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Einladung zur Pressekonferenz 

am 24. August 2018, 11:00 Uhr, MS Stubnitz 

Bundesweite Parade ‚UNITED AGAINST RACISM‘ 

29. September 2018 in Hamburg 

Hamburg, 17. August 2018

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir laden Sie herzlich ein zur Pressekonferenz unseres Netzwerks We’ll Come United.

Ein einzigartiger Zusammenschluss von über 300 Gruppen und Organisationen wird am 29. September unter dem Motto „United Against Racism“ eine bundesweite Parade für Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte in Hamburg veranstalten. Seenotrettungsorganisationen, migrantische Gruppen und Vereine, selbstorganisierte Geflüchtete, Theater und Fußballclubs werden gemeinsam und lautstark auf über 20 Motivwägen die Vielfalt der „Großen Koalition des Antirassismus“ demonstrieren.

Vom Auftaktort am Rathausmarkt wird die Parade durch die Innenstadt bis zum Hafen ziehen. Dort wird sie mit einer internationalen Kundgebung und einem mehrstündigen Konzertprogramm enden.

Es sind derzeit über 30 Busse aus dem gesamten Bundesgebiet und Teilnehmer aus ganz Europa angekündigt. Der Schwerpunkt der Mobilisierung liegt in Geflüchteten-Unterkünften in ganz Deutschland.

Für eine politische Einordnung der Veranstaltung und einen ersten Ausblick auf das umfangreiche Programm laden wir Sie herzlich ein für

Freitag, den 24. August 2018, 11:00 Uhr 

auf die MS Stubnitz, Kirchenpauerkai 29, 20457 Hamburg,

Anfahrt: U-Bahn-Station HafenCity Universität (U4)

Es sprechen:

Ruben Neugebauer (Sea Watch)

Ali N. (Afghanischer Aufschrei Düsseldorf)

Massimo Perinelli (Tribunal „NSU Komplex auflösen“)

Karin Beier (Schauspielhaus Hamburg)

Ali Niger (Lampedusa in Hamburg)

N.N. Seebrücke Hamburg 

Isaiah Lopaz (Künstler und Schriftsteller Los Angeles/Berlin)

Jörn Menge (Laut gegen Nazis)

Newroz Duman (We’ll Come United)

Im Anschluss stehen wir Ihnen für Hintergrundgespräche und Interviews zur Verfügung. Bei Rückfragen kontaktieren sie uns gerne per E-Mail oder telefonisch.

Mit freundlichen Grüßen 

Siri Keil

Kontakt:

presse@welcome-united.org

Aufruf und Unterstützer:

facebook

https://www.facebook.com/welcomeunited/

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‚We‘ll Come United‘ ist ein bundesweites Netzwerk aus Gruppen und Personen, die sich sozial, antirassistisch, kulturell und politisch engagieren.

Mehr als 300 Organisationen, Initiativen, Vereine, Kulturinstitutionen, selbstorganisierte Migrant*innengruppen, Willkommensinitiativen, Künstler*innenkollektive, Cafés, Clubs und NGOs haben sich in diesem Jahr dem Aufruf des Netzwerks zur Parade „United Against Racism“ angeschlossen. Darunter die NGO medico international, die Seenotrettungsorganisationen Sea-Watch und Jugend Rettet, das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland, das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“, die Fußballclubs FC St. Pauli und SV Babelsberg, das Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen, das ClubKombinat Hamburg e.V. und das Theater Kampnagel – Zentrum für schönere Künste.

Im September 2017 fand in Berlin die erste We’ll Come United-Parade mit 10.000 Personen statt: Vielfältig, laut und bunt hat der antirassistische Zusammenschluss kurz vor der Bundestagswahl auf Berlins Straßen ein Zeichen gesetzt. Seitdem hat sich das Netzwerk um viele Gruppen und Menschen erweitert, um dieses Jahr in Hamburg als Demo, als Karneval, als Parade mit Musik und Performance gelebten Antirassismus und Solidarität sichtbar zu machen.

