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Hackerangriff überstanden – Neustart in 2017 – 2016 abgehakt (nicht ganz)

Zunächst einmal bedanken wir uns bei unserem ehemaligen Vorstandsmitglied des Vereins „Laut gegen Nazis e. V.“ Sebastian Mietzner, der uns diese neue Homepage im Rahmen eines Sponsorings seiner Agentur „MediaCarePartner“  mediacarepartner  kostenlos ermöglicht hat. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden erhöht und können Hackerangriffen wohl Stand halten. Wir bedanken uns bei allen Facebook Userinnen und Usern, die uns über diesem Wege viel Hilfe angeboten haben, um unsere Seite wieder an den Start zu bringen. Die Reaktionen auf die Meldung, dass wir nach dem Zerstören unser Homepage „offline“ waren, waren für uns eine Stärkung, alles dafür zu tun schnell wieder alle Informationen zu unserer Arbeit zu veröffentlichen. Ein wenig wird es allerdings dauern, bis wir den Schaden wieder wett gemacht haben.

2016 für alle und auch für uns kein gutes Jahr & der „Hass im Netz“ bleibt

Im November 2015 gewannen wir wohl einen der wichtigsten Internetriesen für eine Tournee namens „Counter Speech Tour 2016“, Facebook Deutschland. Daraufhin folgte ein Sponsoring welches einen Teil der Kosten abdecken sollte. Weitere Sponsoren stiegen ein. Eine Gesamtkosten-Deckung erreichten wir am Ende nicht wirklich. Wir hatten die Hoffnung, die erfüllt wurde, den ehrenamtlichen Helfern in den Unterkünften für Schutzbedürftige, den Initiativen in Orten mit einem Naziproblem wie Freital/Sachsen ein Forum zu geben und jene öffentlich zu unterstützen.

Die Medienwirksamkeit dieses Projektes erreichte mehrmals große Höhepunkte. Renommierte Redaktionen aus sämtlichen Sparten (TV, Internet, Rundfunk, Print) berichteten stets über sämtliche Entwicklungen. Über vier Monate lang waren wir allseits präsent. Wir hofften, dass wir nachhaltig auf Gegenmaßnahmen zu dem „Hass im Netz“ aufmerksam machen konnten. Zu all den Hasskommentaren und der Entwicklung die noch bis zum Sommer 2016 Thema waren. Dann kamen die Fußball-Europa Meisterschaft, die Sommerferien, Olympia und schon war gefühlt all das was wir anstossen wollten, vergessen. Facebook unterstützte uns bis zum Ende der Tournee (Mai/Juni 2016). Das Sommerloch riss nicht nur wirtschaftlich ein großes Loch in unsere Arbeit. Wir hatten das Gefühl, das noch Monate zuvor wichtige Thema, die Gegenmaßnahmen zum „Hate Speech“ immer weniger Bedeutung gewann. Wir versuchten und versuchen immer wieder das Ganze zu beleben, wendeten uns an die Internetgrößen, an das Justizministerium und irgendwie konnten wir trotz des Erfolges des ersten Halbjahres nicht mehr punkten. Aber, wir geben natürlich nicht auf. Aus diesem Grunde starten wir am 01. März 2017 eine nächste  eigene Kampagne namens „Love Speech Therapy“ . Alle vorläufigen Informationen finden sich hier. www.lautgegennazis.de/portfolio-item/love-speech-therapy/

Das zweite Halbjahr 2016 war eines der schwierigsten seit Bestehen von „Laut gegen Nazis“ (seit 2004) – doch jetzt starten wir eben richtig durch. Dies verdanken wir vor Allem „Die Fantastischen Vier“ , die uns wirtschaftlich seit Jahren und vor Allem seit dem Winter 2016 wieder wirtschaftlich unterstützen.

 Rechte Hetzer und Populisten seit 2016 noch stärker auf dem Vormarsch

Das Klingt wie ein Nazi-Jargon. Ist es auch. Genau diese Formulierung beschreibt das ständige Wachsen rechten Gedankengutes nach alten Mustern. Abgesehen von der AFD, die 2016 mit hohen Stimmenanteilen in Landtage einzog, knicken demokratische Parteien in Deutschland ein und übernehmen deren Forderungen. Alltagsrassismus und „Rechter Terror“ sind 2016 und 2017 inzwischen wieder Alltag geworden. Keiner der sich aus der Bundespolitik verantwortlich zeichnen könnte übernimmt eine massive Gegenbewegung zu dem allseits entstehenden Hass und der Menschenverachtung.

