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AFD heiratet PEGIDA! In Kandel marschierten 4.000 Wutbürger und Nazis gemeinsam mit der AFD! Ca. 500 Gegendemonstranten  _ Anmelder der rechten Veranstaltungen möchte diesen Spuk monatlich „manifestieren“!
Foto: 2009 – erster großer Protest und Zusammenschluss der Zivilgesellschaft gegen die damaligen Naziaufmärsche rund um den 13. Februar
Seit 18 Jahren versuche ich persönlich Aufklärungsarbeit gemeinsam mit “Laut gegen Nazis” zu leisten. Die Entwicklung war abzusehen. Die Entwicklung, dass rechtsextremistisches Gedankengut sich salonfähig gestalten wird. Es wird Zeit “denken zu gehen”. Ende 2014 versammelten sich in Dresden bis zu 25.000 Wutbürger, um gegen die “Islamisierung des Abendlandes” zu demonstrieren. Die Empörung war damals groß. Es entstanden große Gegenströme. PEGIDA verlor immer mehr an Gesicht, vor Allem das des Bachmanns. Nazis mischten sich immer dort in Dresden unter die Beteiligten und eben auch die AFD. Fast 3 1/2 Jahre später besiegeln AFD und PEGIDA eine Zusammenarbeit. Die AFD sitzt inzwischen in 14 Landtagen, wirkt in der Kommunalpolitik und nun auch im Bundestag. Rechte Phrasen schüren Hass und Ängste. Denken wir an die Plakate der AFD bei Landtagswahlen und der Bundestagswahl, können wir schon deutlich erklären, wer rechtes Gedankengut in den Köpfen der Leute vorantreibt.
Am 17. September 2017 zog die rechtsextremistische, rechtspopulistische AFD mit 12% der Wählerstimmen in den Bundestag ein. Dies bedeutet, sechs Millionen Menschen haben diese Partei gewählt, die mit Goebbels Imitaten wie Höcke, Poggenburg oder alten Männern wie Gauland, und vielen anderen auffallen. Rechte Phrasen schüren Hass und Ängste. Nazis im Anzug, offiziell gewählt, sitzen nach 69 Jahren wieder in einem deutschen Parlament. Ein Schlag in das Gesicht für die Opfer des Nationalsozialismus, aber auch die Opfer rechter Gewalt der letzten Jahrzehnte.
Im pfälzischen Kandel marschierten heute 4.000 Wutbürger, Mitläufer und Nazis durch die Straßen. Mitgerissen schienen die Mitläufer, die sich von dem Geist der braunen rassistischen Hetzer (die das geschickt machen) inzwischen leicht beeinflussen lassen. Die Nazi-Hooligan Band Kategorie C rief ebenfalls zu diesem Spuk auf. In den Mainstream Medien konnten wir nur wenig über die Naziaufrufe zu dieser Veranstaltung erfahren. Lediglich die AFD wurde zum Beispiel im Heute Journal oder der Tagesschau als Veranstalter benannt.
Momentan scheinen viele Menschen die Haltung einzunehmen, dass man ja nicht zu viel über das Problem reden sollte. Lediglich 400 bis 500 Gegendemonstranten haben sich in Kandel gefunden. Ein Initiativenvertreter berichtete uns auch von der Angst vieler Bürgerinnen und Bürger, gegen den rechten Mob zu demonstrieren. Das kommt mir sehr bekannt vor. In Dresden beispielsweise gab es erst 2009, nachdem die Nazis bereits zehn Jahre lang jährlich rund um den 13. Februar mit tausenden Anhängern durch die Straßen marschierten eine große erstmalige Gegenbewegung. Nur durch einen breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand und Großkundgebungen konnte nach 2009 verhindert werden, dass die Naziaufmärsche noch größere Ausmaße annehmen. Heute gibt es dort das starke zivilgesellschaftliche Bündnis Dresden Nazifrei . Die Anzahl der rechten Marschierer ist im Vergleich zu früher nur noch ein kleiner Haufen. Aber trotzdem gefährlich.
Schaue ich auf den Rest des Landes, wird die Präsenz von Nazis und Rassisten immer größer, sei es wie letztes Jahr in Themar, bei einem Großkonzert mit 6.000 Rechten die gar während des Konzertes den rechten Arm hoben und “Sieg Heil” grölten, während Polizisten Zaungäste waren, oder eben der Einzug der AFD in sämtliche Landesparlamente und den Bundestag, die es immer wieder schaffen Leute zu überzeugen. In Prognosen ist zu ersehen, dass die AFD jetzt bei Neuwahlen bei 15% der Wählerstimmen stehen.
Bei “Laut gegen Nazis” gehen inzwischen aus vielen großen und kleinen Orten Hilferufe von Initiativen ein, die wir gerne unterstützen würden. Sie organisieren Kundgebungen gegen regionale Aktivitäten von Rechtsextremisten, stehen für Menschlichkeit und wollen sich vor Ort positionieren. Bundesweit sind rechtsextremistische Gruppierungen und Lenker so aktiv, dass klar wird, wir haben ein massives Problem. Ein großes Problem ist vor Allem aber auch, dass immer mehr Menschen den rechten Hetzern Glauben schenken. Die die mitlaufen, glauben daran, dass wir eine Flüchtlingswelle erleben, die es schon lange nicht mehr gibt, weil sämtliche Grenzen Europas inzwischen dicht sind und auf der Flucht Menschen sterben. Nicht einmal 460.000 Asylanträge gab es 2017 in ganz Europa. Sie glauben jedoch Frau Storch und Frau Weidel, wenn diese Ihnen suggerieren, dass nur Kriminelle, Sexualverbrecher und Wirtschaftsflüchtlinge nach Deutschland gelangen. Die AFD propagiert Muslime als Feindbild und spricht von einer Islamisierung. Wahnsinn!
Der größte Wahnsinn ist allerdings, dass so viele Menschen diesem braunen Müll Glauben schenken. Selbst in meinem wohl denkbar gebildeten Freundeskreis, erfahre ich inzwischen Zustimmung für rechte Phrasen, so dass ich manchmal darüber nachdenke, ob mein / unser Job einen Sinn macht. Wenn selbst Leute die früher loyal und menschlich erschienen, auf einmal AFD Phrasen nachplappern oder es gut finden, dass diese Partei ein Gegenpol in Parlamenten darstellt und man sich dort auf dem demokratischen Wege auseinandersetzen könne. Dann fange ich an zu zweifeln. Vor Allem erinnert das Ganze inzwischen an Weimaer Zeiten. Wir erinnern uns, auch die NSDAP gewann immer mehr an Zustimmung durch aggressive Parolen und geschaffene Feindbilder. Der Mechanismus scheint heute der gleiche zu sein.
Wenn diese Zivilgesellschaft hier in Deutschland und Europa nicht umdenkt, wird der Hass gewinnen. Nationales Getümmel gibt es schon genügend. Die AFD verkörpert völkisches, rassistisches Denken gespickt mit dem Gedankengut der alten Nazis.
Ehrlich gesagt muss ich mich persönlich manchmal fragen, ob ich noch Lust habe, mich immer wieder gegen diese Menschenverachtung zu stemmen. Das geht, ist mir nach vielen Gesprächen mit Menschen die das Gleiche tun klar geworden, an die Substanz. Natürlich kann ich meine Arbeit genauso wenig aufgeben, wie Kolleginnen und Kollegen.
Mir ist nur klar geworden, mit den Erfahrungen die ich in den letzten Jahren gesammelt habe: Wir brauchen wieder einen starken Gegenstrom gegen die rechten Tendenzen hier in Deutschland und Europa. Wir müssen eine in der Politik etablierte Menschenverachtung verhindern. Durch Aufklärung und Protest. So macht die Arbeit so vieler Initiativen und uns Sinn.
Ich erbitte mehr Empörung über das, was jetzt gerade passiert!
J. M. für LGN