AFD heiratet PEGIDA! In Kandel marschierten 4.000 Wutbürger und Nazis gemeinsam mit der AFD! Ca. 500 Gegendemonstranten  _ Anmelder der rechten Veranstaltungen möchte diesen Spuk monatlich „manifestieren“!
Foto: 2009 – erster großer Protest und Zusammenschluss der Zivilgesellschaft gegen die damaligen Naziaufmärsche rund um den 13. Februar
Seit 18 Jahren versuche ich persönlich Aufklärungsarbeit gemeinsam mit “Laut gegen Nazis” zu leisten. Die Entwicklung war abzusehen. Die Entwicklung, dass rechtsextremistisches Gedankengut sich salonfähig gestalten wird. Es wird Zeit “denken zu gehen”. Ende 2014 versammelten sich in Dresden bis zu 25.000 Wutbürger, um gegen die “Islamisierung des Abendlandes” zu demonstrieren. Die Empörung war damals groß. Es entstanden große Gegenströme. PEGIDA verlor immer mehr an Gesicht, vor Allem das des Bachmanns. Nazis mischten sich immer dort in Dresden unter die Beteiligten und eben auch die AFD. Fast 3 1/2 Jahre später besiegeln AFD und PEGIDA eine Zusammenarbeit. Die AFD sitzt inzwischen in 14 Landtagen, wirkt in der Kommunalpolitik und nun auch im Bundestag. Rechte Phrasen schüren Hass und Ängste. Denken wir an die Plakate der AFD bei Landtagswahlen und der Bundestagswahl, können wir schon deutlich erklären, wer rechtes Gedankengut in den Köpfen der Leute vorantreibt.
Am 17. September 2017 zog die rechtsextremistische, rechtspopulistische AFD mit 12% der Wählerstimmen in den Bundestag ein. Dies bedeutet, sechs Millionen Menschen haben diese Partei gewählt, die mit Goebbels Imitaten wie Höcke, Poggenburg oder alten Männern wie Gauland, und vielen anderen auffallen. Rechte Phrasen schüren Hass und Ängste. Nazis im Anzug, offiziell gewählt, sitzen nach 69 Jahren wieder in einem deutschen Parlament. Ein Schlag in das Gesicht für die Opfer des Nationalsozialismus, aber auch die Opfer rechter Gewalt der letzten Jahrzehnte.
Im pfälzischen Kandel marschierten heute 4.000 Wutbürger, Mitläufer und Nazis durch die Straßen. Mitgerissen schienen die Mitläufer, die sich von dem Geist der braunen rassistischen Hetzer (die das geschickt machen) inzwischen leicht beeinflussen lassen. Die Nazi-Hooligan Band Kategorie C rief ebenfalls zu diesem Spuk auf. In den Mainstream Medien konnten wir nur wenig über die Naziaufrufe zu dieser Veranstaltung erfahren. Lediglich die AFD wurde zum Beispiel im Heute Journal oder der Tagesschau als Veranstalter benannt.
Momentan scheinen viele Menschen die Haltung einzunehmen, dass man ja nicht zu viel über das Problem reden sollte. Lediglich 400 bis 500 Gegendemonstranten haben sich in Kandel gefunden. Ein Initiativenvertreter berichtete uns auch von der Angst vieler Bürgerinnen und Bürger, gegen den rechten Mob zu demonstrieren. Das kommt mir sehr bekannt vor. In Dresden beispielsweise gab es erst 2009, nachdem die Nazis bereits zehn Jahre lang jährlich rund um den 13. Februar mit tausenden Anhängern durch die Straßen marschierten eine große erstmalige Gegenbewegung. Nur durch einen breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand und Großkundgebungen konnte nach 2009 verhindert werden, dass die Naziaufmärsche noch größere Ausmaße annehmen. Heute gibt es dort das starke zivilgesellschaftliche Bündnis Dresden Nazifrei . Die Anzahl der rechten Marschierer ist im Vergleich zu früher nur noch ein kleiner Haufen. Aber trotzdem gefährlich.
