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 Foto: www.mittelbayerische.de

Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Leonhard F. Seidl (41) ist seit 2012 Pate zweier Schulen für Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Auch darum stellt er sich hinter die Schulleiterin des Gymnasiums Dorfen. Sie hatte eine eine von Schüler*innen organisierte Podiumsdiskussion aufgrund der Teilnahme der Jungen Alternative für Deutschland abgesagt. Lediglich eine andere Vorgehensweise hätte er sich gewünscht.

 Niemand würde Neonazis in eine Schule einladen

Leonhard F. Seidl

 

In der Sache hat die Rektorin des Gymnasiums Dorfen Frau Andrea Hafner absolut richtig gehandelt: die Podiumsdiskussion abzusagen, an der auch die Jugendorganisation der AfD, der Jungen Alternative (JA) hätte teilnehmen sollen. Hatte sie sich doch mit ihrer Unterschrift verpflichtet, einen Auftritt derer zu verhindern. Genau wie siebzig Prozent »aller Menschen, die in … (dieser) Schule lernen und arbeiten (SchülerInnen, LehrerInnen, Verwaltungs- und technisches Personal)«. Sie hatten die Selbstverpflichtungserklärung des europaweiten Netzwerkes von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SOR-SMC) unterzeichnet, dessen Titel das Dorfener Gymnasium trägt. Weiter verpflichtete sie sich und damit die Schule dazu, »…wenn an meiner Schule Gewalt oder diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden …«, sich dagegen zu wenden.

Denn Teile der Jungen Alternative sind nicht nur gewaltbereit und rassistisch, sondern haben auch personelle Überschneidungen mit den Rechtsextremen der »Identitären Bewegung « (IB). Trotz des Unvereinbarkeitsbeschlusses der AfD vom Juni 2016, der dies theoretisch ausschließt. Verwunderlich ist dies nicht. Bezeichnete der bayerische AfD Vorsitzende Petr Bystrono die IB als »tolle Organisation, eine Vorfeldorganisation der AfD« bezeichnet und wird seitdem vom Verfassungsschutz beobachtet. So saß das Vorstandsmitglied der JA, Jannik Brämer am Steuer eines Wagens, als Mitglieder der IB im Mai das Justizministerium stürmten. Dabei soll er einen Polizisten angefahren haben, weswegen er mit dem Vorwurf der schweren Körperverletzung mit mit einem Haftbefehl nach ihm gesucht wurde. Dies sind nur einige von vielen Beispielen der Verstrickung der JA mit der rechtsextremen IB. Jene verstecken ihren Rassismus wie die gesamte neue Rechte geschickt. Ihr sogenannter »Ethnopluralismus«, auch »Rassismus ohne Rassen« genannt, verwendet vereinfacht ausgedrückt, anstelle des Begriffs der »Rasse« den Begriff der »Identität«. So dürfe sich die »Identität« nicht mit Gruppen und Kulturen vermischen, weil sie ihre, die eine »Rasse« als hochwertiger erachten. Was den Schülern der 12. Klasse vermutlich so oder so ähnlich aus dem Geschichtsunterricht bekannt vorkommen dürfte. Darum ist auch Absage der Jusos nur als folgerichtig anzusehen, in der sie begründen, dass die JA »offenkundig rechte Hetze betreibt und menschenverachtende, nationalistische und rassistische Positionen vertritt«.

Die Reaktion der Schüler*innen, deren Podiumsdiskussion nun »verboten« wurde, ist allerdings auch nachvollziehbar. Aber der Schulleiterin einer Schule  ohne Rassismus – Schule mit Courage aufgrund dessen vorzuwerfen, sie habe keine Courage, »besagten Konflikten offen zu begegenen und das Risiko für eine wirskame politische Erziehung von Kindern und Jugendlichen einzugehen« ist falsch. Denn sie war sich mit ziemlicher Sicherheit darüber im Klaren, dass ihre couragierte Entscheidung einen Sturm der Entrüstung hervorrufen würde. Und die AfD bzw. die JA versuchen wird, sich zu einem Opfer zu stilisieren. Was schon geschehen ist, wie der Kommentar des Münchner Merkur Journalisten Toni Renner auf Facebook zeigte, der die AfD auf Facebook als »demokratische Partei« und von der »ultralinken Juso-Moralinstanz« spricht. Vermutlich nicht zuletzt, da die AfD und damit auch die JA es die letzten Jahre geschafft haben, sich ein demokratisches Deckmäntelchen, durch ihre wohldurchdachte Taktik umzulegen. Denn viele haben immer noch das Bild der glatzköpfigen, besoffenen Neonazis mit Springerstiefeln vor sich. Und keine intelligenten, hippen, jungen Menschen, deren Menschenbild in seiner Abscheulichkeit dem der Neonazis in nichts hinterhersteht. Was sich zuletzt offenbarte, als die IB Geld für eine Schiffsflotte sammeln wollte, um Rettungsschiffe für Geflüchtete im Mittelmeer zu stören. Angesichts Tausender ertrunkener Geflüchteter nicht weniger menschenfeindlich als ein Brandanschlag auf ein Haus mit Migrant*innen. Wie 1992 und im darauffolgenden Jahr in Mölln und Sollingen geschehen, als insgesamt acht Menschen, Kinder und andere Familienmitglieder starben. Niemand würde auf die Idee kommen, Neonazis zu einem Podiumsgespräch in eine Schule einzuladen.

