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Foto: Pressekonferenz im Januar 2016 in der Superbude Hamburg -

Foto: Pressekonferenz im Januar 2016 in der Superbude Hamburg –

 

„Counter Speech Tournee 2016“ – emotional von Beginn an – der Anfang wurde mit einer Pressekonferenz in Hamburg gemacht

Auf Druck des Justizministeriums bewegte sich im Herbst 2015 einiges zum Thema „Hassreden“. Das Unternehmen Facebook setzte damals auf das Konzept des „Counter Speech“. Die Idee der Argumentation gegen den Hass im Netz. Aufgefordert sind Userinnen und User sich dem Hass im Social Media in den Kommentarleisten vor Allem bei Facebook entgegenzustellen, um die die Hass und Menschenverachtung im Netz verbreiten, auszuhebeln. Klingt einleuchtend und nach einer Maßnahme die vielversprechend sein könnte. Nur, die Userinnen und User müssen hier aktiv werden und die die „Hassbotschaften“ verbreiten müssten von den Gegenargumenten gestoppt werden. Damals fanden wir die Idee klasse und hatten die Idee, genau jenes Konzept auf die Straße zu bringen. Wir planten die emotionalste Tournee die wir seit zwölf Jahren veranstalten sollten. Im Jahresrückblick – Teil 3, werden wir auf jene Tage im April/Mai 2016 zurückschauen.

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Hier möchten wir zunächst auf unsere Pressekonferenz zu Beginn des Jahres 2016 in der Superbude -Hamburg zurückschauen. Diese hatte es in sich. Wir stellten zum Einen unseren neuen Spot zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ gemeinsam mit „Kolle Rebbe“ und der Bundesliga Stiftung unspektakulär vor, nachdem wir mit Eva-Maria Kirschsieper (Facebook Deutschland), Smudo (Die Fantastischen Vier) und dem Sänger der syrischen Band „Khebez Dawle“ Anas Maghrebi die „Counter Speech Tournee“ umfangreich erklärten. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass die übliche Fragerunde nach dem Podium schnell ein ganz anderes Thema in den Mittelpunkt schob. Die Redaktion von Panorama, Deutschlandfunk und ZAPP (NDR) waren vor Ort. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine offiziellen Informationen darüber, wie viele Mitarbeiterin und Mitarbeiter zur Löschung von Hasskommentaren und menschenverachtenden Profilen von Facebook eingesetzt werden. Erst heute konnten wir in einem Artikel von „meedia“ genauere Daten entnehmen: „Die Süddeutsche Zeitung hat mit einem Insider-Report über die Zentrale des Facebook-Aufräumdienstes in Berlin einen Scoop gelandet. Doch was die 600 Arvato-Bediensteten beim Sichten von Hasskommentaren und Horrorvideos täglich durchleben, ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren berichteten US-Medien detailliert aus dem Innenleben der Dienstleister im Auftrag des weltgrößten Sozialen Netzwerks.“

Auf unserer Pressekonferenz lenkte dieses Thema von unserem eigentlichen Ansinnen ab. Der NDR-Redakteur nahm Facebook über sechs Minuten lang in ein Kreuzverhör. Dies hatte zur Folge, dass einige im Auditorium hungrig nach Informationen wurden. Damals hatte Facebook noch keine offiziellen Angaben zu Maßnahmen betreffend der Löschung von Hassreden und menschenverachtenden  Inhalten gemacht. So kam es letztendlich zum Eklat, der eine Woche später nach einer Ausstrahlung des NDR Magazins „ZAPP“ durch sämtliche Medien geisterte. Smudo hatte eine spontane Reaktion gezeigt und kommentierte in Richtung Eva-Maria Kirschsieper, nachdem bei diesem Kreuzverhör auf der PK alle etwas ratlos waren und der verbale Austausch zwischen Redakteur und Facebook kein Ende nahm.

Hieraus resultierten unangenehme Headlines wie: „Smudo treibt Facebook in die Enge“ (laut.de) , „Hasskommentar-Debatte: Smudo bringt Facebook-Sprecherin zum Stottern“ (sueddeutsche.de) und vieles mehr konnten wir lesen. Journalistisch korrekt veröffentlichte der NDR die Headline: „Facebook: Freundlich aber verschlossen“

Die Pressekonferenz stand sehr schnell in einem anderen Licht. Das grundsätzliche Problem der Unternehmensverantwortung von Facebook wurde wochenlang zum Thema. Smudo stellte sehr schnell klar, dass seine Bemerkung kein persönlicher Angriff war, jedoch auch er sich natürlich dafür interessiert wie Facebook nun mit dem Thema umgeht. Die Wogen waren zumindest hier schnell erst einmal geglättet. Facebook Deutschland sponserte die Tournee die nach ihrem Prinzip „Counter Speech“ benannt wurde, nicht voll und ganz.

Die „Counter Speech Tournee 2016“ startete am 27. April 2016 in Passau. Hierzu morgen mehr.

NDR/ZAPP TV-Beitrag: www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/facebook,facebook1504.html

Die Fragerunde nach dem Podium: www.youtube.com/watch

 

 

 

 

 

Von der Unfähigkeit, Hassreden im „Social Media“ in den Griff zu bekommen

  • „Counter Speech“ als Lösung schwierig – ein härteres Durchgreifen der Internetbetreiber und der Justiz ist gefragt!