Schaue ich auf den Rest des Landes, wird die Präsenz von Nazis und Rassisten immer größer, sei es wie letztes Jahr in Themar, bei einem Großkonzert mit 6.000 Rechten die gar während des Konzertes den rechten Arm hoben und “Sieg Heil” grölten, während Polizisten Zaungäste waren, oder eben der Einzug der AFD in sämtliche Landesparlamente und den Bundestag, die es immer wieder schaffen Leute zu überzeugen. In Prognosen ist zu ersehen, dass die AFD jetzt bei Neuwahlen bei 15% der Wählerstimmen stehen.
Bei “Laut gegen Nazis” gehen inzwischen aus vielen großen und kleinen Orten Hilferufe von Initiativen ein, die wir gerne unterstützen würden. Sie organisieren Kundgebungen gegen regionale Aktivitäten von Rechtsextremisten, stehen für Menschlichkeit und wollen sich vor Ort positionieren. Bundesweit sind rechtsextremistische Gruppierungen und Lenker so aktiv, dass klar wird, wir haben ein massives Problem. Ein großes Problem ist vor Allem aber auch, dass immer mehr Menschen den rechten Hetzern Glauben schenken. Die die mitlaufen, glauben daran, dass wir eine Flüchtlingswelle erleben, die es schon lange nicht mehr gibt, weil sämtliche Grenzen Europas inzwischen dicht sind und auf der Flucht Menschen sterben. Nicht einmal 460.000 Asylanträge gab es 2017 in ganz Europa. Sie glauben jedoch Frau Storch und Frau Weidel, wenn diese Ihnen suggerieren, dass nur Kriminelle, Sexualverbrecher und Wirtschaftsflüchtlinge nach Deutschland gelangen. Die AFD propagiert Muslime als Feindbild und spricht von einer Islamisierung. Wahnsinn!
Der größte Wahnsinn ist allerdings, dass so viele Menschen diesem braunen Müll Glauben schenken. Selbst in meinem wohl denkbar gebildeten Freundeskreis, erfahre ich inzwischen Zustimmung für rechte Phrasen, so dass ich manchmal darüber nachdenke, ob mein / unser Job einen Sinn macht. Wenn selbst Leute die früher loyal und menschlich erschienen, auf einmal AFD Phrasen nachplappern oder es gut finden, dass diese Partei ein Gegenpol in Parlamenten darstellt und man sich dort auf dem demokratischen Wege auseinandersetzen könne. Dann fange ich an zu zweifeln. Vor Allem erinnert das Ganze inzwischen an Weimaer Zeiten. Wir erinnern uns, auch die NSDAP gewann immer mehr an Zustimmung durch aggressive Parolen und geschaffene Feindbilder. Der Mechanismus scheint heute der gleiche zu sein.
Wenn diese Zivilgesellschaft hier in Deutschland und Europa nicht umdenkt, wird der Hass gewinnen. Nationales Getümmel gibt es schon genügend. Die AFD verkörpert völkisches, rassistisches Denken gespickt mit dem Gedankengut der alten Nazis.
Ehrlich gesagt muss ich mich persönlich manchmal fragen, ob ich noch Lust habe, mich immer wieder gegen diese Menschenverachtung zu stemmen. Das geht, ist mir nach vielen Gesprächen mit Menschen die das Gleiche tun klar geworden, an die Substanz. Natürlich kann ich meine Arbeit genauso wenig aufgeben, wie Kolleginnen und Kollegen.
Mir ist nur klar geworden, mit den Erfahrungen die ich in den letzten Jahren gesammelt habe: Wir brauchen wieder einen starken Gegenstrom gegen die rechten Tendenzen hier in Deutschland und Europa. Wir müssen eine in der Politik etablierte Menschenverachtung verhindern. Durch Aufklärung und Protest. So macht die Arbeit so vieler Initiativen und uns Sinn.
Ich erbitte mehr Empörung über das, was jetzt gerade passiert!
J. M. für LGN

