Deutschland-Europa: LONSDALE erlitt durch die rechtsextreme Szene in Deutschland einen beträchtlichen Umsatzschaden – Ein Interview mit Geurt Schotsman – Lizenzinhaber in Europa

schotzmann P1200151 Lizenzinhaber: Guert Schotsman

Seit Mitte der neunziger Jahre kämpft LONSDALE gegen das Image eine Nazimarke in Deutschland zu sein. Seit Jahren bemüht sich die Punch GmbH als Lizenzinhaber mit dem Geschäftsführer Guert Schotsman klarzustellen, dass LONSDALE mit dieser Szene überhaupt gar nichts gemein hat. Wir unterstützen dieses Anliegen. Die Nazis bzw. die rechtsextreme Szene in Deutschland hatte bevor es die nunmehr als Nazikleidung etablierte Marke “Thor Steinar” gab, in der Tat Schwierigkeiten sich zu uniformieren. Sie machten sich traditionelle internationale Sportmarken zu eigen. LONSDALE ist ein Fall von vielen. Auch die Traditionsmarke “Fred Perry” (der Namensgeber und Gründer war der erste Wimbledon Sieger und Tischtennis Weltmeister und zudem Jude) konnte sich des Aneignens der Marke aufgrund des Symbols eines Siegerkranzes, durch die rechtsextreme Szene nicht erwehren. Auch Fred Perry musste eine zeitlang Umsatzeinbußen hinnehmen. Als bizarr empfanden wir, dass auch die amerikanische Turnschuh-/Sportmarke “New Balance” zu Beginn dieses Jahrhunderts (2000) als Nazimarke missbraucht wurde. Die Schuhe waren mit einem “N” gekennzeichnet. Die rechtsextreme Szene war eine zeitlang der Auffassung, dass dieses “N” für “Nazi” steht. Also völlig absurd.

fred_perry_logo

LONSDALE trägt das Problem in Deutschland immer noch mit sich. Noch heute fällt eine Neukundengewinnung schwer und es gibt diverse Vorbehalte in der deutschen Gesellschaft. Wir sagen, in der Tat zu unrecht. LONSDALE wurde vorzugsweise in den siebziger und achtziger Jahren, von der englischen Arbeiterschaft getragen. Der weltberühmte Boxer “Muhammad Ali” wurde in den sechziger Jahren bereits von der Marke gesponsert. Aber gerade auch die Punkszene in Europa hatte, bevor die Nazis die Marke missbrauchten, LONSDALE zu ihrer Lieblingsmarke erklärt.

Heutzutage trägt die rechtsextreme Szene vorzugsweise “Thor Steinar” (inzwischen auch von einem arabischen Geschäftsmann aufgekauft). Aber Vorsicht! Laut eines ehemaligen Führungskameraden in der rechtsextremen Szene, also einem Aussteiger, ist es den Anhängern und Mitgliedern rechter Kameradschaften und der Szene freigestellt, welche Kleidung getragen wird. Die Ansage durch rechtsextreme Funktionäre ist klar definiert. “Ihr sollt unser Anliegen im Herzen tragen und nicht auf der Brust”. Mit anderen Worten, Rechtsextreme können auch mit adidas, Boss, Nike und sonstigen Marken herumlaufen. Und wer dies live erleben und sehen möchte, braucht letztendlich am 13. Februar 2010 nur nach Dresden fahren, wenn 8.000 Nazis durch die Stadt marschieren. Diese sehen neuerdings ganz normal aus oder laufen wie Linksautonome und mit Pali-Tüchern herum. Aber auch Anzugträger sind in dem braunen Mob durchaus salonfähig.

Übrigens: LONSDALE verbannt Händler aus seinem Vertrieb, sofern diese ein rechtsextremes Klientel bedienen.

