13.07.2010: Zuviele Grillwürstchen – zu wenig Nazis – und viele Demonstranten aus der Zivilgesellschaft in Gera am letzten Samstag

gera 1 Neues BildNach Dresden, Berlin, Erfurt nun doch wieder eine Niederlage für die rechtsextreme Szene in Deutschland. Seit dem Tod des Nazianwalts Jürgen Rieger, scheint die Organisation von rechtsextremen Präsentationsveranstaltungen nicht mehr zu funktionieren.Es fehlt offensichtlich ein Bindeglied der NPD zur rechtsextremen, freien Szene.Ein positives Ergebnis hieraus ist die mangelnde Mobilisierung für solche Veranstaltungen wie “Rock für Deutschland” in Gera.

Doch Vorsicht-der Schein trügt weiterhin. Die Szene ist unangenehm aktiv. Wer den mangelnden Besuch von Nazis bei solchen Veranstaltungen als grundsätzliche Schwäche bewertet, der mag sich täuschen. Die rechte Szene scheint uneinig. Und wir meinen, über 700 Nazis sind immer noch zu viel. Die Veranstalter dieses Grauens, dürften nunmehr auf ganz vielen Grillwürstchen sitzen geblieben sein. Vollmundig hatte man angekündigt in diesem Jahr, nachdem 2009 - 4.000 Nazis nach Gera gekommen waren, für ausreichend Essen und Trinken gesorgt zu haben. Das ist wirklich Pech. Und als alte Veranstalter, können wir uns vorstellen, dass die Organisatoren des “Rock für Deutschland” Festivals sich nun mächtig verkalkuliert haben. Ein Minus für die Volksgenossen und das auf breiter Linie.

Hier nun ein kurzer Nachbericht des Aktionsbündnisses Gera:

“Es haben sich gerade mal 711 Neonazis auf die Spielwiese eingefunden. Klar, 711 Neonazis zu viel, aber letztes Jahr waren es 4000. Was für ein Schwund für die Rechten und was für ein Erfolg für unser Aktionsbündnis. Wir danken den vielen Unterstützern_innen aus den verschiedensten Städten. Ohne euch, wäre dies nicht möglich geworden. Rund 1.500 Demonstranten haben es geschafft, ein klares Zeichen zu setzen. Auch in Gera sind keine Nazis willkommen!!! 
Das Aktionsbündnis Gera gegen Rechts zieht nach den Ereignissen des 10. Juli in Gera eine positive Bilanz seiner Arbeit.
In der relativ kurzen Zeit seit der Gründung im Februar 2010 fanden sich viele engagierte Bürger aus verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen aus Gera und Umgebung zur Vorbereitung der Maßnahmen gegen das Nazi-Konzert zusammen. Es entstand eine aktuelle Internetpräsenz mit zuletzt enormen Zugriffszahlen. Der Aufruf gegen das Nazi-Konzert wurde von mehr als 850 Menschen und Institutionen unterschrieben. Im Vergleich mit den Aktionen vor einem Jahr kamen mehr Menschen aus Gera zu den Protestaktionen und es gab eine wesentlich größere Medienpräsenz.
Auch wenn die Propagandaveranstaltung nicht verhindert werden konnten, kam es vor allem Dank der umfangreichen und entschiedenen Unterstützung durch andere Gruppen und Personen aus verschiedenen Teilen Thüringens und anderen Bundesländern zu friedlichen aber ausgesprochen wirkungsvollen Zeichen des Protestes.
Die zahlreichen Aktionen und insbesondere die friedlichen Sitzblockaden als legitimes Mittel des Widerstandes haben gezeigt, dass ein breites zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechts Erfolg hat.
Wir begrüßen das in wesentlichen Punkten kooperative Verhalten der Polizei und bedauern, dass diese durch das fehlende NPD-Verbot zum Schutz von Nazi-Veranstaltungen verpflichtet ist. Laut Polizeiangaben waren weit weniger als 800 Neonazis in Gera, die die Spielwiese zur nationalbefreiten Zone erklärt haben. Trotz extremer Hitze überstieg die Zahl der Demonstranten deutlich die der Neonazis.
Das Aktionsbündnis bittet alle Einwohner Geras, sich der geschichtlichen Verantwortung bewusst zu werden und sich in Zukunft gemeinsam mit uns noch deutlicher gegen die braune Hetze zu stellen.
Wir danken ausdrücklich allen an den Aktionen Beteiligten für ihr großes Engagement. Ganz besonderer Dank gilt:
- den auswärtigen Aktionsteilnehmern
- den Versammlungsleitern und Ordnungshelfern der Versammlungen
- den Medien für die umfangreiche Information und Berichterstattung
- dem Oberbürgermeister Geras für seine klare und entschiedene Haltung
- Herrn Pfarrer Kleim für die Unterstützung unserer Arbeit und seine klaren Worte
- den unterstützenden Parteien, Verbänden und Organisationen
Das Aktionsbündnis Gera gegen Rechts hält eine umfangreiche Aufklärung und gesellschaftliche Diskussion über die Gefahren der Nazi-Ideologie, über die Lehren aus der deutschen Geschichte, über die gesellschaftliche Situation und braunes Gedankengut in Gera für dringend erforderlich. Wir erwarten vor allem auch Interesse und Kooperationsbereitschaft von Schulen, Schulleitern und Lehrern.”

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