Keine Atempause – Geschichte wird gemacht – Es geht voran – „Vergessen macht sich breit!“ 

68 Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland sitzen Nazis, Rechtspopulisten, Nationalisten, Anti Europäer im Bundestag – Für die Opfer rechter Gewalt und des Nationalsozialismus ein Schlag mitten ins Gesicht. Die AFD als drittstärkste Fraktion des Parlamentes, spiegelt den Zeitgeist wieder!

Foto: Quelle-Startbild YouTube Video www.youtube.com

Als ich vor 16 Jahren begann mich gegen den offenen wachsenden Rechtsextremismus zu engagieren, hätte ich nie gedacht, wie tief verwurzelt dieses Gedankengut in unserer heutigen Zivilgesellschaft etabliert werden kann. Nach der Bundestagswahl 2017 war klar, rechtes Gedankengut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Selbstverständlich konnte man diese Entwicklung in den letzten Jahren stets feststellen. Die AFD hat der NPD schon längst das Wasser abgegraben. Die AFD stellt für mich heute eine viel größere Gefahr dar, als die offen bekennenden Nazis der NPD, die ihr Nazigedankengut zur Schau trugen und tragen.

Foto: Nazis beim Aufmarsch in Dresden 2009 npd-blog.info/2009/02/15/

Die Gefahr besteht zunehmend darin, dass die in Anzug und Kostümchen daher kommenden Rassistinnen und Rassisten der AFD offensichtlich die Gabe haben, Einfluss auf die etablierten Parteien zu nehmen. Wer den Wahlkampf in diesem Jahr halbwegs miterlebt hat, konnte feststellen wie hilflos Politikerinnen und Politiker dem Druck von Rechts begegnet sind. Wer glaubte, die von denen man es erwartet hätte wie Grüne, SPD, Linke würden die Forderungen der AFD auseinander argumentieren, wurde eigentlich stets enttäuscht. Selbst jene reihten sich in die Forderungen der AFD fast schon ein. Beispiele, wir müssen eine verschärfte Einwanderungspolitik schaffen, kriminelle Asylbewerber müssen sofort abgeschoben werden, man muss der Lage Herr werden. Wer glaubt diese Phrasen kamen aus dem Schlund von Gauland und Konsorten, der täuscht gewaltig. Statt den Phrasen der AFD massiv entgegen zu treten, hatte ich eher das Gefühl, man passe sich lieber an, um seine Wählerinnen und Wähler nicht ganz zu verlieren.

Die Bundesregierung passte sich über das Innenministerium schon während des Bundestagswahlkampfes den Forderungen der AFD gar sehr schnell an. Mehr Abschiebungen als je zuvor, die Erklärung, Afghanistan sei nun ein sicherer Staat in dem es keine Gefahren für Rückkehrer gäbe, war doch mehr als eine Farce. Nur dem Widerstand vieler und beherzter Menschen die sich dagegen stellten ist es zu verdanken, dass diese sinnlosen Abschiebungen  zeitweise gestoppt wurden. Der Forderung der Rechtspopulisten für eine Realisierung verschärfter Asylgesetze wurde doch bereits gefolgt. Abgesehen von den Milliarden die nach Libyen und in die Türkei flossen, um die europäischen Grenzen dicht zu machen. Die Bundesregierung war mit der Bundeskanzlerin auch eine treibende Kraft. Seitdem Libyen die Gelder aus Europa erhält, sterben wahrscheinlich mehr Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer als je zuvor.

2008 war ich bei einer Veranstaltung der NPD namens „Fest der Völker“ in Altenburg Thüringen. Dort stieß der damalige inzwischen tote Hamburger Nazianwalt und NPD Funktionär Rieger folgenden Satz aus: „Sollen die Schwarzafrikaner und Asylanten auf ihren Seelenverkäufern im Mittelmeer absaufen, dann erreichen sie uns wenigstens nicht…“. 1.500 Nazis applaudierten damals. Wo stehen wir heute, Heute schauen wir zu, wie Kinder, Frauen, Männer im Mittelmeer ersaufen, bitter ertrinken und eines der schlimmsten Tode erleben müssen. Ertrinken ist ein Erstickungstod! Über 3.000 Menschen starben allein 2017 auf dem offenen Meer, an dem die meisten Europäer ihren wohlverdienten Urlaub verrichten und in das wunderbare kühle Nass hüpfen. Dies will auch ich ihnen nicht verwehren, aber wie wäre es, wenn  man einfach mal darüber nachdenkt, was einige Seemeilen entfernt von Strand und Sonnencreme passiert?

Foto: Spiegel online 

Nach der Bundestagswahl hatten Gauland und Weidel Oberwasser, konnten grinsend vor die Kameras treten und kündigten an, die neue Bundesregierung „jagen zu wollen“. Damit das klar ist, die Nazis wollten früher schon alle „jagen“. Markige Sprüche von AFDlern ist man gewohnt. Sprüche die wie bei Höcke aus der Feder von Goebbels stammen könnten. Sprüche bei denen ich Gänsehaut bekomme, weil ich mich mit dieser verdammten Geschichte dieses Landes auseinander gesetzt habe. Viele Kolleginnen und Kollegen von mir vergleichen das was abgeht, vor Allem im Internet, gar schon mit den Verhältnissen in der Weimaer Republik, kurz bevor die Nazis damals an die Macht kamen. Und ganz ehrlich, diesem Gedanken kann ich viel abgewinnen.

