Ein Signal aus Hamburg
Acht Stunden lang, von 14.00 bis 22.00 Uhr veranstalteten wir mitten im Herzen Hamburgs unsere Kundgebung für “Demokratie & Freiheit”- Gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Nazigedankengut! – Hierbei spielte für uns ein Satz aus dem Grundgesetz eine Hauptrolle: “Die Würde des Menschen ist unantastbar.”. Der Leitfaden unserer Kampagne ist genau das, was dieser Satz aussagt. Bei allen Problemen und Ungerechtigkeiten, die sicherlich auch hierzulande stattfinden, ist es uns wichtig gegen den wachsenden Rechtsextremismus und damit verbunden gegen die Menschenverachtung der faschistischen und nationalistischen Ideologie der Nazis zu agieren, die derzeit leider viel zu viel Sympathie erhält. So manch einer mag uns falsch verstehen und spricht von Ausgrenzung der linksorientierten Antifa. Wir können durchaus behaupten, dass dies grundsätzlich falsch ist. Seit fünf Jahren zählen wir uns als Kampagne keiner politischen Richtung zugehörig. Wir sind und waren immer überparteilich. Letztendlich ist es nicht wichtig, ob jemand die CSU oder “Die Linke” wählt. Für uns zählt ein massiver Widerstand aus der Gesellschaft, gegen das Aufflammen von rechtsextremen Gedankengut und dessen Folgen. Wir sind der Auffassung, dass wir mit friedlichen Mitteln ohne jegliche Gewalt unter Einbeziehung der Gesamtgesellschaft viel erreichen können. Somit luden wir jeden ein, am Samstag den 01. August 2009 mit uns ein Zeichen zu setzen. Dies ist gelungen – ohne Gewalt und ohne Stress.
Tibor Sturm (Partner & Moderator am 01.08.09)
Bereits um 13.00 Uhr waren die ersten Kundgebungsteilnehmer vor Ort, um den von uns abgesagten geplanten Demonstrationzug rund um St. Pauli zu begleiten. Diesen mussten wir leider aus logistischen Gründen absagen. Um 14.15 Uhr begannen wir mit dem offiziellen Bühnenprogramm, welches von Tibor Sturm moderiert wurde. Tibor Sturm war Opfer rechter Gewalt und wurde aufgrund seiner Notwehr gegen sechs Nazis zu Unrecht zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und erhielt kurz nach seiner Entlassung noch Morddrohungen aus der Naziszene. Ein Fall über den wir berichteten. Tibor ist aber auch Musiker und engagiert sich bei dem Projekt “Brothers Keepers”. Als Moderator war er professionell und wir freuen uns weitere Projekte mit ihm durchzuführen.
Das Musikprogramm eröffnete die Künstlerin Anna Yina, die einen Tag zuvor für die Gäste unserer Pressekonferenz im Foyer des Schmidt Theaters am Piano spielte.
Anna Yina auf unserer PK im Schmidts Tivoli
Nach Anna Yina folgten die Hamburger Bands “The Knights”, “Deak Diamond” und “Le Fly” (Tanzmusik aus St. Pauli). Zwischen den musikalischen Beiträgen stellten sich die Initiativen “FDÄ” (Front Deutscher Äpfel) und “Augen auf!” e. V. aus Görlitz sowie das “Hamburger Bündnis gegen Rechts” auf der Bühne vor.
Die Apfelfront schockierte zunächst mit ihrem Outfit
Das Hamburger Bündnis gegen Rechts
Bevor Rolf Stahlhofen (Söhne Mannheims) seinen Beitrag zur Kundgebung musikalisch und auch als Redner begann, betrat die Schauspielerin Alexandra Kamp die Bühne und interpretierte eine Kurzgeschichte von Kurt Tucholsky, der damals von den Nazis verboten war. Alexandra erzählte von ihren persönlichen Beweggründen, sich für unsere Kampagne zu engagieren und rief dazu auf bei der Bundestagswahl zu wählen, um Stimmen für extremistische Parteien nicht zu verschenken. Sie reiste extra für die Kundgebung und PK bereits am Donnerstag in Hamburg an.
Alexandra Kamp
Rolf Stahlhofen ist schon sehr lange Partner unserer Kampagne. Bereits in Halle/Saale 2007 und in Dresden 2009 unterstützte er uns. Seine Interpretation des Liedes “Die Gedanken sind frei” wurde nach der Gesamtveranstaltung von dem Publikum frenetisch nochmals gefordert. “Die Gedanken sind frei”, ein Symbol für einen tollen Musiker und uns. Eine Überraschung hatte Rolf für das Publikum ebenfalls parat. Der Rapper D-Flame (der abends im Wagenbau noch ein Konzert gab) gab mit Rolf gemeinsam als Zeichen der Solidarität ein Ständchen auf unserer Bühne. Danke D-Flame.
