(Foto: stjk.de)
Aufklärung zum Thema Rechtsextremismus in Schulen ist leider immer noch kein Bestandteil des Lehrplans. Es geht im Unterricht nach wie vor nur um Fakten und Jahreszahlen der Geschichte. Die Prävention gegen Rechtsextremismus und die Aufklärungsarbeit kommt, wenn überhaupt vorhanden, immer noch zu kurz. Im Nachfolgenden Text beschreibt die Schülerin Mandy Melanie, wie sie in Ihrer Schule mit dem Thema Nationalsozialismus und Rechtsextremismus konfrontiert wurde und wie Ihre Lehrer mit diesem Thema umgehen. S. Mietzner für LGN
Schulen brauchen Aufklärung über Rechtsextremismus
Ab der 9 Klasse wird zwar das Thema „Nationalsozialismus“ an Schulen behandelt, jedoch wird in Schulen der heutige Rechtsextremismus verdrängt. Aufgrund der fehlenden Informationen und damit auch der Aufklärung über die Gefahren des heutigen Rechtsextremismuses, kann man feststellen, dass die rechtsextremistischen Täter immer jünger werden.
Mein Name ist Mandy Melanie Starck, ich bin Schülerin in Hamburg/Eimsbüttel und ich besuche derzeit die 11. Klasse der gymnasialen Oberstufe der Ida-Ehre-Gesamtschule. Im 9. und 10. Jahrgang wurde bei uns, im Sinne des Lehrplans, auch das Thema „Nationalsozialismus“ behandelt.
Der Unterricht lief krampfhaft in Richtung 2. Weltkrieg, da die Filme alt waren und mit vielen Daten versehen wurden. Man konnte sich nur auf die Daten konzentrieren, so dass die Aufklärung über den Nationalsozialismus leider unterging – obwohl man dazu sagen muss, dass jeder Lehrer bei diesem Thema andere Prioritäten setzt und emotional anders damit umgeht. Meine Lehrerin in der 9. Klasse bezog sich mehr auf Texte, die aufgrund ihrer Formulierung schwer zu erarbeiten waren. Oder sie erzählte uns über den 2. Weltkrieg, aber direkt erarbeiten konnten wir uns nichts. Eine Gruppenarbeit zu diesem Thema hätte ich mir gewünscht, aber dieses ist wohl laut Lehrplan nicht vorgesehen. Dadurch wurde das Thema sehr trocken…
In unserem Unterricht ging es eher um die Daten, hier waren die Jahreszahlen um den 2. Weltkrieg wie zum Beispiel, die Reichspogromnacht, die Machtübernahme durch Hitler und das Ermächtigungsgesetz für den Unterricht ausschlaggebend. Es ging zum größten Teil nur ums Dritte Reich, über aktuelle rechtsextremistische Themen haben wir leider nie gesprochen. Der Unterricht bestand zum größten Teil aus Filmen, einigen Texten, Referaten und einem KZ Besuch. Abgeschlossen wurde dieses Thema durch eine Arbeit. Diese bezog sich natürlich nicht auf aktuelle Themen, sondern fragte die Daten ab.
Unter anderem sahen wir einen Nazi Propaganda-Film, der den Namen „Theresienstadt“ trug. Der Propaganda-Film versuchte zu vermitteln, wie „gut“ die Nazis doch waren, denn sie gaben den Menschen Arbeit. Der Sprecher im Film verdeutlichte jedoch neben seinen Erzählungen, dass die Realität des damaligen Lebens im Gegensatz zum Film alles andere als positiv war.
Im Frühling 2008 besuchten wir das KZ-Neuengamme. Der 10. Jahrgang, teilte sich an diesen Tag in 2 Gruppen auf, es gab die Gruppe „KZ-Neuengamme“ und die Gruppe „Fußballspiel in der Nazizeit“. Die einen sind ins KZ-Neuengamme gefahren und besuchten anschließend den Bullenhuser Damm. Damit die Gruppe im KZ-Neuengamme nicht zu groß wurde, fuhr die erste Gruppe zuerst zum Bullenhuser Damm und später ins KZ-Neuengamme. Der Besuch im KZ-Neuengamme veranschaulichte das Thema sehr gut. Man konnte anhand von alten Baracken, Betten, Kleidung und Texten sehen, dass die Menschen die dort inhaftiert waren, keine Hoffnung mehr haben konnten. Der Reiseleiter, führte uns durch das Museum und klärte uns über die Geschichte des KZ´s auf, am Bullenhuser Damm wurden wir von dem Reiseführer auch über die Grausamkeiten, die dort geschehen sind, aufgeklärt.
Es gab leider einige Mitschüler aus der 10. Stufe, die sich aufgrund ihrer Unwissenheit im KZ amüsierten. Dies änderte sich aber, als ihnen die Grausamkeit des Bullenhuser Damms aus den Erzählungen gegenwärtig wurden. Danach sprachen wir über unsere Eindrücke die wir bei dem Ausflug sammeln konnten. Eine Geschichte, die wir besonders schrecklich fanden, war, dass ein SS-Soldat einem Juden die Mütze wegnahm und sie wegwarf und meinte, er solle sie holen. Der Jude weigerte sich allerdings da er sonst erschossen werden würde. Der SS-Soldat meinte daraufhin zu ihm, er würde auch erschossen werden, wenn er seine Mütze nicht zurückholen würde. Der Jude tat daraufhin was der SS-Soldat befahl und rannte zu seiner Mütze, um diese zu holen und wurde daraufhin von dem SS-Soldaten lachend erschossen.
In der Zeit kurz vor unseren Realabschluss Prüfungen bekamen wir die Aufgabe, Referate über das Thema 2. Weltkrieg zu erstellen. Einige Themen waren: Bullenhuser Damm, Verwandte zur Kriegszeit, Hiroshima und das Attentat auf Hitler. Aufgrund der Prüfungen blieb für die Referate leider nur wenig Zeit. Leider wurde das Thema Rechtsextremismus wie auch der Nationalsozialismus scheinbar mit der Klausur abgeschlossen.
So wurden Fragen zu aktuellen rechtsextremistischen Themen kaum oder gar nicht beantwortet. Für mich war es fast 2 ½ Jahre immer die gleiche Geschichte über Hitler, Machtergreifung und Massenmorde. Leider hatten wir nie die Möglichkeit über die heutigen Probleme mit Rechtsextremismus zu sprechen. Dies finde ich sehr schade, zumal sich die Gewalttaten in den letzen 10 Jahren verdoppelt haben.
Hamburg, den 14. März 2010