Viele Menschen haben immer noch die Ansicht, dass die AFD sich zerfleischen wird und sich das Problem von alleine löst. Nein, das wird es nicht. Diese rechte Partei sitzt in vierzehn Landtagen, ist aktiv in der Kommunalpolitik und sitzt nun mit über 80 Abgeordneten im Bundestag. Mir wurde schon fast schlecht, als die erste konstituierende Sitzung des Bundestages am 24.10.2017 stattfand. Ich schaute mir dieses Schauspiel live an. Da gab es Linke, SPD Abgeordnete, Grüne die der Frage „wie gehen sie mit den Abgeordneten der AFD in Zukunft um?“ antworteten, wir werden unsere demokratische Diskussionskultur aufrecht erhalten und anständig, wie es sich im Parlament geziemt „respektvoll“ mit Kolleginnen und Kollegen umgehen. Vor noch ein paar Jahren war es undenkbar mit Rechtsextremisten, Rechtspopulisten öffentlich zu diskutieren. Naja, aber heute sitzen die ja auch schon fast in jeder Polit-Talkshow.

„Laut gegen Nazis“ hatte direkt nach der Bundestagswahl eine „lebhafte & wehrhafte“ Demokratie gefordert. Dieser Forderung schließe ich mich weiter an! 

Ich habe das Gefühl, ein Blick auf die deutsche Geschichte, sollte uns beflügeln zu verhindern, dass die AFD immer mehr Einfluss mit ihrer völkischen, nationalistischen, rassistischen und rechtsextremistischen Politik gewinnt.

J. M. für LGN

 

„FUSSBALL IN TRÜMMERN“: FINALE UND SONDERFÜHRUNG MIT

„LAUT GEGEN NAZIS“ (Anmeldungen unter info@lautgegennazis.de

Noch ein verlängertes Öffnungs-Wochenende von Sonnabend (16.12) bis Montag (18.12.) – dann muss die vielbeachtete Ausstellung „Fußball in Trümmern. FC St. Pauli im ‚Dritten Reich’“ im FC St. Pauli-Museum leider ihre Pforten schließen und Platz für neue Projekte machen. Wer schon am Freitag (15.12.) ab 18 Uhr Zeit hat, darf sich auf eine außergewöhnliche Führung freuen!

„Dies ist keine Ausstellung über die Vergangenheit“, hatten die Ausstellungsmacher von 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V. von Anfang an betont: „Zwar beziehen sich wesentliche Teile auf historische Ereignisse, die 80 und mehr Jahre zurückliegen. Doch sind diese Ereignisse Teile von Mustern, die erneut auftreten können. Und die zum Teil bereits wieder aufgetreten sind.“

So ist es nur konsequent, dass 1910 e.V. jetzt mit „Laut gegen Nazis“ zusammenarbeitet – wie 1910 e.V. eines der fünf KIEZHELDEN-Dauerprojekte und schon früher unter anderem Partner des ebenfalls von 1910 e.V. organisierten „Fußball und Liebe“-Festivals.

Bei einer Sonderführung am Freitag (15.12.) um 18 Uhr wird neben dem Kurator und Texter Christoph Nagel, Vorstandsmitglied von 1910 e.V., auch „Laut gegen Nazis“-Gründer Jörn Menge vor Ort sein und Neues von seiner Initiative gegen Rechtsextremismus und Menschenverachtung berichten.

Zu den Themen der Ausstellung – von Mitläufertum, Ausgrenzung und NS-Verbrechen bis zur Verdrängung nach dem Krieg – hat Jörn Menge auch persönliche Bezüge: „Ich komme aus einer Täterfamilie“, berichtet er in einem Porträt des NDR: „Wir hatten viele SS-Angehörige, und die haben bis in die 80er- und 90er-Jahre gut gelebt.“

Die Gründung von „Laut gegen Nazis“ 2004 im Herzen St. Paulis war eine der Konsequenzen, die Jörn Menge daraus zog. „Laut gegen Nazis“ bekämpft das Stillschweigen und unterstützt Initiativen gegen Rechts bei der Öffentlichkeitsarbeit, bildet Netzwerke und bietet kontinuierliche Beratung und Begleitung bei Veranstaltungen vor Ort, vom Infostand auf Dorffesten bis hin zur Gegendemonstration beim Naziaufmarsch in der Großstadt. Highlights sind die Konzerte bekannter KünstlerInnen und Bands, mit denen „Laut gegen Nazis“ direkt vor Ort unterstützt – manchmal mitten in Nazi-Hochburgen.


Die Führung mit Jörn Menge und Christoph Nagel durch „Fußball in Trümmern. FC St. Pauli im ‚Dritten Reich’“ beginnt am Freitag (15.12.) um 18 Uhr. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten an: info@lautgegennazis.de 

Als Eintritt wird nur der normale Ausstellungs-Eintritt verlangt (5 Euro, bzw. 3 Euro ermäßigt). Freiwillige Spenden und Erlöse aus der 1910-Weinbar an diesem Abend werden unter beiden Organisationen geteilt.

