Deutschland-Dresden: Das Thema Rechtsextremismus steht derzeit nicht im Fokus der Öffentlichkeit – dabei rüsten sich z. B. bis zu 8.000 Rechtsextreme für ihren Aufmarsch in Dresden am 13. Februar 2010 und auch sonst kehrt keine Ruhe ein! Aufruf!
Aufmarsch in Dresden 2009-und sie kommen gerne wieder
In gewissen Abständen merken wir seit unserem Engagement gegen den wachsenden ”Rechtsextremismus”, dass das mediale Interesse und das Interesse zum Thema in der Gesellschaft, Schwankungen unterworfen ist. Wahrscheinlich kann man schon fast von einer unregelmäßigen Lethargie sprechen. Die aktuellen Meldungen halten sich (zumindest betreffend Dresden) in Grenzen. Wir haben soeben die News zum Thema bei Google abgefragt. Und wieder stolperten wir über einen weiteren Brandanschlag eines Nazis, diesmal auf das “Haus der Demokratie” in Zossen. Die dort arbeitende Bürgerinitiative wird schon länger massiv von Rechtsextemen bedroht.
Haus der Demokratie-Zossen (Quelle: störungsmelder.de)
Einen Artikel hierzu finden Sie unter: http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2010/01/25/neonazis-fotografieren-sich-vor-brennendem-haus-der-demokratie_2441
Besonders viele unterschiedliche Meldungen findet man derzeit nicht. Eher Befremdliches. Da wäre z. B. die neue Bundes -Familienministerin Köhler, die offensichtlich eine Verfassungsschutzprüfung der Initiativen gegen den Rechtsextremismus in diesem Lande anstrebt und dabei vergisst, dass die meisten Initiativen durch Demokraten in das Leben gerufen werden. Na, herzlichen Glückwunsch. Das wäre dann ja genau in die richtige Richtung gedacht. Nun, die neue Bundesregierung macht sich ja anscheinend eh mehr Sorgen um das Thema Linksextremismus und um den islamischen Terror. Ein komischer Ansatz, wenn wir doch wissen, dass sich rechtsextreme Ideologien immer mehr in der Gesellschaft etablieren (s. a. unseren Artikel zum Thema “Rechtsextreme an Universitäten” http://www.lautgegennazis.de/blog/2010/01/29/deutschland-rechtsextreme-an-deutschen-universitaten-sind-keine-seltenheit-von-dem-irrglauben-nazis-seien-dumm/). Alltagsrassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung sind heute leider nicht ungewöhnlich und wieder ein Nährboden solcherlei Ideologien.
Wer prüfen möchte, wovon wir reden, sollte sich den News-Link mal anschauen: http://news.google.com/news/search?um=1&cf=all&ned=de&hl=de&q=rechtsextremismus&cf=all&start=0
10 Jahre Naziaufmarsch in Dresden-Gesetzesbruch durch Sitzen?:
Auch in diesem Jahr verspüren wir das, was wir im letzten Jahr auch schon wahrgenommen haben. Sicherlich dank des Kulturbüros Sachsen und diesmal gar der Stadt Dresden unter der Leitung von Oberbürgermeisterin Orosz, stellen wir fest, dass sämtliche Gegenmaßnahmen, gegen den Aufmarsch, Unterstützer aus der Republik erhalten (auch wir unterstützen). Hier ist inzwischen durchaus ein starker Zusammenschluss aus der Zivilgesellschaft entstanden.
Jedoch lesen wir diesbezüglich sehr wenig in der bundesweiten Presse. Wir wünschen uns mehr Druck aus der Öffentlichkeit, wenn es um die Vermeidung des Naziaufmarsches am 13. Februar 2010 in der Stadt geht. In erster Linie werden Aufrufe der Antifa wahrgenommen. Warum, können wir uns bei Weitem nicht erklären. Fakt ist, wer schon einmal die braune wabernde Masse, durch die Straßen marschierend in Dresden erlebt hat, müsste eigentlich vor Angst erstarren. Vor allem diejenigen, denen ihre Freiheit lieb ist. Die Rechtsextremen verhalten sich während ihres Marsches wohl so anständig, dass das Bild einer Gefahr gar nicht erst entstehen kann. Das ist ein Irrglaube! Im Jahre 2009 hatten diese nach der Veranstaltung auf Raststätten und auf dem Heimweg zugeschlagen. Und da gab es durchaus Opfer zu beklagen (z. B. der Angriff auf einen DGB Bus). Der Fokus der Öffentlichkeit liegt dann doch eher auf der Gegendemonstration. Brennende Autos und Steine die fliegen, sind dann doch aufregender. Welch fataler Trugschluss und wir hoffen sehr, dass genau solcherlei Szenen nicht stattfinden. Ziviler, friedlicher Ungehorsam in Form von Sitzblockaden, sehen wir durchaus als Mittel, auch wenn so ein Vorhaben rechtlich eigentlich nicht zulässig ist. Deswegen können wir solcherlei Maßnahmen nicht empfehlen, aber verstehen sie durchaus sehr gut. Denn einfach zu tolerieren, dass 8.000 Nazis 65 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz unbehelligt durch eine deutsche Stadt marschieren können, weil es das Grundgesetz leider gebietet, finden wir schlimmer, als ein Gesetzesbruch im Sitzen. Aber auch die angestrebte Menschenkette, oder gerade diese, von Dresdener Bürgerinnen und Bürgern sowie von Menschen die sich aus dem Bundesgebiet dort zusammenfinden, wollen wir von hier aus noch einmal nachhaltig unterstützen.