 

Allerdings wäre wünschenswert gewesen, dass die Schulleiterin mit den Schüler*innen und Schülern, welche die Veranstaltung organisiert haben, bespricht, ja sogar diskutiert, weshalb der JA kein Podium in einer Schule geboten werden sollte. Nicht zuletzt, weil es in der Selbstverpflichtungserklärung von SOR-SMC heißt: » … Und (ich) setze mich (bei rassistischen Äußerungen) dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig zu achten.« Genau so, wie man seinem Kind erklären sollte, warum man anderen Kindern nicht weh tut. Was auch die Chance erhöht, dass aus ihnen später tolerante Menschen werden, denen die Freiheit aller Menschen am Herzen liegt. Unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe.

Unsere „Love Speech Therapy“ mit über 800 Statements von Userinnen und Usern 
 
„Wenn in diesem Land Hass ganz offensichtlich organisiert wird, wieso organisieren wir dann nicht auch die Liebe?“ Fragte bereits die Bloggerin und Netz- Aktivistin Kübra Gümüşay in ihrer Rede auf der re:publica 2016. Liebe organisieren. Das bedeutet konkret: Wir feiern unsere demokratischen Werte, die Freiheit – und die Liebe. Wir brauchen Dialog, Austausch, Kontakt, um Ängste vor Unbekanntem zu nehmen und Chancen für neue Wege aufzuzeigen. Wir fordern Bildung und Aufklärung um die Immunität unserer Gesellschaft im Umgang mit rechtspopulistischer Meinungsmache zu stärken. Wir möchten Zusammenschlüsse bilden, deren Merkmale und gemeinsamer Nenner sich nicht darin äußern gegen ein konstruiertes Feindbild zu sein. Ein Impfmittel für die Liebe und für die Menschlichkeit.
Die „Love Speech Therapy“ geht in die Entscheidungsphase/ 6 Jury Mitglieder sind bestätigt:
 
Der Zeitplan:
31. Mai `17 Einsendeschluss für Statements/Plakataktion (ca. 800 Einreichungen) http://www.lautgegennazis.de/love-speech-therapy-2/ (noch nicht alle veröffentlicht)
21. bis 30. Juni ’17 Online Voting (Userinnen & User) für die besten 20 v. 40 eingereichten Statements/Facebook (Vorauswahl wird von uns erstellt)
10. Juli ’17 Offizielle Jury-Entscheidung für die besten 10 von 20 online ermittelten Motive
15. bis 21. Juli ’17 Foto-Shooting mit dem Fotografen Sebastian Mietzner mit den Gewinnern/Plakataktion
24. bis 28 Juli ’17 Layout/Plakatdruck
ab 10. August ’17 Distribution/Plakate in fünf Städten
Begleitend werden wir ab dem 01. August 2017 Online Broschüren zur Bundestagswahl erstellen. Diese werden locker und mit Spaß von einem Buchautor geschrieben und erstellt. Alle Schritte begleiten wir online.

Ziele der Kampagne

– Interaktive Aktion, um Menschen im Social Media zu motivieren mitzumachen

– eigene Statements und Portraits gegen den Hass für die Liebe

– Installation einer Onlinebewegung gegen den Hass, gegen Mobbing und Ausgrenzung im Internet

– Aufklärungsarbeit zum Thema Hassreden und Medienkompetenz

– Einbindung von Counter Speech Elementen (Argumentationen gegen den Hass)

Projektleitung: Jörn Menge jm@makeanoise.de / Grafik Design: Lena Winkel, lenawinkel.com

„Love Attack“ statt „Like Attack“ – Lasst uns das Netz mit Liebe füllen!

„Love Speech Therapy“ statt „Hate Speech“ – Wir ziehen mit Dir in den Bundestagswahlkampf

Eine Kampagne gegen Hass und Menschenverachtung – gib uns Dein Statement – Dein Foto und werde zu einem Bundestags-Wahlplakat

 Foto: Jenny aus München startet gemeinsam mit Smudo (Die Fantastischen Vier) und uns die “ Love Speech Therapy“

Die Idee:

Alle reden über den „Hass“, Rassismus, Hasskommentare und stete Menschenverachtung im Netz und auf der Straße und niemand hat ein Gegenmittel? Dabei ist es so einfach. „Liebe“ ist und war schon immer stärker und genau dies wollen wir klarstellen.

