Interview über das Zusammenleben von Türken und Deutschen: Wir befragten Levent Oender vom Apple Vertragshändler “Hamburg 4″ der sich wünscht – dass die deutsche Nationalmannschaft Fußball-Weltmeister wird

hamburg 4 Bild ”Hamburg 4″ – Apple Vertragshändler

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Wir wollen mit billigen Vorurteilen aufräumen. In unserer heutigen Gesellschaft wird über Integration, Aufenthaltsrecht und “Deutschtests” für Einwanderer diskutiert. In einer Welt, die immer globaler wird, absolut fehl am Platz. Zudem gelten Türken bei Teilen der Gesellschaft in Deutschland immer noch als fremd. Dabei sind die neuen Generationen hier geboren oder aufgewachsen. Wie Levent Oender (Verkäufer bei dem Apple-Vertragshändler Hamburg-4).  Wir  interviewten Levent  zu Vorurteilen der Deutschen und betreffend des Zusammenlebens verschiedener Kulturen auf der Welt.

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1. Guten Tag Levent, viele deutsche Bürgerinnen und Bürger haben Berührungsängste mit Menschen aus der Türkei. Hier herrschen meist alte Vorurteile, wie z. B. die Annahme, dass Türkinnen und Türken die hier leben, putzen gehen oder einen Gemüsehandel betreiben sowie Ramschläden oder ähnliches und zudem kriminell seien. Du arbeitest bei dem Apple Fachhandel Hamburg 4, welcher von einer türkischen Geschäftsleitung geführt wird. Ein etabliertes Geschäft, welches meist elitäres Klientel, Journalisten, Werber und Menschen der höheren Einkommensklassen bedient. Was hältst Du von derlei oben aufgeführten Vorurteilen und wie erklärst Du sie dir?

Mein Eindruck ist eher, dass die in Deiner Frage genannten Vorurteile eher veraltet sind, also nicht in unsere heutigen Zeit passen und vielleicht generationsbezogen wieder zu finden sind. Generationsbezogen deshalb, da unsere Zeitzeugen nach dem 2. Weltkrieg neben dem Wiederaufbau, es zu Beginn einfach so erlebt und somit nicht anders wahrgenommen haben. Das heißt, dass wir nicht den Fehler machen sollten, alte Ansichten oder vielleicht Erfahrungen aus vergangen Tagen auf unsere heutige Zeit zu projizieren. Das funktioniert einfach nicht, dafür hat es bis heute sehr viele und insbesondere gute Entwicklungen gegeben. Man stelle sich einmal vor, als würde man weiterhin bequem behaupten, dass jeder deutsche Staatsbürger aufgrund seiner Geschichte ein Nazi ist und ausländerfeindlich sein muss Da stimmst Du mir sicherlich zu, das wäre eine genau so bequeme Haltung, die sich keiner wünscht und zum Glück trifft das ja auch so nicht zu!

Mit Entwicklungen verbinden wir, dass gerade die nachfolgenden Generationen immer wieder unter Beweis stellen und uns zeigen, dass ihre Qualitäten in beruflich weit besser qualifizierten und gesellschaftlich anerkannten Schichten zu finden sind und das wir gerade so ein wesentlicher, insbesondere wichtiger Bestandteil in unserer Gesellschaft sind. In Bereichen des Sports, in der Politik, in kreativen Feldern wie Film, Musik, Werbung oder ganz stark im Handel sieht man immer wieder, wie das positive Zusammenleben zu unserem alltäglichen Leben gehört. Beide Seiten, beide Genrationen betrifft das. Das heißt, dass beide Seiten, beide Generationen im eigenen Freundeskreis, in der Schule, während des Studiums oder im beruflichen Alltag sich zum Glück die Chance eingeräumt haben miteinander zu wachsen. Denn genau in diesem Umfeld spiegelt sich wieder, wie wir miteinander umgehen und aufeinander zu gehen, nur so ist unser Miteinander möglich geworden. Überall kannst Du es sehen, man geht heute gerne mediterran essen, Kulturen tauschen sich in Bereichen der Musik und des Films miteinander aus und selbst zum üblichen Fernsehprogramm gehören Sender aus aller Welt ganz normal dazu. Im öffentlichen Dienst wie bei der Polizei zum Beispiel sehen wir Mitbürger aus aller Welt Ihren Staatsdienst ausüben. Das sind nur wenige Beispiele an denen wir es in unserem alltäglichen Leben klar sehen können. Sicherlich gibt es hier und da Dinge die vielleicht besser laufen können, aber das findet man überall und das ist ganz natürlich.

