(Foto: Frankfurter Rundschau-online)
Wir glauben nur was wir sehen-und das ist nicht immer viel! Und was wir nicht sehen wollen, das schauen wir uns gar nicht erst an. Am Freitag, den 24.06.2011 veröffentlichten wir auf unserem Facebook-Profil auch die NDR-Reportage “Wie Rechtsextreme Journalisten austricksen”. Eine wertvolle Dokumentation über den Zustand im Umgang der Medien mit dem Thema an sich.
Der für das Magazin “Zapp” produzierte TV-Beitrag ist ein Spiegel der heutigen Berichterstattung zum Thema Rechtsextremismus. Wenn rechtsextreme Schläger sich Opfer suchen wird nur noch selten über bundesweite Medien Bericht erstattet. Regional ja, bundesweit-eher nein. Da muss es schon zu Großaufläufen von Nazis wie in Dresden kommen, damit Journalisten für die großen Nachrichtenredaktionen recherchieren. Es ist so, als hätte man sich an die Zustände die alltäglich sind, gewöhnt.
Jährlich veröffentlicht der Verfassungsschutz in seinem Bericht über 1.000 Opfer rechter Gewalt. Über 145 Tote sind seit 1990 zu beklagen. Aktuelles Opfer scheint ein Obdachloser in Oschatz zu sein. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher sein. Laut Opferberatungsstellen in den ostdeutschen Bundesländern liegt die Anzahl der gewalttätigen Übergriffe bei ca. 3.000 allein in 2010.
Die Beschreibung der rechtsextremen Szene in dem NDR-Beitrag entspricht leider der Realität. Nix mehr mit Springerstiefeln, Glatzen und eindeutigen Symbolen. Über die NPD schleichen sich Nazis im normalen Gewand in die Gesellschaft. Sie bewerben sich als Befrager bei der Volkszählung, unterwandern inzwischen “Freiwillige Feuerwehren”, Sportvereine und gar Kindertagesstätten.
(Foto: A. Hikisch-NPD Sachsen – die braven Nazis von heute)
Am Beispiel Delmenhorst (Niedersachsen) zeigt sich, wie sich ein einmaliger Medien-Hype auswirkt. Dort ist nachdem Rieger (verstorbener Nazianwalt aus Hamburg) kein Hotel als rechtsextrems Schulungszentrum kaufen konnte, eine stattliche rechtsextreme Szene entstanden. Zum Zeitpunkt des Kaufversuches berichteten alle großen Medienanstalten. Das Leben danach scheint jedoch eher uninteressant.
Der freie Journalist Schultheis spricht gar von einer Hirarchie seitens der Journalisten im Umgang mit der Berichterstattung über Opfer rechter Gewalt. Je nach Gesellschaftsstand der Opfer wird ein redaktioneller Beitrag in den meisten Redaktionen erwogen. Da scheinen Angriffe auf alternative Jugendliche oder einfache Asylbewerber eher uninteressant. Dabei machen jene die Mehrzahl an Gewaltausbrüchen von Nazis aus.
Abstumpfung! Abstumpfung könnte man das was sich in den letzten Jahren bei den Redaktionen und der Gesellschaft eingeschlichen hat nennen. Oder doch nur “Gewöhnungsprozess”? Einzelfälle von Übergriffen die heftig sind, schaffen es gerade soeben noch in die Medien. Nur wenige bundesweite Redaktionen nehmen sich des Themas frei an. Ganz vorn sogar das Heute-Journal (ZDF), welches immer wieder mal einen Zustandsbericht der rechtsextremen Szene gibt, oder der Tagesspiegel, der regelmässig über rechtsextreme Zustände berichtet. Wir selber wissen aus unserer Arbeit, wie schwer es ist, das Thema Rechtsextremismus mit seinen Folgen, immer wieder in den Medien zu platzieren. Spannend muss es sein oder aufwühlend. Dabei ist jedes einzelne Schicksal unserer Ansicht nach aufrührend genug.
Wir steuern auf eine Normalität hin, die uns durchaus beängstigt. Durch das neue Gewand der rechtsextremen Szene, wird es immer schwerer eine solche zu erkennen. Da muss man schon genau hinsehen. Und das Problem ist, dass viele gar nicht so genau hinsehen wollen. Eine bittere Erkenntnis. Die Geschichte wird uns sicherlich nie wieder so einholen. Aber die Menschenverachter mit ihren Rassismen, ihrem Antisemitismus und dem aufkeimenden Träumen einer starken nationalistischen Ausprägung, gewinnen an Raum. Hierbei helfen eben auch die so genannten Normalos, die viele Ansichten aus rechtsextremen Ideologien inzwischen teilen. Keine Haudrauf-Nazis! Der Fall Sarrazin ist einer der größeren Fälle. Die gibt es im Kleinen noch viel mehr. Und wenn der anständig gekleidete freundliche NPD Funktionär zur Volkszählung kommen würde, so hat der gewonnen.
Wieviel Berichterstattung brauchen wir? Manch einer sagt-”bloß nicht zu viel berichten über die Rechten!” Wir sagen: Doch, so viel wie möglich berichten. Wer nicht hinsieht, kann nichts wissen. J. M. für LGN