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„Rechter Populismus und Menschenverachtung im „Social Media“ werden immer noch verharmlost. Die Facebook Seite der AFD ist die stärkste Partei-Seite auf Facebook (301.000 Fans), gefolgt von der NPD Seite (167.000 Fans) . Danach folgen mit großem Abstand die anderen Parteien (SPD 117.000, CDU 120.000, Die Grünen 127.000, Die Linke 158.000). Die US Wahl und der aktuelle Zustand sollte uns allen doch endlich noch mehr zu denken geben. Handeln ist gefragt: Gerade in Hinsicht auf die Bundestagswahl 2017 sollten wir alle Maßnahmen ergreifen, die Polemik und den Hass im Netz nicht mehr zuzulassen. Die Verantwortung auf die Userinnen und User abzuwälzen, kann nicht das Erfolgskonzept sein. Die Internetkonzerne stehen mit in der Verantwortung. Auch bei Youtube betreiben rechtspopulistische Parteien und die NPD erfolgreiche Channels.“

„Counter Speech“ ist die so genannte Gegenargumentation, die Userinnen und User dazu auffordert, sich in Kommentarleisten gegen Hassreden zu stellen. Dieses Konzept wurde im Herbst 2015 von Facebook Deutschland als Rezept vorgestellt. Eine Million Euro wurden investiert, um wissenschaftliche Ausarbeitungen und die Unterstützung von Initiativen über einen Träger zu fördern. Zuvor hatte das Justizministerium die Internetkonzerne ermahnt und angedroht rechtliche Schritte zu unternehmen, wenn diese nicht endlich handeln. Neulich tagten die Justizminister in Berlin. Dort liegt auch dieses unangenehme Thema wieder auf dem Tisch. Das Thema „Hassreden“ findet derzeit in den Medien statt, jedoch sind echte Maßnahmen, wie die Löschung solcher Inhalte nicht wirklich zu erkennen. Eher eskaliert die Situation bei Facebook und Co. .Wir beschäftigen uns seit 2011 mit diesem Thema und sehen keine Besserung, kein massives Handeln der verantwortlichen Konzerne. Zwar unterstützen wir grundsätzlich die Idee des „Counter Speech“, aber dieses Konzept kann nicht allein wirken.

„Counter Speech“ als Lösung gescheitert?

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Bild: www.facebook.com/NazLoeschen/?fref=ts

Auf unserer Facebook Seite www.facebook.com/istlaut haben wir sozusagen einen Selbstversuch unternommen. „Counter Speech“ scheint zumindest in unseren Kommentarleisten zu scheitern. Eher werden die, die ihren Hass verbreiten noch mehr angestachelt, zu posten was das Zeugs hält. Mit dem Ergebnis, dass wir als Administratoren sämtliche Kommentare selbst löschen müssen. Wir maßen uns an, dies durchaus beurteilen zu können. Unsere Seite erreichte in diesem Jahr bereits 85 Millionen Menschen. Zudem haben wir uns mit dem Thema „Counter Speech“ massiv auseinander gesetzt, als wir die gleichnamige Tournee mit Facebook Deutschland als Partner im Mai 2016 umsetzten. Seit 2011 machen wir immer wieder auf das Thema aufmerksam – wir können definitiv keine Besserung feststellen. Bei Facebook sind insbesondere geschlossene Gruppen ein großes Problem in dem Hass und die Menschenverachtung aufgebahrt und kocht. Hier Meldungen von „Hassreden“, rassistischen und menschenverachtenden Kommentaren/Posts an Facebook zu geben, gestaltet sich nach wie vor sehr schwierig.

Nicht nur auf Facebook lassen Maßnahmen der Verantwortlichen zu wünschen übrig. Die Google Tochter „YouTube“ hat das Konzept „#Nichtegal“ www.facebook.com/InitiativeNichtEgal/? in das Leben gerufen. Ein guter Ansatz der allerdings auch nicht so angenommen wird, wie von dem Unternehmen erwartet. Die dazugehörige Facebook Seite hat gerade einmal 1.500 Fans. Zwar setzt das Unternehmen Workshops an Schulen gemeinsam mit der FSK um, aber irgendwie lässt sich ein Erfolg nicht richtig ersehen. Das Konzept arbeitet vornehmlich mit so genannten „YouTubern oder YouTube Stars“, die nach dem Relaunch in die Kritik gerieten. Grund war die Jugendsprache die von den meisten Akteuren auf ihren eigenen Channel genutzt wird. Straßen Jargon mit Sexismus und Ausgrenzungs-Attitüden, die zu einer scharfen Beurteilung in der bundesweiten Presse führten.

Resümee: Seit unseren fünfjährigen Aktivitäten müssen wir feststellen, dass sich die Lage keineswegs gebessert hat. Die gesellschaftspolitische Lage ist das Futter für den Hass im Netz und umgekehrt. Wenn nicht endlich mit Allen gemeinsam versucht wird dieses Problem in den Griff zu bekommen, dann wird die Situation ausufern. Es liegt in der Verantwortung der Internet-Riesen, der Politik und der Zivilgesellschaft diese Entwicklungen zu stoppen. Rechtspopulistische Parteien feiern sich gerade nach der US-Wahl selbst und werden genau das Internet und Social Media für ihre Zwecke nutzen. Der AFD wird ein großer erfolg bei der Bundestagswahl 2017 durch Demoskopen prognostiziert.
Der Justizminister Heiko Maas kündigte mehrmals an: „Wenn Facebook und Co. bis zum Februar 2017 uns nicht deutlich spüren lassen, dass praktische Maßnahmen gegen den Hass erfolgen, so würde man juristisch gegen diese Unternehmen vorgehen.“.