2. In unserem persönlich geführten Gespräch hattest Du darauf hingewiesen, dass lediglich die Deutschen den Begriff “Ausländer” verwenden würden und hattest Dich mit dem Hinweis, dass man in anderen Ländern als “Fremder” tituliert wird, darüber gewundert. Der Begriff “Ausländer” schürt offensichtlich Berührungsängste hier in diesem Lande. Wo besteht für Dich der Unterschied zwischen beiden Begriffen?

Jetzt haben wir den Beweis und ein gutes Beispiel zu Deiner ersten Frage. Der Begriff “Ausländer” stammt einfach aus einer alten Zeit und wurde trauriger Weise in Deutschland aus alten Tagen in “unserer” Umgangssprache etabliert. Der Begriff “Ausländer” ist sehr stark negativ behaftet und strahlt einfach was unerwünschtes aus. Der Begriff “Fremder” ist eher losgelöster und birgt etwas unterstützendes. Das heißt, ein Fremder in einer fremden Umgebung dem die Orientierung fehlt, es geht also vom Fremden aus. Das heißt, dem Fremden in einer fremden Umgebung wird die Unterstützung entgegen gebracht die Orientierung zu finden und sich so zurecht zu finden. Das gibt einem auf jedem Fall ein weit besseres Gefühl.

3. Du selbst bist türkischer Staatsbürger und lebst schon fast von der Geburt an in Hamburg. Welche Gefühle begleiten Dich, wenn Deutsche “Ausländer raus” fordern oder behaupten, Migranten und hier lebende “Fremde” würden ihnen die Arbeit wegnehmen?

Billige Schublade! Meiner Meinung nach wird dieses Niveau der deutschen, intellektuellen Kultur nicht annähernd gerecht. Deshalb, um Deine Frage kurz und knapp zu beantworten, berührt mich nicht.

4. Vorurteile gegenüber türkischen Bürgerinnen und Bürgern bestehen oft aufgrund der Glaubensrichtung. Oftmals scheinen Medien so zu wirken, dass die allgemeine Auffassung entsteht, alle Muslime wären Islamisten. Wir wissen natürlich, dass dem nicht so ist. Aber auch hier werden Vorurteile forciert. Gerade nach den so genannten “Ehrenmorden” in Deutschland, wird die Skepsis gegenüber hier lebender Muslime in der Gesellschaft größer. Was denkst Du, könnten Politik und Medien tun, hier eindeutig Zeichen in eine andere Richtung zu setzen?

Klingt vielleicht ungemütlich und hart, aber die Medienkultur dient mittlerweile als einziges Instrument um Stimmungen zu erzeugen, sei es positiv oder negativ. Das ist leider schade. Die Informationen die uns im Überfluss erreichen oder überfluten, dienen ja nicht mehr als objektiver, neutraler Zugang zu den Informationen. Die Verantwortung, gerade in ganz besonderen und sensiblen Themen, der Medien unserer Gesellschaft gegenüber wird grundlegend wie man so schön sagt nicht wirklich respektiert. Daher verdient diese Art meiner Meinung nach nicht die Aufmerksamkeit, von der sie ja so gesehen ganz stark lebt!

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5. Nach dem Minarett-Verbot in der Schweiz, gab es hierzulande tatsächlich Menschen, die ein solches für Deutschland fordern. Wir haben dies mit einem gewissen Schock zur Kenntnis nehmen müssen. Was hast Du gedacht, als dieses Verbot in unserem Nachbarland Schweiz bestätigt wurde?