Liebe statt Hass!

Nie wieder solche Bilder! Die AFD sitzt im Bundestag. Nazis wie der Höcke werden von dieser Partei umgarnt.Menschen fallen wieder auf die Rhetorik und die Gestik von damals herein. Wir wollen mit der „Liebe“ zum Leben ein Gegenpol bieten. Wie lebendig unsere Demokratie sein kann, haben wir bei unserem Projekt „Love Speech Therapy“ gelernt. Nun starten wir durch. Der 27. Januar 2018 ist der Tag, an dem wir mit den besten Statements der Userinnen und User die an dem Projekt teilgenommen haben, auf die Straße gehen wollen

Gedenken statt Bundestag (Start der „Love Speech Therapy“)

Wir wollten die besten Statements aus über 700 Einsendungen von Userinnen und Usern eigentlich vor der Bundestagswahl 2017 umsetzen. Leider fehlten uns die finanziellen Mittel und Plakatierungsflächen zu erhalten war fast schier unmöglich. Die AFD zog in das Parlament und es ist unsere Pflicht als Institution ein anderes Bild zu vermitteln.

Wir baten die Userinnen und User im März 2017, uns ihr Statement und Foto zu senden. Nach dem bescheidenen Sommer, der uns nicht die Möglichkeit bot eine Plakataktion zur Bundestagswahl umzusetzen, haben wir nun ein neues Konzept für dieses wunderbare Projekt erarbeitet. Am 27. Januar 2017 kehrt der Gedenktag wieder, der uns allen Auftrieb geben sollte, rechte Phrasen im Bundestag hinzunehmen. Der „Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz“ ist nicht nur ein internationales Symbol, sondern sollte gerade uns Deutsche zum Nachdenken zwingen. Wie kann es sein, dass nach 68 Jahren Nazis in den Bundestag einziehen. Das ist beschämend und für die Opfer rechter Gewalt und der Naziherrschaft eine Ohrfeige ins Gesicht. Wir wollen mit den wunderbaren Menschen die uns ihre Statements gesendet haben, zum 27. Januar 2018 deutlich machen, dass wir eine bunte Welt wollen, in der wir leben. Die aktuelle Situation zeigt aber auch, wie schwierig dies in der Gegenwart umzusetzen ist. Unfassbare Entwicklungen weltweit. Rechte Tendenzen in Europa und Übersee.

Wir wollen mit der „Love Speech Therapy“ und Euch gegen halten. Neue Einreichungen nehmen an der Plakataktion nicht mehr teil, allerdings werden wir diese veröffentlichen,sofern Einsendungen stattfinden.

Am Montag, den 16.10.2017 werden wir mit den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule IGS Landau/Pfalz das neue Konzept auf den Weg bringen. Wir wollen die Jugendlichen dazu ermuntern, federführend die „Love Speech Therapy“mit uns und allen Partnern umzusetzen.

Weitere Informationen folgen in den nächsten Tagen.

„Love Speech Therapy“ auf Facebook: www.facebook.com/LoveSpeechTherapy/

 

Keine Plakatflächen & wenig Sponsoren zwingen uns die „Love Speech Therapy“- Plakataktion zu verschieben!

-Wir wären nicht wir, wenn wir uns davon beeindrucken lassen-

Ca. 800 Einsendungen haben wir von Euch erhalten, knapp 700 Statements und Fotos sind in das Rennen gegangen. Wir hatten das Ziel fünf Medienstädte mit den zehn besten Einsendungen, professionell layoutet kurz vor der Bundestagswahl mit Plakaten auf die Straße zu bringen. Eine Produktion der Plakate können wir momentan nicht finanzieren (mangelnde Sponsoren). Der T-Shirt Verkauf reicht nicht aus, um ohne Risiko die Kosten zu tragen. Abgesehen davon sind sämtliche Plakatflächen mit Partei-Plakaten und den üblichen Großkunden gebucht. Lassen wir uns davon unterkriegen? Nie im Leben! 800 Menschen haben uns ihr Vertrauen geschenkt und genau das werden wir nicht enttäuschen. Vor Allem wollen wir mit Euch ein Zeichen setzen!

 Ihr seid die wichtigsten – Zusammen können wir etwas bewegen!

Ab dem 10. September 2017 könnt Ihr bereits online voten

Abgesehen davon, dass wir alle Informationen zur Bundestagswahl ab dem 01. September 2017 veröffentlichen werden, seid Ihr gefragt. Vom 04./bis zum 24. September 2017 werden wir Eure Statements auf Facebook präsentieren www.facebook.com/LoveSpeechTherapy/ . Wir veröffentlichen täglich 35 Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ihr werdet aufgerufen, die Statements zu „liken“. Die 40 Statements mit den meisten „Likes“ gehen in das Rennen. Zuviel Arbeit für Euch? Nein. Diese 700 Menschen haben etwas zu sagen und rütteln wach. Nachdenklich, provokant, bunt, rührend und fordernd. Wir würden uns freuen, wenn Ihr jene unterstützt, die dieses Land und diese Welt mit Liebe und Vielfalt erhalten wollen. Der Aufruf an die ca. 195.000 Fans von „Laut gegen Nazis“ bei Facebook www.facebook.com/istlaut/ wird zum Start der Voting-Aktion erfolgen. Selbstverständlich leisten wir zeitgleich Pressearbeit und werden alle Tools nutzen, die man heutzutage nutzen muss.

