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Nazis raus aus den Parlamenten!
Sechs Millionen AFD Wähler bremsen Engagement gegen Rechtsextremismus
-Eine Geschichte darüber wie der Rechtsruck sich wirtschaftlich auf Initiativen und Institutionen gegen Rechtsextremismus auswirkt-
Am 17. September 2017 zog die rechtsextremistische, rechtspopulistische AFD mit 12% der Wählerstimmen in den Bundestag ein. Dies bedeutet, sechs Millionen Menschen haben diese Partei gewählt, die mit Goebbels Imitaten wie Höcke, Gauland, Poggenburg und vielen anderen auffallen. Nazis im Anzug, offiziell gewählt, sitzen nach 69 Jahren wieder in einem deutschen Parlament. Ein Schlag in das Gesicht für die Opfer des Nationalsozialismus, aber auch die Opfer rechter Gewalt der letzten Jahrzehnte.
Die rechten Hetzer gießen Benzin in ein Feuer, welches wir löschen müssen. Rassismus, Antisemitismus und Menschenverachtung bahnen sich immer mehr ihren Weg in die Mitte der Gesellschaft, an die Stammtische, auf die Straße und in die Stadien. Wie sehr die AFD; PEGIDA und andere Rechtspopulisten sowie die CSU an der Entwicklung mitwirken zeigen die Zahlen aus 2014 bis heute.
2014 gab es in Deutschland ca. 150 Angriffe auf Unterkünfte für Schutzbedürftige in Deutschland 2015 waren es über 1.000 und 2016 waren es sogar unfassbare 1.600.
Rechte Phrasen schüren Hass und Ängste. Denken wir an die Plakate der AFD bei Landtagswahlen und der Bundestagswahl, können wir schon deutlich erklären, wer rechtes Gedankengut in den Köpfen der Leute vorantreibt.
In der Bundesliga ziehen wir natürlich vor unserem eigenen Verein und den Fans des FC St. Pauli den Hut. Den Hut für das Engagement gegen Faschismus, Nazis und Menschenverachtung. Als erstes Kiezhelden-Projekt wurden wir lange Jahre von unserem Verein großzügig unterstützt.
Aber wo bleibt der große Aufschrei dieser Zivilgesellschaft, wenn es darum geht, dass Nazis in den Parlamenten, Ausschüssen, Ämtern wieder an den Hebeln sitzen. In Hamburg und Berlin funktioniert das, aber sonst? Wir haben eine neue Diskussionskultur-AFD Anhänger sind in den Kommentarleisten von Initiativen gegen Rechts zu finden und wollen dort diskutieren. Die Mär´, sie seien Orientierungslose die aus Protest rechte Parteien wählen, geht nicht auf. Nein, die AFD hat es geschafft Menschenverachtung salonfähig zu machen.
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 Von der Angst Kunden zu verlieren – Projekte gegen Rechtsextremismus nicht zeitgemäss
Der Einzug der AFD hat ungeahnte Folgen für Initiativen und Institutionen gegen Rechtsextremismus in Deutschland.  Die Beantragung von staatlichen Fördermitteln war nie leicht und wird immer schwieriger für Vereine und Initiativen die sich gegen Rassismus, Nazis und Menschenverachtung engagieren. Also bleibt nur der Weg Spender und Sponsoren zu suchen, um Projekte umzusetzen die tatsächlich Geld benötigen.
Im Rahmen unserer Arbeit von „Laut gegen Nazis“ können wir feststellen, dass die Spendenbereitschaft weit zurück gegangen ist. Gerade wenn wir Themen, wie das Sterben im Mittelmeer und an Europas Grenzen bearbeiten, erleben wir zunehmend ein mangelndes Interesse bei Unternehmen und Spendern.
Noch bizarrer wird es für uns, wenn wir klar Position gegen Nazis und rechtes Gedankengut beziehen. Dann nämlich, finden wir nach der Bundestagswahl 2017 kaum jemanden der ein Budget hat, um ebenfalls Stellung zu beziehen. Klar unsere langjährigen Unterstützer und Partner -wie „Die Fantastischen Vier“- sind weiterhin mit Herz dabei, unsere Projekte zu fördern, aber ansonsten wenig Land in Sicht.
Wir stießen bei der Akquise für „Laut gegen Nazis“ tatsächlich auf solche Antworten:
„schönes Projekt und auf jeden Fall unterstützenswert, aber „No Policy“ so das Argument- wir werden uns auf keinen Fall in eine politische Richtung äußern“ (mehrere Unternehmen nahmen dies als Begründung, als sie eine Unterstützung in welcher Form auch immer, ablehnten).
 „Also wir unterstützen Euch sehr gerne, aber bitte nicht öffentlich – wie wäre es, wenn Ihr einfach ein paar Fässer Bier als Freiware für eine  Eurer nächsten Veranstaltungen bekommt-das hilft“
„Ja auch, oder? Wir wollen allerdings auf keinen Fall mit Euch im Zusammenhang in der Öffentlichkeit benannt werden, weil dann verlieren wir eine ganze Menge Kunden (mit einem  Zwinkern in der Stimme)“
Hierbei handelte es sich um drei Bierbrauereien, die wir in den letzten Jahren gewinnen wollten, Projekte zu finanzieren.
Übrigens, einer der größten Kondomhersteller Europas, der uns für Festivals 2008 bis 2011 mehrere 10.000 Stück dieser Tütchen mit dem Slogan „(Ver-)hütet Euch vor Nazis“ sponserte, hatte tatsächlich von einem Institut ausrechnen lassen, wie viele Kunden sie damals verlieren würden. Es waren zwischen 12 bis 13% Verhüterliträger. Wir durften sie als Partner auf  unserer Homepage nicht erwähnen.
–  „So gerne wir Euch auch unterstützen würden, aber Ihr wisst schon, 6 Millionen AFD Wähler, sind potenzielle Kunden für uns und andere Unternehmen, aber wir wünschen Euch natürlich viel Erfolg“ –
   