In erster Linie sprechen wir hier von einem Grundrecht, das tief im Grundgesetz verankert ist. Wer auf die Verfassung schwört und sie respektiert, stellt dieses Grundrecht einfach nicht in Frage. Daher erübrigt sich zu diesem Thema jede überflüssige Debatte. Wenn man sich einbürgern lässt, muss ein Eid auf die Verfassung und in dem Fall auch auf die Grundrechte abgelegt werden. Der Eindruck der eher entsteht ist, dass die Schweiz sich langweilt und im Moment Ihre vielleicht an anderer Stelle doch ernsthafteren Probleme auf diese Art und Weise kompensieren oder verschleiern möchte. Gerade die Schweiz, die immer für ein offenes, neutrales und respektvolles Auftreten anderer Kulturen gegenüber geworben hat und Kulturen dazu auffordert in die Schweiz zu kommen, versucht so eine lächerliche Debatte zu führen.
Kleiner Hinweis, Muslime können auch sehr gut ohne eine Minarette beten und ihrem Glauben nach gehen, an solche Dinge ist man nicht gebunden.

6. Aufgrund unseres Jobs mit “Laut gegen Nazis”, wissen wir, dass Rechtsextremismus, Alltagsrassismus, Antisemitismus, Homophobie und altes Nazigedankengut wieder gesellschaftsfähig werden. Hast Du Erfahrungen mit derlei Themen aufgrund Deiner Herkunft machen müssen und wie betrachtest Du diese Entwicklung, die ja auch europaweit zu spüren ist?

Zum Glück haben diese Erfahrungen bisher keinen Platz in meinem Leben gefunden. Aber leider mussten Menschen aus dem engeren Zirkel so unangenehme Erfahrungen machen. Man spricht untereinander darüber, gleichzeitig erschüttert es einen und macht natürlich nachdenklich. Das heißt, man steckt ja nicht in den Köpfen dieser Entscheidungsträger. Jegliches Verständnis geht über Bord.
Es wird immer wieder für Chancengleichheit geworben, aber die Praxis zeigt uns, dass die Umsetzung an entsprechenden Stellen sehr schwer fällt. Es heißt Arbeit für alle, Wohnraum für jeden von uns und Bildung soll für jeden erreichbar sein. Zum Glück hat Spiegel-Online auf dieses Thema auch ein Auge geworfen und geht auf dieses Thema sehr gut ein.

7. Was wünschst Du Dir persönlich für das allgemeine Zusammenleben in Deutschland für das neue Jahr 2010?

Das Deutschland in (Süd)Afrika Weltmeister wird!

Wir bedanken uns herzlich.
Die LGN Redaktion (das Interview führte J. Menge)

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2 Antworten auf Interview über das Zusammenleben von Türken und Deutschen: Wir befragten Levent Oender vom Apple Vertragshändler “Hamburg 4″ der sich wünscht – dass die deutsche Nationalmannschaft Fußball-Weltmeister wird

  1. Soner sagt:

    Danke Leute. Wir brauchen mehr von solchen Berichten. Damit meine ich einfach Türken die es geschafft haben und ganz oben angekommen sind sollten villeicht auch uns helfen. Ich würde mir wünschen im TV eine Sendung mit all den Menschen die in BRD sich gut angepasst haben und erfolreich wurden.

  2. freedom sagt:

    was ist denn mit all den türken, die es leider nicht geschafft haben, manager in einer telekommunikationsgesellschaft zu werden.
    gelten diese türken als nicht integrationsfähig?
    ich finde es gut, dass es solche menschen wie ihn hier gibt, aber die mehrheit der türken lebt unter schlechten bedinngungen in deutschland und wird diskriminiert aufgrund der herkunft.
    nur einen erfolgreichen türken auszupicken und sich die welt schön zu reden lösst keine probleme.
    wir brauchen echte integration der türken hier in deutschland.
    das bedeutet, dass man auf diese menschen zugehen muss und ihnen neue wege zeigt, damit sich der rest der türken auch heimisch fühlt und nicht mit dem gedanken leben muss, nicht zu deutschland zu gehören.
    alles andere ist nicht produktiv für deutschland.

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