Zeitgleich gehen wir auf die Suche weiterer Partnerinnen und Partner, die die Wirtschaftskraft haben, die Plakataktion mit uns gemeinsam umzusetzen!

Timeline:

04. September 2017 – Start der Online Voting Aktion bei www.facebook.com/LoveSpeechTherapy/

24. September 2017 – Ende de Online Votings

06. Oktober 2017 – Vorstellung der besten Statements (von den Userinnen und Usern ermittelt)

20. Oktober 2017 – Bekanntgabe der besten 10 Statements (Ermittelt durch unsere Jury)

03. bis 07. November 2017 – Fotoshootings mit den besten 10 Statement Geberinnen und Gebern (Fotograf S. Mietzner)

15. bis 30. November 2017 – Professionelle Erstellung der Plakatlayouts durch Lena Winkel www.lenawinkel.com 

01. bis 15. Dezember 2017 – Produktion der Plakate (2.500 Stück)

13. bis 27. Januar 2018 – Plakatieren von jeweils 500 Plakaten in fünf Großstädten (Hamburg, Berlin, Köln, München, Dresden)

Der 27. Januar ist der „Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz“ – Gegen das Vergessen!

Wenn Ihr uns direkt unterstützen wollt-könnt Ihr dies hier tun:

www.seedshirt.de/liebeiststaerker

 

 

 

 

Am 24. September 2017 wird gewählt. Die AFD gewinnt laut aktueller Prognosen in den Prozentpunkten wieder leicht dazu. Erstmalig werden Rechtspopulisten und Rechtsextremisten wieder in ein deutsches Parlament einziehen. Soviel ist wohl leider sicher. Zivilgesellschaftliches Engagement ist in dieser Zeit das wichtigste Gut, um rechten Hetzern und dem steigenden Hass etwas entgegen zu setzen. Wir bewundern seit Jahren die vielen wunderbaren Initiativen in Deutschland die sich tagtäglich für demokratische Werte und für die Freiheit des Denkens engagieren. Menschen die sich gegen all die Menschenverachtung, die sich immer mehr etabliert, stemmen. Menschen die nicht zulassen wollen, dass der Hass und Vorurteile gewinnen.

Wir haben ein sehr einfaches T-Shirt mit dem Slogan „Moin Liebe-Tschüss Hass“ produziert. Eine einfache Botschaft die sehr deutlich ist und sich bei vielen einer steigenden Beliebtheit erfreut. Sicher, wir müssen bei unserer Berichterstattung und im Social Media in die Tiefe gehen. Das tun wir. Wichtig ist jedoch auch, dass wir mit einfachen Worten gegen all diesen Populismus agieren.

Wir rufen schon jetzt in der Sommerpause zur Bundestagswahl auf und appellieren an alle: Engagiert Euch in den vielen Initiativen die in Deutschland etwas bewegen. In jeder Stadt gibt es sie. Stärkt ihnen den Rücken. Nur so kann der Hass keine Oberhand gewinnen. macht es mit Liebe!

Shirt Links:
www.seedshirt.de/moin-lst
www.seedshirt.de/liebeiststaerker

Unsere „Love Speech Therapy“ mit über 800 Statements von Userinnen und Usern 
 
„Wenn in diesem Land Hass ganz offensichtlich organisiert wird, wieso organisieren wir dann nicht auch die Liebe?“ Fragte bereits die Bloggerin und Netz- Aktivistin Kübra Gümüşay in ihrer Rede auf der re:publica 2016. Liebe organisieren. Das bedeutet konkret: Wir feiern unsere demokratischen Werte, die Freiheit – und die Liebe. Wir brauchen Dialog, Austausch, Kontakt, um Ängste vor Unbekanntem zu nehmen und Chancen für neue Wege aufzuzeigen. Wir fordern Bildung und Aufklärung um die Immunität unserer Gesellschaft im Umgang mit rechtspopulistischer Meinungsmache zu stärken. Wir möchten Zusammenschlüsse bilden, deren Merkmale und gemeinsamer Nenner sich nicht darin äußern gegen ein konstruiertes Feindbild zu sein. Ein Impfmittel für die Liebe und für die Menschlichkeit.
Die „Love Speech Therapy“ geht in die Entscheidungsphase/ 6 Jury Mitglieder sind bestätigt:
 
Der Zeitplan:
31. Mai `17 Einsendeschluss für Statements/Plakataktion (ca. 800 Einreichungen) http://www.lautgegennazis.de/love-speech-therapy-2/ (noch nicht alle veröffentlicht)
21. bis 30. Juni ’17 Online Voting (Userinnen & User) für die besten 20 v. 40 eingereichten Statements/Facebook (Vorauswahl wird von uns erstellt)
10. Juli ’17 Offizielle Jury-Entscheidung für die besten 10 von 20 online ermittelten Motive
15. bis 21. Juli ’17 Foto-Shooting mit dem Fotografen Sebastian Mietzner mit den Gewinnern/Plakataktion
24. bis 28 Juli ’17 Layout/Plakatdruck
ab 10. August ’17 Distribution/Plakate in fünf Städten
Begleitend werden wir ab dem 01. August 2017 Online Broschüren zur Bundestagswahl erstellen. Diese werden locker und mit Spaß von einem Buchautor geschrieben und erstellt. Alle Schritte begleiten wir online.

Ziele der Kampagne

– Interaktive Aktion, um Menschen im Social Media zu motivieren mitzumachen

– eigene Statements und Portraits gegen den Hass für die Liebe

– Installation einer Onlinebewegung gegen den Hass, gegen Mobbing und Ausgrenzung im Internet

– Aufklärungsarbeit zum Thema Hassreden und Medienkompetenz

– Einbindung von Counter Speech Elementen (Argumentationen gegen den Hass)

Projektleitung: Jörn Menge jm@makeanoise.de / Grafik Design: Lena Winkel, lenawinkel.com

„Love Attack“ statt „Like Attack“ – Lasst uns das Netz mit Liebe füllen!

„Love Speech Therapy“ statt „Hate Speech“ – Wir ziehen mit Dir in den Bundestagswahlkampf

Eine Kampagne gegen Hass und Menschenverachtung – gib uns Dein Statement – Dein Foto und werde zu einem Bundestags-Wahlplakat

 Foto: Jenny aus München startet gemeinsam mit Smudo (Die Fantastischen Vier) und uns die “ Love Speech Therapy“

Die Idee:

Alle reden über den „Hass“, Rassismus, Hasskommentare und stete Menschenverachtung im Netz und auf der Straße und niemand hat ein Gegenmittel? Dabei ist es so einfach. „Liebe“ ist und war schon immer stärker und genau dies wollen wir klarstellen.