Dies war die ehrlichste und zugleich erschreckendste Antwort, die wir im Dezember 2017 von einem Marketingleiter aus dem Klamotten-Bereich erhielten (wir nennen keine Namen!)
Wir sind auf Sponsoren angewiesen, um unsere Arbeit gegen Rechts auf Konzerten und Veranstaltungen fortsetzen zu können. Wir können auch in jeder Stadt in der wir Veranstaltungen durchführen, Unterstützerinnen gebrauchen, die tatkräftig mit anpacken, sei es an einem Stand zu stehen und Merch-Ware zu verkaufen, Flyer verteilen und ähnliches. Wenn ihr dabei sein wollt, dann besucht uns im Internet oder persönlich im Eschelsweg/Altona.
Wer direkt für unsere Arbeit spenden möchte, kann dies hier unkompliziert tun:
LAUT GEGEN NAZIS E.V.
IBAN: DE 38200505501261177925
BIC: HASPDEHHXXX
HAMBURGER SPARKASSE
Eine Spendenbescheinigung stellen wir sehr gerne aus (Freistellungsbescheid v. Mai 2017)
Direkte Projekt-Spenden:
Projekt „MITTENDRIN“ via
Projekt „Love Speech Therapy“

Erfolgreicher Rechtspopulismus entsteht durch Sprache und Gestik

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Foto: zeitklicks.de

Wir neigen im Moment dazu das „Social Media“ als Hauptgrund für den Rechtsruck in der Gesellschaft zu sehen und zu erkennen. Eigentlich ist es jedoch eine alte Geschichte. Wer Hass schüren will betreibt Polemik und verwendet eine Rhetorik, die den Nazis von damals gleich kommt. Als Symbol hierfür steht Joseph Goebbels der es mit seiner perfiden Nutzung von Medien und einer starken geschickt eingesetzten Körpersprache geschafft hatte, Menschen aufzuwiegeln und den Hass salonfähig zu machen. Leider so überzeugend, dass 12 Jahre Diktatur folgten, bei der Krieg und Massenmord die Folge waren. Erfolge der hasserfüllten Rassisten und Nationalisten entstehen durch den gezielten Einsatz der Sprache und der Gestik. Goebbels wurde zum Vorbild vieler Demagogen. So rutschte selbst einem der der bekanntesten Werber in Deutschland vor einigen Jahren einmal heraus, Goebbels könnte ein Vorbild für eine erfolgreiche Werbung sein, da dieser die Leute mit riss und ihnen ein gutes Gefühl der eigenen Sicherheit gab?
Der Propagandaminister der Nazis hatte es damals geschafft die Mehrheit in Deutschland hinter sich zu bringen. Mit dem Schüren von Hass und der gleichzeitigen Beruhigung, dass die Nazis dies alles in den Griff bekommen und viel besser machen würden. Während des Krieges forderte er von den Deutschen den „Totalen Krieg“. Jubel und Begeisterung trotz zerstörter Städte und des großen Leids des Krieges in der Bevölkerung, waren zu hören und zu sehen. Noch während des so genannten „Unterganges“ waren Menschen von einem bzw. Hitlers „Endsieg“ überzeugt.