Rolf Stahlhofen/Spielbudenplatz
Eine besondere Ehre erfuhren wir bereits am Nachmittag. Corny Littmann stellte uns Peggy Parnass (Schauspielerin, Autorin,Kolumnistin,Filmkritikerin) vor. Peggy Parnass Eltern wurden in dem Vernichtungslager Treblinka von den Nazis ermordet. Eine Ikone und wunderbare Dame. Peggy Parnass hielt mit Corny Littmann (las Erich Kästner) gemeinsam einen Redebeitrag auf unserer Bühne. Das Publikum forderte immerwieder “Nazis raus”, worauf Peggy ganz charmant nachfragte: “Wohin”-Wohin mit denen?. Nun, für diesen Abend galt zumindest – raus aus Hamburg – nehmen wir an.
Peggy Parnass & Corny Littmann
Peggy und Corny kündigten gemeinsam mit Tibor dann einen weiteren Partner unserer Kampagne an. Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen), der sich schon seit langen Jahren gegen den wachsenden Rechtsextremismus, auch gerade in der Stadt aus der er kommt-Leipzig- engagiert. Sebastian plädierte für einen friedlichen Protest und eine friedliche Gegenwehr gegen das Eingraben von rechtsextremen Gedankengut in den Köpfen der Menschen.
Sebastian Krumbiegel & Band
Mit Afrob verbindet uns ebenfalls eine ganze Menge. Im Jahre 2005 begleitete er uns auf einer Kurztournee nach Oschatz und Neustadt a. d. Orla. Gemeinsam mit Dendemann und Nico Suave gab er für die örtlichen Initiativen zwei Konzerte, die eine durchweg positive Wirkung auf die Regionen hatten. Völlig unkompliziert sagte er selbstverständlich für unsere Kundgebung zu. Auch für das Publikum gehörte er neben allen Akteuren zu einem Highlight des Abends.
Afrob live für uns
Vor allem möchten wir uns auch bei denen , die für die Organisation bzw. die praktische Umsetzung zuständig waren, bedanken. Hierzu gehört die Spielbudenplatz Betreiber GmbH, die uns die Bühne, den Platz, die Technik und vieles mehr kostenlos zur Verfügung stellten. Danke an Jochen Bohnsack und Kathi Linke. Unser größter Dank gilt dem Präsidenten des FC St. Pauli und Schmidts Theater Gründer Corny Littmann. Nicht zu vergessen der Firma United Ambient Media, die mit Tobias Wegmann permanent zur Kundgebung kostenfrei mit werblichen Mitteln aufgerufen hat. Ebenso wollen wir uns bei unserer Grafikerin Melanie Schertz bedanken, die das Outfit der Kampagne seit fünf Jahren gestaltet, bei Steffen Werner und vor allem bei unseren Mitarbeiterinnen und Kolleginnen Alex Schmitz und Neelke Janssen. Ohne Euch alle, hätten wir diese Kundgebung innerhalb der letzten drei Wochen nicht zum Erfolg geführt.
LGN – Neelke & Alex (die Praktiker vor Ort)
Wir bedanken uns vor allem auch bei denjenigen, die auf der Bühne alles gegeben haben. Ein ganz besonderer Dank an alle Künstlerinnen und Künstler, die das Bühnenprogramm gagenfrei, kuzfristig gestaltet haben und aus ganz Deutschland extra angereist sind. Bei allen Rednerinnen und Rednern, die sich ganz persönlich auf der Bühne vorgestellt haben und unser sehr großer Dank gilt dem Moderator Tibor Sturm und unserem Ehrengast Peggy Parnass. Ein besonderer Dank geht an das Side Hotel Hamburg, welches uns die Unterbringung unserer Gäste sponsort und an den Skoda VIP Shuttle. Wir danken den Aufufern und Partnern Amadeu Antonio Stiftung, Viva con Agua, EXIT Deutschland.
Der Spielbudenplatz war zwar nicht so voll wie bei den FC St. Pauli Auftstiegsfeiern, aber wir sind der Überzeugung, dass wir innerhalb der acht Stunden unserer Kundgebung mehrere hundert, wenn nicht gar ein paar tausend Menschen erreicht haben. Kontinuierlich wechselte das Gesicht der Kundgebungsteilnehmer. Vom Punkrocker bis zum Rentner waren alle von dem was wir transportierten überzeugt.
Zu unserer Freude erfuhren wir, dass es einem breiten Bündnis in Bad Nenndorf und in Faßberg am selben Tage gelungen war, sich den Nazis entgegenzustellen. Vielleicht ein Anfang, auf dem sich aufbauen läßt. Ich bedanke mich bei allen Mitwirkenden und Gratulanten zu unserem fünfjährigen Jubiläum und stelle fest, wir müssen noch viel tun und – das werden wir!
Jörn Menge/Kampagnenleiter