Hier nun das Interview mit Guert Schotsman – Lizenzinhaber von LONSDALE Europa:

1. Herr Schotsman, in diesem Jahr präsentieren Sie sich mit der Marke LONSDALE als Sportswear und Streetwear – Marke auf einer der wichtigsten Messen Europas, “Bread & Butter” in Berlin. Mit einem Special Showprogramm zeigen Sie Showkämpfe von Boxerinnen und Boxern an Ihrem Stand. Versteht LONSDALE sich als Marke dieses Sports und warum?

Lonsdale wurde 1960 in der Beak Street-Nebenstraße der Carnaby Street- London von dem Boxer Bernhard Hart gegründet. Dort wuchs Lonsdale auch auf und wurde weltbekannt.

2. In Deutschland wird die Marke LONSDALE irrtümlicher Weise als Marke von Neonazis und Rechtsextremen wahrgenommen, da diese Szene sich des Schriftzuges unter Bomberjacken bediente (zu erkennen waren dann nur die Buchstaben … NSDA…als Symbol für die NSDAP). Zumindest war dies Mitte der 90iger Jahre extrem der Fall, obwohl LONSDALE ja eigentlich bei der linken Arbeiterschaft in England und bei Punks in den 70iger und 80iger Jahren sehr beliebt wahr. Welchen Schaden haben Sie innerhalb des deutschen Marktes durch diesen Missbrauch wahrnehmen müssen? Wie steuern Sie vertriebstechnisch gegen dieses in der deutschen Bevölkerung eingefleischte Image?

Wir haben einen beträchtlichen Umsatzschaden deswegen und Schwierigkeiten bei der Neukundengewinnung.

3. In Italien ist LONSDALE eine sehr starke Sportmarke. Auch europaweit muss sich die Marke nicht verstecken und ist relativ etabliert und beliebt. Wie gedenken Sie, den Deutschen klarzumachen, dass LONSDALE unpolitisch ist und sich als Marke von der rechtsextremen Szene distanziert? Planen Sie in Zukunft in Ihrer bundesweiten Kampagnen-/und Öffentlichkeitsarbeit neben einem Engagement bei “Laut gegen Nazis” und “Augen auf” dieses Problem zu thematisieren?

Ja, in der Tat planen wir weiterhin mit diesen beiden Initiativen zu arbeiten und versuchen zusätzlich mit einer PR Agentur weitere professionelle Strategien zu entwickeln.

4. Streetwear-Mode wird für LONSDALE in Zukunft voraussichtlich ein wichtiger Markt. Welche Angebote sind von LONSDALE zu erwarten? Neben den klassischen und typischen LONSDALE Layouts?

Wir führen in diesem Jahr eine Activewear Kollektion und eine noble Premium Fashion Line namens Earl of Lonsdale ein.

5. Sie werben für Ihre Produkte bisher sehr klassisch. Die Motive von Plakaten und Flyern weisen eher typische Symbole, wie starke Männer die unbesiegbar scheinen und weitere auf. Welche Zielgruppe wollen Sie in Zukunft mit Produkten der Marke LONSDALE ansprechen?

Teilweise sind auf dem POS Bildern Boxer zu finden, teilweise aber auch gängige Fashionbilder von Models usw.

6. LONSDALE ist oft in Military Shops in Deutschland vertreten. Diese Shops ziehen ja durchaus auch Kunden an, die dem rechtsextremen Klientel sehr nahestehen. Wie kontrolliert Ihr Vertrieb, ob hier Ware nicht an die falschen Käufer angeboten wird?

Wenn es wirklich ein Shop ist mit strukturell rechtsextremen Klientel, dann werden wir das z.B. über unsere Außendienstmitarbeiter herausfinden oder über weitere Kontakte (Initiativen). Das Problem ist aber, das auch andere gängige Marken wie Fred Perry, Ben Sherman, Nike, Adidas auch in dubiosen Läden zu finden sind…

Wir bedanken uns für dieses Interview.

Geführt von Jörn Menge Redaktion www.lautgegennazis.de/blog auf der Messe “Bread & Butter” am 20. Januar 2010

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Festival, Musik, Online Radio, Politik, Rechtsextremismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.