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Foto: Einer der größten Nachahmer von Goebbels ist Björn Höcke/ www.web.de

Die Nachahmer von Goebbels tummeln sich geradezu in rechtsextremistischen, rechtspopulistischen europäischen Parteien. Sie wirken eher lächerlich , sind aber brandgefährlich. Diese neuen Hetzer zählen sich zu einer Elite und zur intellektuellen Szene. Sie nehmen mit einem anderen Erscheinungsbild ihre Wirkung auf, nicht in Uniform, im Anzug und Kostümchen.  Sie wollen „Wutbürger“ beruhigen die sie vorher genügend angestachelt haben. Blickt man in Parteiprogramme wie dem der AFD, stellt man eine Leere fest. Angelehnt an altes Nazigedankengut.  Sie kommen als Retter vor dem Untergang des Abendlandes her und reißen ihre Mitläufer mit. Diese scheinen sich für wahre Inhalte nicht besonders zu interessieren. Sie hören die Phrasen und das gefährliche Anheizen der Goebbels Kopien. Allzu oft werden diese rassistischen, antisemitischen Wortführer von dem Establishment und gebildeten Menschen nicht ernst genommen. Genau dies ist aber auch ein Problem. Wer hätte Trump vor einigen Monaten schon ernst genommen? Erst in der Wahlnacht kam der Schock, der eigentlich vorauszusehen war. Trump reihen wir bei den Rechtspopulisten ein und obwohl dieser rhetorisch nicht gerade glänzte, sondern mit Wut, Hetze und schwachen Plattitüden werkelte, wird dieser Mann im Januar der Präsident des mächtigsten Landes der Welt.  Ja, wir haben zu Beginn des Wahlkampfs auch über ihn gelacht, bis uns schließlich jenes im Halse stecken blieb.

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Foto: Donald Trump auch mit klaren Vorbildern / www.web.de

Die Sehnsucht nach starker Führung und einem neuen sorgenfreien Leben vieler Menschen, wird von den rechten Demagogen auf dieser Welt genutzt. Sie schüren Ängste die in Wirklichkeit nicht mal vorhanden sind. Sie spielen geschickt damit, den Menschen zu erzählen, dass sie in einer Demokratie keine Chance haben. Sie sind die Lösung für den Frust und suchen Schuldige. Diese Schuldigen sind die Menschen die alles verloren haben und Schutz suchen. In Amerika, in Europa, in Deutschland-eigentlich überall. Wir gehen weiter,diese rechten Demagogen sind die hässlichen Fratzen und die Verkörperung eines alten Geistes der immer stärker wird. Sie sind machtgeil und haltlos. Sie gehen über Leichen und suchen sich Opfergruppen auf die sie dann die Meute hetzen. All das haben wir in Deutschland schon einmal gehabt und irgendwie haben wir nicht draus gelernt. Wir lassen diesen alten Geist wieder wachsen. Fast ungeniert. Mit der Entschuldigung, dass die heutige Generation für die alte Nazi-Generation ja nichts kann.