Infos über die Ausstellung: www.fcstpauli-drittes-reich.de

Infos über „Laut gegen Nazis“: www.lautgegennazis.de

Nur eine wehrhafte lebendige Demokratie mit einem starken Gegenpol kann verhindern, das die AFD weiter auf Erfolgskurs bleibt und sich in unserem Parlament festigt!

   Hitler kam auch im Anzug

Jedem Menschen der sich mit der Vergangenheit Deutschlands beschäftigt hat, müssten die Schamesröte in das Gesicht gelaufen sein, als er das Wahlergebnis des 24. September 2017 sah. Geschichte wiederholt sich. Erstmalig ziehen mit der AFD  über 90 Abgeordnete in den deutschen Bundestag. Abgeordnete unter denen wir Nazis, Rassisten, Nationalisten und ewig gestrige wie den Vorsitzenden Gauland finden werden. Dieser hatte heute schon von einer Jagd auf die kommende Bundesregierung gesprochen. Die AFD kam im Anzug daher, bediente Ängste der Menschen vor dem Fremden, spricht von der Islamisierung Deutschlands, fordert starke Grenzen und Heimatländer in Europa. Sie schüren mit ihren rechten Parolen den Hass und die Gewalt, die wir allein 2015/2016/2017 in Form von Brandanschlägen, rechten Übergriffen und rechten Straftaten erlebt haben. Die AFD paktiert mit PEGIDA und so manch ein Parteimitglied sieht die AFD als echte Alternative zur NPD.

Genau diese Partei zieht in unser demokratisches Parlament ein, welches seit 68 Jahren versucht hat, nie wieder rechtes Gedankengut und rechte Hetzer zuzulassen. Die Versäumnisse der etablierten Parteien in den letzten Legislaturperioden sind nicht der einzige Grund für das Ergebnis von 13% der Wählerstimmen für die AFD. Statt im Wahlkampf über Sachthemen zu sprechen, war im Vordergrund die Angst zu spüren, dass die Rechtspopulisten ihnen die Stimmen klauen werden. Sie glichen ihre Forderungen in diversen Wahlsendungen den Forderungen der AFD eher hilflos an. Forderungen nach höherer Sicherheit, Verschärfung der Abschiebungsmodalitäten etc., um sich zu retten. Die Medien haben meist auch die Befürchtung eines Wahlerfolges der AFD in den Fokus gestellt. Wir haben einmal gelernt, dass Negativpresse auch Presse ist, die zum Erfolg führt. Jetzt haben wir den Salat!

Hoffnung auf eine lebendige Demokratie im Parlament

Nach der Wahl konnten wir geschockte Vorsitzende aller etablierten Parteien erleben. Sie kündigten vollmundig an, sich der Aufgabe, der AFD massiv nach demokratischen Regeln im Bundestag entgegenzutreten. Wir können dies nur hoffen. Wir müssen hoffen, dass der Rassismus von rechten Hetzern im Parlament durch kluges Handeln im Keim ersticken. Wir glauben daran, dass dies eventuell ein Weckruf für den politischen Idealismus sein kann, den das Parlamentspersonal eigentlich eh haben sollte. Wir bitten darum. Diese rechte Partei im Bundestag sitzen zu haben, ist schon beschämend genug und zeigt mehr und mehr, dass viele Menschen unsere eigene Geschichte längst vergessen haben oder gar damit liebäugeln. Für die Opfer von damals ist und bleibt dieses Bundestagswahlergebnis von heute ein Schlag ins Gesicht. Wir sind es genau jenen schuldig, uns gegen rechte Hetzer massiv zu wehren. Wehret den Anfängen!

Imponiert hat uns ausnahmsweise heute die SPD, die sich nunmehr in die Opposition zurückzieht. Das Argument ist, hier die stärkste Fraktion zu werden und den Rechtspopulisten nicht das Feld zu überlassen. deren Vorsitzender Martin Schulz spricht aus Erfahrung uns schmiss einmal Rechtspopulisten aus dem Europaparlament. Dies würde er mit der AFD auch machen, so sagte er nach der Wahl. Die SPD hat traditionell Erfahrungen aus der Geschichte. Sie stellte sich den Nazis damals entgegen wurde verboten und die Parteimitglieder wurden verfolgt!