Wir wollen den Menschenverächtern zeigen, dass sie arme Wichte sind, wenn sie das wichtigste Gefühl eines Menschen nicht mehr wahrnehmen können.

Uns ist wichtig, dass Ihr gemeinsam mit uns Stellung  bezieht. Sendet uns Eure Statements, Euer Gefühl. Warum steht Ihr zu unserer Vielfalt und Freiheit, warum liebt Ihr diese Welt, dieses Leben und die Menschen. Seid kritisch und wehrt Euch gegen diesen immer stärker werdenden sinnlosen Hass mit dem Menschen ausgrenzt und zur Gewalt angestachelt werden.

Zeigt uns Eure „Liebe“:

  • Sendet uns Euer Foto im Hochformat
  • Sendet uns ein kurzes Statement (nicht zu viel Text)
  • Wir layouten ein Plakat für und mit Euch
  • Wir verbreiten Euer Statement via „Social Media“ (Facebook/Twitter/Instagram)
  • Wir richten eine „Love Speech Therapy“ – Internetseite mit Euern Plakaten und vielen weiteren aktuellen Informationen zur Kampagne bis zum 01. März 2017 (Offizieller Start) ein

Ziel:

  • Wir wollen das Internet mit positiven aber auch kritischen Liebesbotschaften überfluten (auch auf Seite die es nicht wünschen)
  • Wir wollen unsere und Eure Liebe zur Freiheit und Menschlichkeit dem Hass entgegenstellen
  • Wir wollen mit Euch mehr sein als die die Hass und Menschenverachtung verbreiten
  • Wir wollen klarstellen, dass wir Hass und Menschenverachtung nicht akzeptieren-wir wollen mit Euch gemeinsam gegen halten

Sende uns Dein Foto & Statement an jm@makeanoise.de oder te@makeanoise.de 

Unsere ersten beiden Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind dabei. Jenny aus München und Smudo. Lasst uns das Internet als Ort abfeiern in dem frustrierte „Wutbürger“ keine Chance bekommen, ihre menschenverachtenden Botschaften zu nutzen, um Frustrierte zu fangen. lasst uns ein Gegenpol mit dem wichtigsten Gefühl der Menschheit bilden: Liebe!

Bundestagswahl:

Wir suchen derzeit Sponsoren. Diese Kampagne soll nicht nur online stattfinden. Die zehn besten Statements und Fotos wollen wir als Plakate drucken lassen und zur Bundestagswahl zwischen Wahlplakaten der Parteien platzieren. Wir wollen appellieren,  dass rechtspopulistische und menschenverachtende Ideologen im neu gewählten Bundestag 2017 nichts zu suchen haben. Wir wollen auch in diesem Zusammenhang an die Liebe appellieren. Wir wollen Menschen motivieren zur Wahlurne zu gehen. Nur wer wählt gestaltet und bestimmt Politik mit. Wir dürfen den „Wutbürgern“ nicht das Feld der Demokratie überlassen.

Viele weitere Aktionen sind im Rahmen der „Love Speech Therapy“ geplant. Wir werden immer wieder aktuell aufrufen und planen zudem eine intensive Aufklärungsarbeit zur Bundestagswahl. Wir nutzen „postfaktisch“ die Liebe , um Fakten zu schaffen.

Was im Rahmen der langfristig geplanten Kampagne bewirkt werden soll:

•Vermittlung demokratisch- freiheitlicher Grundwerte

• Aufklärung und Bildung zu politischen Themen

• Sensibilisierung und Förderung einer kritischen Dialogkultur

• Förderung gezielter Entlarvung populistischer Meinungsmache

• Medienkompetenz

Wir suchen Menschen die sich engagieren, die Konzepte gegen die rechten Tendenzen und den Hass im Rahmen der Kampagne „Love Speech Therapy“ mit uns gemeinsam entwickeln und umsetzen.

Geplant sind bis zum Herbst 2017:

  • Aufklärungsarbeit & Workshops an Schulen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Trägern (verschiedene Themen)
  • Aufrufe zur Bundestagswahl/ Wählen gehen!
  • Informations- Flyer zum Wahlsystem/Bundestag
  • Geplant sind verschiedene kleine Veranstaltungen unter dem Dach „Love Speech Therapy“- Informationen folgen

Wir sind für Partnerschaften und Kooperationen offen und freuen uns über eine etwaige Unterstützung und Kooperationen. 

 

Wohin geht die Reise?

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2004 starteten wir mit einer breiten bundesweiten Kampagne die zum Ziel hatte einen Zusammenschluss der Zivilgesellschaft gegen den wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland zu schaffen. Wenn ich 2016 betrachte, dann kann mir nur schlecht werden. Rassismus, Hass, Menschenverachtung waren so präsent wie nie. Rechtspopulisten wie die der AFD schüren Ängste, die bei Teilen der Bevölkerung gut ankommen. Die Nazis der NPD die uns von 2004 bis vor etwa vier Jahren täglich beschäftigten haben das Zepter rechtsextremistischer Politik (wenn man das so nennen kann) an die salonfähige AFD abgetreten und leisteten in Mecklenburg Vorpommern & anderer Orts gar Wahlkampfhilfe. Die Vorsitzende der AFD Frauke Petry ist ein Symbol für altes nationalsozialistisches Gedankengut. Sie forderte beispielsweise den Begriff „völkisch“ positiv zu besetzen. Sie ließ sich in Hitlers Wirkungsstätte dem Hofbräukeller in München feiern. Die Forderungen der AFD sind so offensiv rechts wie sie nie eine andere Partei so ausstossen hätte können. In neun Landtagen sitzt diese antieuropäische, nationalistische Partei die sich als „Alternative für Deutschland“ bezeichnet, nun schon als Opposition fest im Sattel. Die Bundestagswahl rückt immer näher und die Prognosen sehen diese Partei bereits mit mindestens 13% dort einziehen.