Kurse für Körpersprache und Rhetorik werden viele Politikerinnen und Politiker sicherlich in Anspruch nehmen. Kein Zweifel, dass viele Gesten während einer Rede eingeübt sind. Dies sicherlich auch parteiübergreifend. Letztendlich ist das Wichtige jedoch, was man vermitteln will. Diktatoren der Geschichte und ihre Handlanger haben bewiesen wie Menschen beeinflussbar sind. Zu einer betonten Körpersprache kommen die Gestik und der Ton. Goebbels ist für uns das beste Beispiel. Eigentlich ein kleiner Mann, der bei seinen Reden groß wurde oder sich so darstellte. Sein Führer übte seine Reden vor dem Spiegel. Beide verfehlten die Wirkung nicht. Meist werden Menschen durch Rechtspopulisten heutzutage erst einmal aufgewiegelt. Die Ängste und dafür scheinbare Lösungen zu erfinden, ist die Strategie die meist erfolgreich ankommt.

Hierzu nutzen diejenigen die Hass schüren Enttäuschungen der Bürgerinnen und Bürger, die Wut gegen die existierende politische Landschaft, die Angst vor dem Fremden und nicht zu vergessen die Erklärung, man gehöre zu einer besonderen Gattung Mensch, denen andere alles entreissen wollen. Gerade hier in Deutschland war die so genannte „Flüchtlingskrise“ zu Beginn des Jahres die Argumentationslinie für rechte Polemiker und Rassisten, die mit ihrer Angstmacherei große Teile der besorgten Bürgerinnen und Bürger erreichte.  Ein Nährboden, den wir heute überall zu spüren bekommen. Im Internet leben sich diejenigen die sich von all der rechtspopulistischen Polemik hinreißen liessen derzeit richtig aus. Kein Phänomen. Hasskommentare entstehen nicht nur durch Social Media, sondern durch Menschen,die diesen Hass im realen Leben transportieren und in unseren Medien immer mehr Beachtung finden. Hierzu braucht es geschulte Hassprediger die gekonnt Sprache und Gestik einsetzen, um mitzureißen.

Ob die Lösungen die die AFD beispielsweise oder andere europäische Parteien in irgendeiner Form Relevanz haben, ist schier unwichtig. Einmal auf die Phrasen der Rechten aufgesprungen, ist das Gedankengut meist in den Köpfen verpflanzt. Nur so ist zu erklären, warum PEGIDA, die AFD und auch damals die NPD so große Aufmärsche und Veranstaltungen in Deutschland hinbekommen haben. Unsere Aufgabe sollte darin bestehen die symbolische Maske der rechtspopulistischen angeblichen Volksversteher mit Argumenten und beherzter Aufklärung herunter zu reißen und den Menschen zu zeigen, wem sie Glauben schenken.

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Foto: Nazis provozierten Straßenkämpfe in der Weimaer Republik.Durch eine immer größer werdende Präsenz, erlangten sie immer mehr Macht- heutzutage tummeln sie sich zuhauf im Internet.

Wir steuern gerade auf eine Zeit zu, die nichts Gutes bedeuten kann, wenn wir offene Menschenverachtung, Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus wieder zulassen. Die Entwicklung in der Weimaer Republik muss uns doch allen zu denken geben. Hitler wurde, als er empor kroch zunächst von Demokraten belächelt. Als Spinner und Fantast. Als man ihn letztendlich ernst nehmen musste, war er schon längst an der Macht. Mitläufer und die damaligen „Wutbürger“ rannten mit.

Fazit: Wir sind gefordert endlich gegen diese Entwicklungen zu agieren. Die rechtspopulistische AFD, deren Vorsitzende Petry das Wort „völkisch“ positiv besetzen möchte und im Hofbräuhaus (einer von Hitlers ersten Wirkungsstätte) sich feiern ließ, genau diese AFD wird wohl nach allen derzeitigen Prognosen 2017 in den Bundestag einziehen. Sie sitzt zudem bereits in neun Landtagen als Opposition. Das ist nicht mehr witzig, nicht zu belächeln und sollte uns den nötigen Ernst verschaffen, aufzustehen.

JM für LGN