 

 

Erfolgreicher Rechtspopulismus entsteht durch Sprache und Gestik

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Foto: zeitklicks.de

Wir neigen im Moment dazu das „Social Media“ als Hauptgrund für den Rechtsruck in der Gesellschaft zu sehen und zu erkennen. Eigentlich ist es jedoch eine alte Geschichte. Wer Hass schüren will betreibt Polemik und verwendet eine Rhetorik, die den Nazis von damals gleich kommt. Als Symbol hierfür steht Joseph Goebbels der es mit seiner perfiden Nutzung von Medien und einer starken geschickt eingesetzten Körpersprache geschafft hatte, Menschen aufzuwiegeln und den Hass salonfähig zu machen. Leider so überzeugend, dass 12 Jahre Diktatur folgten, bei der Krieg und Massenmord die Folge waren. Erfolge der hasserfüllten Rassisten und Nationalisten entstehen durch den gezielten Einsatz der Sprache und der Gestik. Goebbels wurde zum Vorbild vieler Demagogen. So rutschte selbst einem der der bekanntesten Werber in Deutschland vor einigen Jahren einmal heraus, Goebbels könnte ein Vorbild für eine erfolgreiche Werbung sein, da dieser die Leute mit riss und ihnen ein gutes Gefühl der eigenen Sicherheit gab?
Der Propagandaminister der Nazis hatte es damals geschafft die Mehrheit in Deutschland hinter sich zu bringen. Mit dem Schüren von Hass und der gleichzeitigen Beruhigung, dass die Nazis dies alles in den Griff bekommen und viel besser machen würden. Während des Krieges forderte er von den Deutschen den „Totalen Krieg“. Jubel und Begeisterung trotz zerstörter Städte und des großen Leids des Krieges in der Bevölkerung, waren zu hören und zu sehen. Noch während des so genannten „Unterganges“ waren Menschen von einem bzw. Hitlers „Endsieg“ überzeugt.

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Foto: Einer der größten Nachahmer von Goebbels ist Björn Höcke/ www.web.de

Die Nachahmer von Goebbels tummeln sich geradezu in rechtsextremistischen, rechtspopulistischen europäischen Parteien. Sie wirken eher lächerlich , sind aber brandgefährlich. Diese neuen Hetzer zählen sich zu einer Elite und zur intellektuellen Szene. Sie nehmen mit einem anderen Erscheinungsbild ihre Wirkung auf, nicht in Uniform, im Anzug und Kostümchen.  Sie wollen „Wutbürger“ beruhigen die sie vorher genügend angestachelt haben. Blickt man in Parteiprogramme wie dem der AFD, stellt man eine Leere fest. Angelehnt an altes Nazigedankengut.  Sie kommen als Retter vor dem Untergang des Abendlandes her und reißen ihre Mitläufer mit. Diese scheinen sich für wahre Inhalte nicht besonders zu interessieren. Sie hören die Phrasen und das gefährliche Anheizen der Goebbels Kopien. Allzu oft werden diese rassistischen, antisemitischen Wortführer von dem Establishment und gebildeten Menschen nicht ernst genommen. Genau dies ist aber auch ein Problem. Wer hätte Trump vor einigen Monaten schon ernst genommen? Erst in der Wahlnacht kam der Schock, der eigentlich vorauszusehen war. Trump reihen wir bei den Rechtspopulisten ein und obwohl dieser rhetorisch nicht gerade glänzte, sondern mit Wut, Hetze und schwachen Plattitüden werkelte, wird dieser Mann im Januar der Präsident des mächtigsten Landes der Welt.  Ja, wir haben zu Beginn des Wahlkampfs auch über ihn gelacht, bis uns schließlich jenes im Halse stecken blieb.

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Foto: Donald Trump auch mit klaren Vorbildern / www.web.de

Die Sehnsucht nach starker Führung und einem neuen sorgenfreien Leben vieler Menschen, wird von den rechten Demagogen auf dieser Welt genutzt. Sie schüren Ängste die in Wirklichkeit nicht mal vorhanden sind. Sie spielen geschickt damit, den Menschen zu erzählen, dass sie in einer Demokratie keine Chance haben. Sie sind die Lösung für den Frust und suchen Schuldige. Diese Schuldigen sind die Menschen die alles verloren haben und Schutz suchen. In Amerika, in Europa, in Deutschland-eigentlich überall. Wir gehen weiter,diese rechten Demagogen sind die hässlichen Fratzen und die Verkörperung eines alten Geistes der immer stärker wird. Sie sind machtgeil und haltlos. Sie gehen über Leichen und suchen sich Opfergruppen auf die sie dann die Meute hetzen. All das haben wir in Deutschland schon einmal gehabt und irgendwie haben wir nicht draus gelernt. Wir lassen diesen alten Geist wieder wachsen. Fast ungeniert. Mit der Entschuldigung, dass die heutige Generation für die alte Nazi-Generation ja nichts kann.