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Bild: Mit solchen einfachen Slogans gelang es der AFD große Erfolge bei den Landtagswahlen zu erzielen (gefunden auf www.handelsblatt.de)

Die AFD spielt nicht nur mit den Ängsten von Menschen, sondern nutzt strategisch klug jedes Ereignis. Die Terroranschläge des IS in Paris, Brüssel, Berlin und jede etwaige durchaus wie jede andere kriminelle Handlung zu verurteilende Tat eines Schutzbedürftigen in Deutschland sind die Grundlage dieser Partei, ihren Rassismus auszuleben. Die Menschen werden als Empfänger sensibler und sind ein hervorragendes Auffangbecken für „rechte Hetze“. Selbstverständlich sehen wir nicht schwarz. Genug Gegenpole zu den rechten Attitüden finden wir durchaus in dieser Zivilgesellschaft , aber eben leider auch immer mehr Leute, die die rechten Phrasen nachplappern und mit Inbrunst der Überzeugung vertreten. Anders als noch vor Jahren sind es eben nicht nur die Dumpfbacken die von vielen in den Vordergrund geschoben werden. Nein, wir treffen neuerdings auf Akademiker, Intellektuelle die rechtspopulistische Ideologien in Diskussionen verteidigen. Menschen, die von der so genannten „Flüchtlingskrise“ philosophieren und uns erklären, dass der Islam nicht zu Europa gehört und ihr Kreuz dann bei der AFD machen. Sie sprechen von der anderen nicht zu uns gehörenden Kultur, die die „Flüchtlinge“ mit zu uns bringen. Von Vergewaltigungen, weil die Muslime ein anderes Frauenbild haben, von den möglichen Terroranschlägen die aufgrund von Merkels  Flüchtlingspolitik stattfinden werden.

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Foto: Geben sich mit dem verabschiedeten Asyl-Gesetzespaket nicht zufrieden: Horst Seehofer und Andreas Scheuer (beide CSU). (Quelle: dpa) /t-Online

Mir erscheint es manchmal so, als hätten sich die Attitüden der Rechtspopulisten in die Hirne dieser Menschen gebrannt. Genau dies ist die Gefahr. Wir sprechen nicht über Leute, die nicht in der Lage sind ihre Argumente wenn auch mit Falschinformationen zu untermauern. Diese haben eine ungeahnte Kraft entwickelt. Eine Kraft die dazu führte, dass man sich in der Union, vorrangig die CSU der AFD Forderungen annimmt und Gesetzesverschärfungen zum Asylrecht, dichtere Grenzen für Europa und das Zurücksenden von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer nach Afrika fordert. Das ist beängstigend und zeigt welchen Einfluss Rechtspopulisten auf demokratische Parteien nehmen.

damit-donald-trump-aufFoto: Donald Trump /FAZ

Viele Demokratinnen und Demokraten machen wie auch in der Vergangenheit einen für mich fatalen Fehler. Sie nehmen diese so genannten „Rechtspopulisten “ nicht ernst. Genau dies ist auch eine Grundlage dafür, dass sie erfolgreich sind. Wie auch damals bei der NPD hören wir heute: „Die AFD ist nur eine Modeerscheinung und wird sich selbst zerfleischen“, „Die Pappfiguren Petry und Gauland kann man doch nicht ernst nehmen“ – „…wer glaubt, dass Trump in Amerika gewählt wird, der ist doch verrückt“.

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Foto: Gruppenbild für Maischberger (Das Erste) – Überschrift der Sendung „Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?“

AFD, NPD, Trump/USA, Le Pen/Frankreich, Gerd Wilders/Niederlande, Hofer/FPÖ-Österreich. Die Gegner neigen oft dazu, diese als Pappfiguren zu bezeichnen. Das ist gefährlich. Wir sollten an Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ aus 2010 denken. Selbst wir haben ihn damals belächelt. Heute ist er wieder im Rennen und hält Vorträge bei rechten Institutionen und Kadern. Überhaupt sollten wir alle merken, dass die öffentliche Präsentation von Rechtspopulisten in den Medien normal geworden ist. In sämtlichen Talkshows erleben wir AFDler, die frei unter dem Einfluss ihrer kruden Meinungen mit anderen diskutieren. Wir bieten diesen Menschen neuerdings eine breite mediale Plattform und laden Nichtdemokraten zu demokratischen öffentlichen Diskussionen ein. Wie sollen wir uns dann wundern, dass jene rechten Köpfe bei manch einem punkten. Hinzu kommt, dass selbst die Tagesschau Redaktion seit neuester Zeit darauf verzichtet, die AFD als rechtspopulistisch einzuordnen. Mit dem Argument des Chefredakteurs, „… die Menschen würden dieses Wissen haben und man bräuchte sie nicht mehr darauf hinweisen“. http://blog.tagesschau.de/2016/10/19/ist-die-afd-rechtspopulistisch/ . Wir nehmen all diese Entwicklungen inzwischen als „normal“ hin.

Die Mahner fehlen

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Foto: Die noch heute sehr engagierte Zeitzeugin des Holocaust Esther Bejarano bei einem Schulvortrag in Hamburg (sts Finkenwerder)

Mit „Laut gegen Nazis“ haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der NS-Diktatur Projekte umgesetzt. Wer einmal erlebt hat, wenn diese Menschen vor Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen über ihr Leben berichten, kann sich vielleicht vorstellen was ich meine. Mahnende Worte von ihnen sind es nicht allein, die die Zuhörerinnen und Zuhörer wahrnehmen. Meistens reicht es, wenn nur die Einzelschicksale dieser Menschen direkt präsent sind. Diese Mischung aus Erlebten und die Warnung vor menschenverachtenden rechten Tendenzen, die wir heute einfach nur so hinnehmen, sind wichtig. Fernab von der Internetkultur und dem „Social Media“ nehmen lebende Menschen mehr Einfluss, um Menschlichkeit zu fördern. Die Emotionen bei solcherlei Vorträgen sind echt und sie graben sich in die Köpfe der Zuhörerinnen und Zuhörer. Vielleicht ist die zeitliche Entfernung zu unserer eigenen Geschichte eine der vielen Gefahren, warum rechte Hetzer und Ideologien wieder eine größere Chance erhalten.

Ich selbst komme aus einer Familie die mit Nazis verseucht war. Darunter ranghohe SS Offiziere, die für das Morden Unschuldiger verantwortlich waren. Diese Menschen haben mich mit ihrem Hass einfach schon sehr früh angeekelt und ich wehrte mich gegen deren Gedankengut und Phrasen.  Vielleicht ist dies der Grund, warum ich „Laut gegen Nazis“ gegründet habe. Diese Zivilgesellschaft muss aufpassen, dass sie die Gräuel unserer Vorfahren nicht vergisst.  Vielleicht sind wir dann in der Lage zu erkennen, dass das was jetzt in Deutschland, Europa und der Welt passiert für uns alle, brandgefährlich ist.