Klar gibt es sehr viele Menschen die sich gegen diesen Trend stellen, aber Politik und Medien bieten hier momentan wenig Foren und Unterstützung. Hier nützen keine Fördermittel für Initiativen allein, sondern unterstützend zu diesen Mitteln fehlt der Mut, in gewissen Positionen endlich aufzustehen und aufzuschreien. Eine Normalisierung findet statt, die alle großen populären Mahner nur erstarren lassen kann.

Gleichgültig wird der Tod von Menschen an den Grenzen Europas hingenommen. Ein tausendfacher Tod, der politisch positiv dargestellt wird in einer Region dieser Welt die im Reichtum schwimmt. Europa! Dieser Trend hält an. Die Aggressivität in der Zivilgesellschaft steigt nicht nur in Deutschland, sondern überall dort, wo Menschen mit Ängsten durch Rechtspopulisten gewonnen werden. Ängste die uns im Gegensatz zu all dem was um uns herum passiert, völlig absurd sind.

Fakt ist, wenn wir diese Entwicklungen nicht drehen und stoppen, wird das Jahr 2017 ein absolut gefährliches Jahr für diese Welt. Wer die erste Pressekonferenz des neuen Präsidenten der USA Donald Trump heute verfolgt hat, der muss eigentlich vor Angst erstarren, bei dem was da auf uns zukommen könnte. Wir glauben und hoffen jedoch, dass die Amerikaner nicht alles zulassen werden, was dieser Mann via Twitter und sonstigen medialen Mitteln von sich gibt.

Dabei dürfen wir eines nicht vergessen. Dieser Mann wurde nach der Wahl von Rechtspopulisten in der Welt gefeiert. Auch hier in Deutschland.

2016 eben kein gutes Jahr! 2017 wird der Bundestag gewählt. Wir bleiben unbequem!

J.M. für LGN

Die „Counter Speech Tournee 2016“ vom 27. April bis zum 04. Mai war nicht nur medial ein großer Erfolg. Sie stärkte vielen Menschen den Rücken und weckte Emotionen!  

13177292_10150946913239945_7415707752805624877_nEin Team aus drei Leuten plante bereits im Oktober 2015 eine Tournee zu den Flüchtlingsunterkünften und Initiativen die sich täglich gegen rechtes Gedankengut engagieren. Wir wollten zu denjenigen die während der so genannten Flüchtlingskrise und der Zeit in der Bundeskanzlerin Merkel „Wir schaffen das““ ausrief, sich ehrenamtlich weit über die Maße eines normalen Engagements aufrieben. Die Menschen die den zu uns kommenden Schutzbedürftigen aus Kriegsgebieten eine seelische, moralische und auch materielle Stütze geben. Die Menschen die ihre Zeit gaben und geben, damit Menschlichkeit in diesem Lande nicht nur ein Traum bleibt.

Die Tournee: +++ 27.04. Passau +++ 28.04. Köln +++ 29.04. Münster  +++ 02.05. Freital +++ 03.05. Wismar +++ 04.05. Flensburg +++

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Foto: Pressekonferenz zur „Counter Speech Tournee 2016/Hamburg-Januar

Die Namensgebung der Tournee entstand durch das massive Problem der „Hassreden“ im „Social Media“, insbesondere Facebook stand damals im Fokus der Öffentlichkeit und der Justiz in Deutschland. Einberufene Task Forces des Justizministeriums motivierten Facebook, YouTube, Twitter und Co. letztendlich zu größeren Handlungen. Unsere Tournee sollte die Gegenargumentation zum Hass auf die Straße bringen. Eben das Prinzip „Counter Speech“, welches von Facebook als adäquates Mittel gegen Hasskommentare forciert wird. Nach Absprache mit Facebook Deutschland entstand so der Name. Das Unternehmen trat als Sponsor auf. Die Kosten für die Tournee verwalteten wir eigenständig und bekommen diese noch heute zu spüren. Ca. 70 % der Gesamtkosten wurden von Facebook übernommen. Trotz weiterer Sponsoren müssen wir  heute immer noch ein Defizit feststellen. Dank der Janosch AG , Warner Music und vielen weiteren Unterstützern sind wir nun bis zum Winter gekommen und bauen neue Projekte und Konzepte auf. Derzeit befinden wir uns mit „Die Fantastischen Vier“, unseren jahrelangen Unterstützern auf bundesweiter Tournee, um neue Budgets zu erwirtschaften.