Kurse für Körpersprache und Rhetorik werden viele Politikerinnen und Politiker sicherlich in Anspruch nehmen. Kein Zweifel, dass viele Gesten während einer Rede eingeübt sind. Dies sicherlich auch parteiübergreifend. Letztendlich ist das Wichtige jedoch, was man vermitteln will. Diktatoren der Geschichte und ihre Handlanger haben bewiesen wie Menschen beeinflussbar sind. Zu einer betonten Körpersprache kommen die Gestik und der Ton. Goebbels ist für uns das beste Beispiel. Eigentlich ein kleiner Mann, der bei seinen Reden groß wurde oder sich so darstellte. Sein Führer übte seine Reden vor dem Spiegel. Beide verfehlten die Wirkung nicht. Meist werden Menschen durch Rechtspopulisten heutzutage erst einmal aufgewiegelt. Die Ängste und dafür scheinbare Lösungen zu erfinden, ist die Strategie die meist erfolgreich ankommt.

Hierzu nutzen diejenigen die Hass schüren Enttäuschungen der Bürgerinnen und Bürger, die Wut gegen die existierende politische Landschaft, die Angst vor dem Fremden und nicht zu vergessen die Erklärung, man gehöre zu einer besonderen Gattung Mensch, denen andere alles entreissen wollen. Gerade hier in Deutschland war die so genannte „Flüchtlingskrise“ zu Beginn des Jahres die Argumentationslinie für rechte Polemiker und Rassisten, die mit ihrer Angstmacherei große Teile der besorgten Bürgerinnen und Bürger erreichte.  Ein Nährboden, den wir heute überall zu spüren bekommen. Im Internet leben sich diejenigen die sich von all der rechtspopulistischen Polemik hinreißen liessen derzeit richtig aus. Kein Phänomen. Hasskommentare entstehen nicht nur durch Social Media, sondern durch Menschen,die diesen Hass im realen Leben transportieren und in unseren Medien immer mehr Beachtung finden. Hierzu braucht es geschulte Hassprediger die gekonnt Sprache und Gestik einsetzen, um mitzureißen.

Ob die Lösungen die die AFD beispielsweise oder andere europäische Parteien in irgendeiner Form Relevanz haben, ist schier unwichtig. Einmal auf die Phrasen der Rechten aufgesprungen, ist das Gedankengut meist in den Köpfen verpflanzt. Nur so ist zu erklären, warum PEGIDA, die AFD und auch damals die NPD so große Aufmärsche und Veranstaltungen in Deutschland hinbekommen haben. Unsere Aufgabe sollte darin bestehen die symbolische Maske der rechtspopulistischen angeblichen Volksversteher mit Argumenten und beherzter Aufklärung herunter zu reißen und den Menschen zu zeigen, wem sie Glauben schenken.

nationale

Foto: Nazis provozierten Straßenkämpfe in der Weimaer Republik.Durch eine immer größer werdende Präsenz, erlangten sie immer mehr Macht- heutzutage tummeln sie sich zuhauf im Internet.

Wir steuern gerade auf eine Zeit zu, die nichts Gutes bedeuten kann, wenn wir offene Menschenverachtung, Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus wieder zulassen. Die Entwicklung in der Weimaer Republik muss uns doch allen zu denken geben. Hitler wurde, als er empor kroch zunächst von Demokraten belächelt. Als Spinner und Fantast. Als man ihn letztendlich ernst nehmen musste, war er schon längst an der Macht. Mitläufer und die damaligen „Wutbürger“ rannten mit.

Fazit: Wir sind gefordert endlich gegen diese Entwicklungen zu agieren. Die rechtspopulistische AFD, deren Vorsitzende Petry das Wort „völkisch“ positiv besetzen möchte und im Hofbräuhaus (einer von Hitlers ersten Wirkungsstätte) sich feiern ließ, genau diese AFD wird wohl nach allen derzeitigen Prognosen 2017 in den Bundestag einziehen. Sie sitzt zudem bereits in neun Landtagen als Opposition. Das ist nicht mehr witzig, nicht zu belächeln und sollte uns den nötigen Ernst verschaffen, aufzustehen.

JM für LGN