Jörn Menge („Laut gegen Nazis“)

 

 

 

Die Initiativen aus Freital und Sachsen setzten am 02. Mai 2016 ein großes Zeichen – an diesem Tage hatten Nazis und Wutbürger keine Chance

13466103_10150963519169945_6569003873690442735_nFoto: „Banda Communale“

Wer bei dieser Headline glaubt wir sind auf Irrwegen, der täuscht gewaltig. Der 02. Mai 2016 hat in Freital/Sachsen ein Riesenzeichen gesetzt. Da sind wir eigentlich mit der „Counter Speech Tournee“ selbst eine Randerscheinung. Naja vielleicht nicht ganz. Als wir die Stadt in Form ihres Oberbürgermeisters Wochen vor der Veranstaltung für eine Unterstützung anfragten, bekamen wir die nicht fundierte Ablehnung unseres Ersuchens. “

„Die Stadtverwaltung hatte der Aktion vor Kurzem noch die Unterstützung verweigert, weil die Veranstaltung nach Ansicht der Stadt „nicht nur zu einer Aufheizung der öffentlichen Debatte führen, sondern das leider überregional bei manchen eingebürgerte Klischee, gerade in Freital gäbe es eine nennenswerte (Neo)Nazi-Szene, bestätigen würde“, schrieb Helmut Weichlein, der juristische Referent von Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) an den Verein. Das hatte Kritik ausgelöst. Um das Konzert kümmert sich nun die Freitaler „Organisation für Weltoffenheit und Toleranz. (SZ/07.04.2016)

bild-9682-resimage_v-variantsmall16x9_w-640Foto: Smudo und Mal Élévé von Irié Révoltés vor Veranstaltungsbeginn am 02. Mai 2016/Freital (mdr)

Sprich, erst nach langem Ringen, durften wir mit dieser Veranstaltung auf den „Platz des Friedens“. Dank der Initiativen vor Ort und des medialen Drucks lenkte die Stadt zweieinhalb Wochen vor unserem eigentlichen Tourstart ein. Wir wären trotz Absage gefahren, da wir mit einem Betreiber eines Privatgrundstückes bereits verhandelten, der wohl doch noch auf seinen Oberbürgermeister einwirkte. Direkt bei einem Begehungstermin in Freital wurden wir spontan in das Rathaus geladen. Dort offerierte uns der Oberbürgermeister selbst innerhalb von 10 Minuten, dass der „Zirkus“ der eigentlich für den 02. Mai 2016 auf dem Platz geplant war, nun doch an diesem Tage nicht dort stattfindet. So kam es dann doch dazu, dass wir die Veranstaltung auf dem geplanten „Platz des Friedens“ mit sportlicher kurzfristiger Organisation umsetzten.

hitlergruss-freital-100-resimage_v-variantbig1xn_w-1280Foto: Begrüßung mit dem Hitlergruß- Ein paar der Freitaler Nazis hätten unsere Veranstaltung sicherlich gerne gestört

Dieser Tourstopp war wohl das wichtigste Zeichen, welches wir mit und für die Initiativen in Freital und Sachsen setzen konnten. Die Menschen die sich jeden Tag gegen die Präsenz von Nazis in diesem Ort und Bundesland engagieren präsentierten sich auf dem Gelände. Das Medieninteresse war so groß, dass wir in der 20:00 Uhr / Tagesschau in den ARD-Tagesthemen, sämtlichen Formaten  der ARD (Morgenmagazin/Brisant), bei ZDF Heute/Plus und vielen renommierten Medien landeten. Wir stachen mitten in ein Wespennest, jedoch mit weniger Naziwespen als erwartet. Diese hatten sich zwar in unmittelbarer Nähe und in dem Ort versammelt (man sprach von ca. 100 Personen), jedoch gab es keine Chance uns ihren Hass zu zeigen. Die Polizei hatte das Gelände mit sehr viel Personal abgesichert. Man könnte auch sagen, hermetisch abgeriegelt, damit keiner der Rechtsextremisten auf das Gelände kam. Ca. 1.000 Menschen besuchten unsere Veranstaltung. Die Stimmung war ausgelassen. Wir hatten das Gefühl, endlich kamen die Menschen zu Wort, die sich seit Jahren gegen die dort ansässigen Rechten engagieren. Mit dabei waren auch Dresdener Zusammenschlüsse wie „Dresden nazifrei„. Ein Bündnis welches seit 2009 existiert und sich gegen die großen Aufmärsche von Nazis und immerwieder gegen PEGIDA quer stellt.

Foto: Smudo und Mal Élévé (Irie Révoltés) im Rahmen der "Counter Speech Tournee 2016" in Freital (02. Mai 2016) - Bildquelle: www.radiodresden.de/uploads/pics/Smudo2.jpg

Foto: Smudo und Mal Élévé (Irie Révoltés) im Rahmen der „Counter Speech Tournee 2016“ in Freital (02. Mai 2016) – Bildquelle: www.radiodresden.de/uploads/pics/Smudo2.jpg

Die Show wurde eher zur Nebensache. Das Gefühl war wichtig. Das Gefühl endlich nachhaltig gemeinsam mit den Künstlern und dem Publikum ein Zeichen gegen den Hass zu setzen. In einer Stadt in der der rechte Mob zu Beginn des letzten Jahres seinen Hass vor der dortigen Flüchtlingsunterkunft auslebte. In einer Stadt in der sich eine rechte Terrorzelle namens „Gruppe Freital“ formiert hatte und zum Glück aufflog.

Wir bedanken uns noch einmal bei „Leslie Clio„, der syrischen Band „Khebez Dawle“ , der Dresdener „Banda Communale“ und bei den beiden Headlinern „Smudo“ (Die Fantastischen Vier) und „Mal Élévé“ (Irié Révoltés) die anschließend mit dem nach Konzertende verbliebenen Publikum gemeinsam eine Polonäse hinlegten.

Unser größter Dank gilt allerdings den vielen Menschen vor Ort, die sich gegen rechte Tendenzen, Rassismus, Antisemitismus und Menschenverachtung wehren. Ihr seid diejenigen die am meisten bewegen und sich etwaiger Gefahren aussetzen. Wir hoffen, dass wir mit dieser Veranstaltung Nachhaltigkeit produzierten. Wenn wir können, kommen wir sehr gerne wieder nach Freital.

Einen sehr bitteren Nachgeschmack hatte dieser Tag jedoch. Die syrische Band „Khebez Dawle“ musste nach Freital die weitere Tour absagen. Eines der Bandmitglieder bekam einen Abschiebungsbescheid. Die bittere Realität in Deutschland. Er hatte schon fest ein Studienplatz und lebte in Berlin. Wir wissen leider nicht, was daraus geworden ist. Alle Beteiligten waren geschockt über diese Nachricht.

