
Der Erinnerungstag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar eines jeden Jahres steht jetzt an. Auf Initiative des TSV Maccabi und mehrerer Vereine und Institutionen finden in der Fußball-Bundesliga bis zur Regionalliga rund um diesen Termin Aktionen mit den Fans im Stadion statt. Warum der DFB erst vor sieben Jahren damit angefangen, bleibt uns im Verborgenen. Hinsichtlich der allgemeinen Geschichtsaufarbeitung in Deutschland-kein Wunder. Wir freuen uns umso mehr, dass seit der Amtszeit Theo Zwanzigers in Bezug auf das Thema Rechtsextremismus, Ausgrenzung, Homophobie und Gewalt nun doch endlich eine ganze Menge passiert.
An dem betreffenden Wochenenden wird es folgende Stadiondurchsagen unter dem Motto “Nie wieder” in den Ligen geben:
“20. Spieltag, 28.-31. Januar 2011
Erinnern – Gedenken – Handeln
Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des Holocaust. Vor 66 Jahren wurden an diesem Tag die Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz befreit. Wir erinnern heute an den Terror der Nazidiktatur und gedenken in Respekt ihrer Opfer.
* Auch die Fußballvereine und der DFB haben zwischen 1933 und 1945 ihre Spieler, ihre Vorstände, ihre Förderer und Mitglieder aus der Vereinsfamilie ausgeschlossen, weil sie den rassischen, weltanschaulichen und politischen Vorstellungen der NS-Machthaber nicht entsprachen. Die Ausgegrenzten und ihre Familien wurden gedemütigt, verhöhnt, enteignet und körperlich misshandelt. Millionen Menschen, darunter unzählige Mitglieder von Sportvereinen, wurden in Haftanstalten und Lagern festgehalten und ermordet.
Aus der Geschichte zu lernen, heißt für unsere Vereinsfamilie, dass wir uns entschieden in unserem Stadion und in der Gesellschaft gegen jede Form von Rassismus, Fremdenfeindlich- keit und Antisemitismus wenden.
Weil wir uns der Geschichte erinnern und in Respekt der Opfer des Naziterrors gedenken, handeln wir heute: Wir sagen »Nein« zu Ausgrenzung, Diskriminierung, Hass und Gewalt – im Stadion und in der Gesellschaft.”
Folgender Appell wurde von den Initiatoren an die Vereine bzw. Fanclubs in Deutschland versendet:
An die Fanorganisationen, Faninitiativen, Fanprojekte der Bundesligen der 3. Ligen und der Regionalligen
Riemer Straße 300 81829 München
St. – Cajetan – Straße 12 81669 München
ebschulz@web.de h.schroeger60@cablesurf.de
München, 13. 01. 2011
7. Erinnerungstag im deutschen Fußball am Spieltag um den 27. Januar 2011
Liebe Fußballfreundinnen, Fußballliebhaber und Fans,
der „Erinnerungstag im deutschen Fußball“, am 27. 01. 2011, rückt näher. An diesem Spieltag (Internationaler Holocaust-Gedenktag) zwischen dem 28. und 31. Januar, verbinden sich die Matches Eurer Mannschaften, mit dem Ehren und Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und die Botschaft, dem Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit und dem Antisemitismus heute keine zweite Chance zu geben, im Fußball und in der Gesellschaft.
Wir aus München, Dortmund, Frankfurt, wissen, wovon wir sprechen, wenn wir an den Aufwand, an die Zeit und die Energie denken, die notwendig sind, um intelligente und kreative Aktionen im Stadion erfolgreich in Szene zu setzen. Die Bretter, die man im eigenen Verein zu bohren hat, damit die Botschaft auch rüberkommt, sind oft sehr dick. Aber auch hier ist zu beobachten, dass die Botschaft immer besser verstanden wird und dass man sie auch im Verein platzieren will.
Die Initiative „Nie wieder! – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ geht in ihr siebtes Jahr. Die DFL Deutsche Fußballliga, der DFB und die Fußball-Landesverbände mit ihren Präsidenten fördern und unterstützen sie. Unser gemeinsames Anliegen gewinnt an Boden.
Was wir jetzt schon wissen: In Frankfurt, in Dortmund, in München, in Berlin, in Leipzig, in Fürth, in Augsburg greifen Fans und ihre Vereine die Ideen aus dem Konzeptpapier „Nie wieder!“ auf oder haben eigene Projekte entwickelt und setzen diese am Spieltag um den 27. Januar im Stadion um. Es sprengt den Rahmen, um alle Aktionen, von denen wir wissen, aufzuzählen. Solltet Ihr dazu gehören, wünschen wir Euch einen tollen Erfolg.
Solltet Ihr noch keine Entscheidung darüber getroffen haben, ob Ihr Zeit und Energie für diese Sache zu Verfügung stellen könnt oder wollt, dann macht kleine Schritte.
• Mit diesem Brief erhaltet Ihr die offiziellen DFL-Texte für den Stadionsprecher, das Clubmagazin und das Internet. Fragt Euren Verein, ob er das veröffentlichen will. Dann wissen sie, dass Ihr informiert seid und hinter der Sache steht. Stellt die Texte selbst auf Eure Homepage.
• Aktiviert Eure Medienkontakte und gebt die Texte an die JournalistenInnen weiter.
• Bewerbt Euch mit Eurer Aktion beim Julius Hirsch Preis. Die Info darüber liegt bei.
• Diskutiert in Eurer Gruppe, im Fanprojekt etc. die Aussagen zu Gewalt und Rassismus von Ernst Grube aus dem beiliegenden Interview. Wer als jüdisches Kind im KZ-Theresienstadt den Wahnsinn des Naziterrors miterlebt hat, dem sollte man zuhören, um zu verstehen, was heute angesagt ist.
• Nach unserer Erfahrung wohnt/lebt in Eurer Stadt ein Zeitzeuge. Ladet ihn ein und lasst ihn erzählen. Ihr lernt aus seiner Geschichte. Vielleicht ist er sogar Vereinsmitglied.
• Und denkt weiter! Wir sind guter Dinge, dass Euch die Fülle der Informationen nicht erschlägt, sondern zum Denken
anregt und zum Handeln anspornt.
Nach dem Spieltag zum „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ werden wir mit Euch wieder in Kontakt treten und nach den durchgeführten Aktionen und nach Euren Erfahrungen fragen. Das ist das Material, das die Grundlage für den Erinnerungstag 2012 bilden wird. Sollte Ihr Anregungen und Fragen haben, die Mailadressen sind oben angegeben.
Bei der Durchführung Eurer Stadion- und Vereinsaktionen wünschen wir Euch Mazal tov! Glückauf und Shalom!
Eberhard Schulz Maurice Schreibmann
Stellvertretender Vorsitzender der Jury des Julius Hirsch Preises TSV Maccabi München
Anton Löffelmeier
Diplomarchivar und Löwenfan
Herbert Schröger Klaus Schultz
Löwenfans gegen Rechts Evang. Versöhnungskirche KZ-Gedenkstätte Dachau
Matthias Thoma
Leiter des Eintracht Frankfurt – Museum
Peter Schüngel
Institut für Fußball und Gesellschaft
Wir sagen den Fans: “Setzt ein Zeichen!” an einem, der die Mitschuld der Deutschen Bürgerinnen und Bürger widerspiegeln sollte und lasst ein solches Unrecht, auch im Kleinen, nie wieder zu!