Aufruf des Kulturbüro Sachsen:
Am 13. Februar 2010 in Dresden – Erinnern und Handeln-Aufruf zum Friedensgebet für alle Menschen guten Willens
Wir laden alle Menschen ein, sich am 13. Februar 2010 unter dem Motto 13. Februar 2010 – Erinnern und Handeln an der Menschenkette Dresdner Bürgerinnen und Bürger und dem hinführenden Friedensgebet an verschiedenen Stationen der Erinnerung zu beteiligen. Wir beten für Frieden und Menschenwürde, für gleiche Rechte aller Menschen ohne Ansehen der Religion, der Nationalität, der Hautfarbe, des Geschlechts und des Standes, für Stärkung gesellschaftlichen Engagements gegen Menschenfeindlichkeit und Gewalt.
Wir wollen mit unseren Gebeten und Posaunen gehört und gesehen werden von denen, die den Gedenktag missbrauchen, um ihre rechtsextremistische Gesinnung zu demonstrieren. Wir halten öffentlich sicht- und hörbaren Widerstand gegen extrem rechte Dominanzbestrebungen und Aufmärsche für unverzichtbar, um deutlich zu machen, dass diese gesellschaftlich zu ächten sind. Rechtsextremismus in Dresden und anderswo ist unvereinbar mit demokratischen Werten, die für viele von uns in unseren jeweiligen religiösen Überzeugungen wurzeln.
Denn wieder mobilisieren zum 13. Februar 2010 – dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens – Rechtsextremisten aus ganz Europa zu einem Aufmarsch in Dresden. Dieser hat sich in den vergangenen zehn Jahren zum größten europäischen Treffen der Alt- und Neonazis entwickelt. Der Aufmarsch steht in den Traditionslinien des historischen Nationalsozialismus. Die Gleichsetzung der Opfer der Luftangriffe auf Dresden mit den Ermordeten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern soll den Holocaust verharmlosen. Damit wird der Vernichtungscharakter der deutschen Kriegsführung im 2. Weltkrieg verschwiegen und die Fragen nach Schuld und Verantwortung werden verdreht. Das Ziel der Alliierten war die Befreiung Europas und Deutschlands vom Nationalsozialismus. Die Bombardierung Dresdens steht damit im Zusammenhang mit der Beendigung dieses mörderischen Regimes. Diese Sicht schließt auch die Trauer um die Toten dieses Bombenangriffs auf Dresden ein.
Wir wollen deutschlandweit diejenigen Religionsgemeinschaften und gesellschaftlichen Gruppen, die Kirch- und Pfarrgemeinden und alle Engagierten in Dörfern und Städten stärken, die für eine demokratische Kultur einstehen und sich immer wieder beherzt dem Rechtsextremismus in den Weg stellen. Deshalb werden wir als breites Bündnis – in der Tradition der Friedensgebete der Kirchen in der DDR – am 13. Februar 2010 bei dem zur Menschenkette hinführenden Friedensgebet mit allen Menschen guten Willens „Erinnern und Handeln in Dresden“.
Erst-AufruferInnen:
Karl-Heinz Maischner, Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen und Karla Groschwitz, EKD-Synodale für die AG „Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus“ in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens Ruth Misselwitz und Dr. Christian Staffa, für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Anetta Kahane, für die Amadeu Antonio Stiftung Grit Hanneforth und Friedemann Bringt, für das Kulturbüro Sachsen e.V.
Wer nicht nach Dresden fährt, kann auch seinen Unmut über die Präsenz der Nazis und deren Geschichtsverdrehung über uns und www.laut.fm/gegennazis äußern. http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/projekte/aktuelle-aktionen/im-radio-gegen-nazis/
J. M. für LGN

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[...] Die Nazis haben Dresden noch vor etwa zwei Jahren, als die Stadt ihrer Bewegung bezeichnet. Bewegen wir uns doch alle einfach dagegen. So schwer ist das garnicht. Immerhin erfahren die Veranstalter von Gegendemonstrationen bundesweit moralische Unterstütztung. Der Aufruf hierzu: http://www.lautgegennazis.de/blog/2010/01/31/deutschland-dresden-das-thema-rechtsextremismus-steht-d... [...]
[...] Die Nazis haben Dresden noch vor etwa zwei Jahren, als die Stadt ihrer Bewegung bezeichnet. Bewegen wir uns doch alle einfach dagegen. So schwer ist das garnicht. Immerhin erfahren die Veranstalter von Gegendemonstrationen bundesweit moralische Unterstütztung. Der Aufruf hierzu: http://www.lautgegennazis.de/blog/2010/01/31/deutschland-dresden-das-thema-rechtsextremismus-steht-d... [...]
Hallo liebe Laute,
wann und wo ist / sind Treffpunkte für die Demo gegen den Nazi-Aufmarsch in DD?
Vielleicht könnt ihr das in jeden Artikel zum Thema einstellen, damit möglichst viele ihre Teilnahme planen können.
great!