Erfolgreicher Rechtspopulismus entsteht durch Sprache und Gestik

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Foto: zeitklicks.de

Wir neigen im Moment dazu das „Social Media“ als Hauptgrund für den Rechtsruck in der Gesellschaft zu sehen und zu erkennen. Eigentlich ist es jedoch eine alte Geschichte. Wer Hass schüren will betreibt Polemik und verwendet eine Rhetorik, die den Nazis von damals gleich kommt. Als Symbol hierfür steht Joseph Goebbels der es mit seiner perfiden Nutzung von Medien und einer starken geschickt eingesetzten Körpersprache geschafft hatte, Menschen aufzuwiegeln und den Hass salonfähig zu machen. Leider so überzeugend, dass 12 Jahre Diktatur folgten, bei der Krieg und Massenmord die Folge waren. Erfolge der hasserfüllten Rassisten und Nationalisten entstehen durch den gezielten Einsatz der Sprache und der Gestik. Goebbels wurde zum Vorbild vieler Demagogen. So rutschte selbst einem der der bekanntesten Werber in Deutschland vor einigen Jahren einmal heraus, Goebbels könnte ein Vorbild für eine erfolgreiche Werbung sein, da dieser die Leute mit riss und ihnen ein gutes Gefühl der eigenen Sicherheit gab?
Der Propagandaminister der Nazis hatte es damals geschafft die Mehrheit in Deutschland hinter sich zu bringen. Mit dem Schüren von Hass und der gleichzeitigen Beruhigung, dass die Nazis dies alles in den Griff bekommen und viel besser machen würden. Während des Krieges forderte er von den Deutschen den „Totalen Krieg“. Jubel und Begeisterung trotz zerstörter Städte und des großen Leids des Krieges in der Bevölkerung, waren zu hören und zu sehen. Noch während des so genannten „Unterganges“ waren Menschen von einem bzw. Hitlers „Endsieg“ überzeugt.

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Foto: Einer der größten Nachahmer von Goebbels ist Björn Höcke/ www.web.de

Die Nachahmer von Goebbels tummeln sich geradezu in rechtsextremistischen, rechtspopulistischen europäischen Parteien. Sie wirken eher lächerlich , sind aber brandgefährlich. Diese neuen Hetzer zählen sich zu einer Elite und zur intellektuellen Szene. Sie nehmen mit einem anderen Erscheinungsbild ihre Wirkung auf, nicht in Uniform, im Anzug und Kostümchen.  Sie wollen „Wutbürger“ beruhigen die sie vorher genügend angestachelt haben. Blickt man in Parteiprogramme wie dem der AFD, stellt man eine Leere fest. Angelehnt an altes Nazigedankengut.  Sie kommen als Retter vor dem Untergang des Abendlandes her und reißen ihre Mitläufer mit. Diese scheinen sich für wahre Inhalte nicht besonders zu interessieren. Sie hören die Phrasen und das gefährliche Anheizen der Goebbels Kopien. Allzu oft werden diese rassistischen, antisemitischen Wortführer von dem Establishment und gebildeten Menschen nicht ernst genommen. Genau dies ist aber auch ein Problem. Wer hätte Trump vor einigen Monaten schon ernst genommen? Erst in der Wahlnacht kam der Schock, der eigentlich vorauszusehen war. Trump reihen wir bei den Rechtspopulisten ein und obwohl dieser rhetorisch nicht gerade glänzte, sondern mit Wut, Hetze und schwachen Plattitüden werkelte, wird dieser Mann im Januar der Präsident des mächtigsten Landes der Welt.  Ja, wir haben zu Beginn des Wahlkampfs auch über ihn gelacht, bis uns schließlich jenes im Halse stecken blieb.

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Foto: Donald Trump auch mit klaren Vorbildern / www.web.de

Die Sehnsucht nach starker Führung und einem neuen sorgenfreien Leben vieler Menschen, wird von den rechten Demagogen auf dieser Welt genutzt. Sie schüren Ängste die in Wirklichkeit nicht mal vorhanden sind. Sie spielen geschickt damit, den Menschen zu erzählen, dass sie in einer Demokratie keine Chance haben. Sie sind die Lösung für den Frust und suchen Schuldige. Diese Schuldigen sind die Menschen die alles verloren haben und Schutz suchen. In Amerika, in Europa, in Deutschland-eigentlich überall. Wir gehen weiter,diese rechten Demagogen sind die hässlichen Fratzen und die Verkörperung eines alten Geistes der immer stärker wird. Sie sind machtgeil und haltlos. Sie gehen über Leichen und suchen sich Opfergruppen auf die sie dann die Meute hetzen. All das haben wir in Deutschland schon einmal gehabt und irgendwie haben wir nicht draus gelernt. Wir lassen diesen alten Geist wieder wachsen. Fast ungeniert. Mit der Entschuldigung, dass die heutige Generation für die alte Nazi-Generation ja nichts kann.

Kurse für Körpersprache und Rhetorik werden viele Politikerinnen und Politiker sicherlich in Anspruch nehmen. Kein Zweifel, dass viele Gesten während einer Rede eingeübt sind. Dies sicherlich auch parteiübergreifend. Letztendlich ist das Wichtige jedoch, was man vermitteln will. Diktatoren der Geschichte und ihre Handlanger haben bewiesen wie Menschen beeinflussbar sind. Zu einer betonten Körpersprache kommen die Gestik und der Ton. Goebbels ist für uns das beste Beispiel. Eigentlich ein kleiner Mann, der bei seinen Reden groß wurde oder sich so darstellte. Sein Führer übte seine Reden vor dem Spiegel. Beide verfehlten die Wirkung nicht. Meist werden Menschen durch Rechtspopulisten heutzutage erst einmal aufgewiegelt. Die Ängste und dafür scheinbare Lösungen zu erfinden, ist die Strategie die meist erfolgreich ankommt.

Hierzu nutzen diejenigen die Hass schüren Enttäuschungen der Bürgerinnen und Bürger, die Wut gegen die existierende politische Landschaft, die Angst vor dem Fremden und nicht zu vergessen die Erklärung, man gehöre zu einer besonderen Gattung Mensch, denen andere alles entreissen wollen. Gerade hier in Deutschland war die so genannte „Flüchtlingskrise“ zu Beginn des Jahres die Argumentationslinie für rechte Polemiker und Rassisten, die mit ihrer Angstmacherei große Teile der besorgten Bürgerinnen und Bürger erreichte.  Ein Nährboden, den wir heute überall zu spüren bekommen. Im Internet leben sich diejenigen die sich von all der rechtspopulistischen Polemik hinreißen liessen derzeit richtig aus. Kein Phänomen. Hasskommentare entstehen nicht nur durch Social Media, sondern durch Menschen,die diesen Hass im realen Leben transportieren und in unseren Medien immer mehr Beachtung finden. Hierzu braucht es geschulte Hassprediger die gekonnt Sprache und Gestik einsetzen, um mitzureißen.

