, wie von dem Unternehmen erwartet. Die dazugehörige Facebook Seite hat gerade einmal 1.500 Fans. Zwar setzt das Unternehmen Workshops an Schulen gemeinsam mit der FSK um, aber irgendwie lässt sich ein Erfolg nicht richtig ersehen. Das Konzept arbeitet vornehmlich mit so genannten „YouTubern oder YouTube Stars“, die nach dem Relaunch in die Kritik gerieten. Grund war die Jugendsprache die von den meisten Akteuren auf ihren eigenen Channel genutzt wird. Straßen Jargon mit Sexismus und Ausgrenzungs-Attitüden, die zu einer scharfen Beurteilung in der bundesweiten Presse führten.

Resümee: Seit unseren fünfjährigen Aktivitäten müssen wir feststellen, dass sich die Lage keineswegs gebessert hat. Die gesellschaftspolitische Lage ist das Futter für den Hass im Netz und umgekehrt. Wenn nicht endlich mit Allen gemeinsam versucht wird dieses Problem in den Griff zu bekommen, dann wird die Situation ausufern. Es liegt in der Verantwortung der Internet-Riesen, der Politik und der Zivilgesellschaft diese Entwicklungen zu stoppen. Rechtspopulistische Parteien feiern sich gerade nach der US-Wahl selbst und werden genau das Internet und Social Media für ihre Zwecke nutzen. Der AFD wird ein großer erfolg bei der Bundestagswahl 2017 durch Demoskopen prognostiziert.
Der Justizminister Heiko Maas kündigte mehrmals an: „Wenn Facebook und Co. bis zum Februar 2017 uns nicht deutlich spüren lassen, dass praktische Maßnahmen gegen den Hass erfolgen, so würde man juristisch gegen diese Unternehmen vorgehen.“.