Unsere beiden Headliner für die Tournee: „Leslie Clio“ und „Khebez Dawle“

Die Stimmung kippte vor dem Tourstart

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Foto: Grenzzaun – Ostgrenze Europa www.migazin.de

Als wir am 27.04.2016 in unserer ersten Tourneestadt Passau ankamen, wurde uns klar, dass wir schon ein kleines bisschen zu spät dran waren. Seit Wochen gelangten keine syrischen Schutzbedürfigen mehr in die bayrische Stadt. Die Unterkünfte waren schon leer. Die Menschen die dort im Herbst über Österreich nach Deutschland kamen, waren schon im Bundesgebiet verteilt worden. Wir arbeiteten mit der wunderbaren Initiative „Passau verbindet“ zusammen, die sich auf der Open Air Veranstaltung bei 5 Grad und Schneeregen wacker präsentierten und uns logistisch stark unterstützten. Diese berichtete von dem Herbst 2015. Von der Nacht in der 8.500 Menschen nach Grenzöffnung in die Stadt strömten. Sie berichteten uns von dem wunderbaren Engagement der meisten Passauer die alles darum gaben den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben.

„Passau verbindet“ hatte unsere gemeinsame Veranstaltung trotz der vorhergegangenen Unterstützungsabsage des Passauer Bürgermeisters an uns mit getragen. Auf  der gesamten Tournee trafen wir anschließend in allen Städten auf so viele tolle Menschen, die Schutzbedürftige unterstützen und ihnen ein Leben lebenswerter machten. Ohne große Politik, ohne staatliche Mittel. Unser Anliegen diese Menschen moralisch mit der „Counter Speech Tournee“ zu unterstützen, war allerorts gelungen.

Unvergessene Momente in Wismar und Münster

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Foto: Wismar 03.Mai 2016 – Gedenkminute für Aleppo

In Münster kehrten wir am 29. April 2016 in der größten Flüchtlingsunterkunft der Region ein. Dank des ASB werden und wurden die Menschen dort wunderbar betreut. Unser Konzert war ein Rahmenprogramm für all die Hilfe die den syrischen Schutzbedürftigen hier zuteil kamen und kommen. Der Moment, als die syrische Band „Khebez Dawle“ die Bühne betrat, bleibt für uns unvergesslich. Ein Stück Heimat derer die vor dem Tode und Krieg flohen stand nun dort und gab ein Konzert. Wir sahen glückliche Gesichter und viele Tränen im Publikum. Dies waren die Momente, die uns für unsere Tour bestärkten. Diese Tournee haben wir für die Menschen und nicht für die Sponsoren veranstaltet. Auch die mitreisende „Leslie Clio“ schien gerührt. Enno Bunger, der nur in Münster zugegen war, war gerührt und beeindruckt, welch Freude und Glücksgefühl Musik schaffen kann. Eines dieser unvergessenen Tage in einer Zeit, in der die Stimmung der Willkommenskultur in Deutschland durch Rechtspopulisten sich gerade stark veränderte. Eine Zeit in der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte wieder bereits zahlreich stattfanden. Eine Zeit in der Europas Grenzen wieder geschlossen wurden.

14291635_10151014661484945_8578995659479980474_nFoto: Gedenkminute für Aleppo am 03.Mai 2016 in Wismar

Dieser Moment in Wismar ist und bleibt unvergesslich. Menschen deren Familienangehörige damals noch in Aleppo lebten, also mitten im Krieg, gedachten auf unserer Veranstaltung ihren Lieben in dieser von Bomben und Krieg zerstörten Stadt. Die Halle war still. Alle Anwesenden dürften Gänsehaut gehabt haben. Dies war merklich. Auf einmal war dieser unnötige bittere Krieg und diese Stadt auf unserer Tournee angekommen. Ein Moment den wir nie vergessen werden. Ein Moment, den wir allen Wutbürgern und rechten Denkern gerne ins Hirn gebrannt hätten. Keine Show. Nein. Hier haben wir die Gefühle dieser Menschen hautnahe erlebt. Männer, Frauen, Kinder und viele der Beteiligten brachen in Tränen aus. Ein Symbol für die Unsinnigkeit von Kriegen. Ein Symbol für die Menschen die alles verloren haben und um ihre in Aleppo hinterlassenen Familien bangten und und an sie gedachten. J. M. für LGN

Was wir in Freital bewegen konnten, berichten wir im 4. Teil unseres Jahresrückblicks. Von einem Bürgermeister und vielen wunderbaren sächsischen Initiativen, die sich den Nazis in ihrem Ort entgegenstellen.