Ob die Lösungen die die AFD beispielsweise oder andere europäische Parteien in irgendeiner Form Relevanz haben, ist schier unwichtig. Einmal auf die Phrasen der Rechten aufgesprungen, ist das Gedankengut meist in den Köpfen verpflanzt. Nur so ist zu erklären, warum PEGIDA, die AFD und auch damals die NPD so große Aufmärsche und Veranstaltungen in Deutschland hinbekommen haben. Unsere Aufgabe sollte darin bestehen die symbolische Maske der rechtspopulistischen angeblichen Volksversteher mit Argumenten und beherzter Aufklärung herunter zu reißen und den Menschen zu zeigen, wem sie Glauben schenken.

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Foto: Nazis provozierten Straßenkämpfe in der Weimaer Republik.Durch eine immer größer werdende Präsenz, erlangten sie immer mehr Macht- heutzutage tummeln sie sich zuhauf im Internet.

Wir steuern gerade auf eine Zeit zu, die nichts Gutes bedeuten kann, wenn wir offene Menschenverachtung, Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus wieder zulassen. Die Entwicklung in der Weimaer Republik muss uns doch allen zu denken geben. Hitler wurde, als er empor kroch zunächst von Demokraten belächelt. Als Spinner und Fantast. Als man ihn letztendlich ernst nehmen musste, war er schon längst an der Macht. Mitläufer und die damaligen „Wutbürger“ rannten mit.

Fazit: Wir sind gefordert endlich gegen diese Entwicklungen zu agieren. Die rechtspopulistische AFD, deren Vorsitzende Petry das Wort „völkisch“ positiv besetzen möchte und im Hofbräuhaus (einer von Hitlers ersten Wirkungsstätte) sich feiern ließ, genau diese AFD wird wohl nach allen derzeitigen Prognosen 2017 in den Bundestag einziehen. Sie sitzt zudem bereits in neun Landtagen als Opposition. Das ist nicht mehr witzig, nicht zu belächeln und sollte uns den nötigen Ernst verschaffen, aufzustehen.

JM für LGN

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Dumpfbacken, oder werden die Nazis tatsächlich intelligenter?

Zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus 2016“ produzierten wir mit Unterstützung der Hamburger Werbeagentur „Kolle Rebbe“ und der Filmproduktion „Element E“ das offizielle Video zur Aktion. Ebenfalls unterstützte uns die Bundesliga Stiftung und das

Unternehmen www.wg-gesucht.de . Smudo präsentierte das von einem amerikanischen Comic resultierende Werk. „Brains“ schreit der Zombie der in einer Fußgängerunterführung auf einen Nazis trifft. Angeekelt wendet sich der Zombie von dem möglichen Opfer ab, denn Zombies wollen „Hirn“.

Selbstverständlich finden wir dieses Video hervorragend. Natürlich gehen wir davon aus, dass Rechtspopulisten, Nazis und Menschenverächter kein Hirn haben können, bzw. hirnlos sind. Ist das jedoch wirklich so? Sind diese Leute einfach nur dumm? Leider müssen wir einen Trend hinnehmen, der wohl ein trauriges Gegenteil vermuten lässt. Rassisten wie Donald Trump, die AFD, Hofer in Österreich (FPÖ) und Le Pen in Frankreich scheinen den Nerv der Unzufriedenen zu treffen. Ein Nerv der Ängste und Vorurteile schürt. Das Wort des Jahres „postfaktisch“ trifft es. Die Vereinnahmung von Bürgerinnen und Bürgern deren Emotionen fehlgeleitet und geweckt werden. Eine fatale Situation.

Die neue rechte Szene scheint anders als noch vor Jahren, mit klugen Strategen zu agieren. Keine Jürgen Riegers oder Pastörs (beide NPD) mehr, die offen ihr Gedankengut dumpf zur Schau stellten und den Holocaust leugneten. Deren Jünger waren meist fehlgeleitete Dumpfbacken die ihrer Gewalt hirnlos frönten und mit tausenden Kameraden durch Dresden oder Wunsiedel marschierten. Viele Mitläufer und „Hau drauf-Nazis“ . Große Aufmärsche finden heute nur noch unter dem Dach von PEGIDA statt. In dem Gemisch der sich dort versammelt, finden wir trotz der Dumpfbacke Bachmann Anwälte, Akademiker und viel Geläuf, die an das Abendland glauben. Nicht nur der stumpfe Schläger läuft dort mit. Nein, 2016 hat uns gezeigt, dass rechtes Gedankengut nicht nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sondern ein Teil der so genannten Mitte marschiert mit und wählt die AFD, die inzwischen in neun Landtagen vertreten ist und wohl ziemlich sicher auch 2017 in den Bundestag einziehen wird.

Im Januar 2017 wird ein Mensch namens Donald Trump Präsident der USA, den viele noch belächelt haben. Ein Rassist der mit Rechtspopulismus die Wahl in dem mächtigsten Land dieser Erde gewann. Im Wahlkampf wurde er noch oft ausgelacht. Nach dem Motto so einer kann doch so ein Amt nicht bekleiden. Genau dies ist ein Punkt. Wir sollten die Hetzer nicht unterschätzen. Je mehr Macht sie erhalten, desto mehr Menschen werden mitlaufen. Hitler hatte man Jahre vor seiner Wahl zum Reichskanzler auch nicht ernst genommen. Als er sich dann selber zum „Führer“ kürte liebäugelte das Establishment und die Elite Deutschlands mit ihm. Großindustrielle witterten ihre Chancen. Fast jedes große Unternehmen kooperierte mit dem System der Menschenverachtung und des Völkermords. Der kleine Mann wurde ganz groß. SS Schergen die Menschen umbrachten gehörten damals einer Elite an, ohne Schuldbewusstsein.

Unser Appell nach diesem politisch erschreckenden Jahr 2016:

Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschenverachtung in dieser Welt noch mehr Platz findet. wir müssen uns diesem Hass massiv entgegenstellen. Und auch wenn wir es nur ungern sagen, wir müssen diese rechten Hetzer die heute aktiv sind in soweit ernst nehmen, dass sie eine Gefahr für unser freies Leben darstellen und sie leider inzwischen einen großen Einfluss nehmen, der fast beängstigend ist.

Dies gilt im Übrigen nicht nur für das Internet und Social Media. Der Hass und die Phrasen die wir dort finden sind nicht nur gepostete Worte. Nein, derjenige der diese postet, dessen Geist ist von den nicht harmlosen Hetzern bereits verseucht. 2016 müssen wir leider feststellen: Es sind zu viele Menschen, die diesem rechtsextremen Geist bereits folgen. Das müssen wir mit aller Ernsthaftigkeit stoppen.

 
Hier noch einmal unser Spot aus dem März 2016:

JM für LGN

Beitragsfoto: knox.blogsport.de