Wir wollen den Menschenverächtern zeigen, dass sie arme Wichte sind, wenn sie das wichtigste Gefühl eines Menschen nicht mehr wahrnehmen können.

Uns ist wichtig, dass Ihr gemeinsam mit uns Stellung  bezieht. Sendet uns Eure Statements, Euer Gefühl. Warum steht Ihr zu unserer Vielfalt und Freiheit, warum liebt Ihr diese Welt, dieses Leben und die Menschen. Seid kritisch und wehrt Euch gegen diesen immer stärker werdenden sinnlosen Hass mit dem Menschen ausgrenzt und zur Gewalt angestachelt werden.

Zeigt uns Eure „Liebe“:

  • Sendet uns Euer Foto im Hochformat
  • Sendet uns ein kurzes Statement (nicht zu viel Text)
  • Wir layouten ein Plakat für und mit Euch
  • Wir verbreiten Euer Statement via „Social Media“ (Facebook/Twitter/Instagram)
  • Wir richten eine „Love Speech Therapy“ – Internetseite mit Euern Plakaten und vielen weiteren aktuellen Informationen zur Kampagne bis zum 01. März 2017 (Offizieller Start) ein

Ziel:

  • Wir wollen das Internet mit positiven aber auch kritischen Liebesbotschaften überfluten (auch auf Seite die es nicht wünschen)
  • Wir wollen unsere und Eure Liebe zur Freiheit und Menschlichkeit dem Hass entgegenstellen
  • Wir wollen mit Euch mehr sein als die die Hass und Menschenverachtung verbreiten
  • Wir wollen klarstellen, dass wir Hass und Menschenverachtung nicht akzeptieren-wir wollen mit Euch gemeinsam gegen halten

Sende uns Dein Foto & Statement an jm@makeanoise.de oder te@makeanoise.de 

Unsere ersten beiden Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind dabei. Jenny aus München und Smudo. Lasst uns das Internet als Ort abfeiern in dem frustrierte „Wutbürger“ keine Chance bekommen, ihre menschenverachtenden Botschaften zu nutzen, um Frustrierte zu fangen. lasst uns ein Gegenpol mit dem wichtigsten Gefühl der Menschheit bilden: Liebe!

Bundestagswahl:

Wir suchen derzeit Sponsoren. Diese Kampagne soll nicht nur online stattfinden. Die zehn besten Statements und Fotos wollen wir als Plakate drucken lassen und zur Bundestagswahl zwischen Wahlplakaten der Parteien platzieren. Wir wollen appellieren,  dass rechtspopulistische und menschenverachtende Ideologen im neu gewählten Bundestag 2017 nichts zu suchen haben. Wir wollen auch in diesem Zusammenhang an die Liebe appellieren. Wir wollen Menschen motivieren zur Wahlurne zu gehen. Nur wer wählt gestaltet und bestimmt Politik mit. Wir dürfen den „Wutbürgern“ nicht das Feld der Demokratie überlassen.

Viele weitere Aktionen sind im Rahmen der „Love Speech Therapy“ geplant. Wir werden immer wieder aktuell aufrufen und planen zudem eine intensive Aufklärungsarbeit zur Bundestagswahl. Wir nutzen „postfaktisch“ die Liebe , um Fakten zu schaffen.

Was im Rahmen der langfristig geplanten Kampagne bewirkt werden soll:

•Vermittlung demokratisch- freiheitlicher Grundwerte

• Aufklärung und Bildung zu politischen Themen

• Sensibilisierung und Förderung einer kritischen Dialogkultur

• Förderung gezielter Entlarvung populistischer Meinungsmache

• Medienkompetenz

Wir suchen Menschen die sich engagieren, die Konzepte gegen die rechten Tendenzen und den Hass im Rahmen der Kampagne „Love Speech Therapy“ mit uns gemeinsam entwickeln und umsetzen.

Geplant sind bis zum Herbst 2017:

  • Aufklärungsarbeit & Workshops an Schulen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Trägern (verschiedene Themen)
  • Aufrufe zur Bundestagswahl/ Wählen gehen!
  • Informations- Flyer zum Wahlsystem/Bundestag
  • Geplant sind verschiedene kleine Veranstaltungen unter dem Dach „Love Speech Therapy“- Informationen folgen

Wir sind für Partnerschaften und Kooperationen offen und freuen uns über eine etwaige Unterstützung und Kooperationen.