Nazi werden zum Fest begleitet
Die Befürchtungen sind nicht eingetreten. Die NPD konnte nicht einmal ein Drittel des rechtsextremen Publikums zum sogenannten “Fest der Völker”, wie sonst üblich, nach Pößneck mobilisieren. Ausgegangen wurde von ca. 1.500 Nazis. Gerade einmal ca. 450 Nazis fanden den Weg in die thüringische Stadt. Und diese stießen auf eine breite Präsenz von Gegnern und Demokraten, die beherzte Sitzblockaden durchführten und klar zum Ausdruck brachten, dass diese Veranstaltung und die Präsenz der Nazis in Jürgen Riegers Schützenhof, unerwünscht sind.
Hier ein Nachbericht direkt aus Pößneck:
Pößneck am 12. September 2009 – erfolgreicher Widerstand auf allen Ebenen
„Am vergangenen Samstag lud die rechtsextreme NPD zum sogenannten „Fest der Völker“ in die ostthüringische Kleinstadt Pößneck.
Dank reger Aktivitäten demokratischer und antifaschistischer Initiativen aus Pößneck, Saalfeld, Jena, Weimar, Erfurt, Leipzig Dresden, Offenbach und dem Ruhrgebiet (u.a.) sowie der Tatsache, dass sich auf Seiten der Neonazis Kader aus ganz Europa angekündigt hatten, rechneten die Ordnungskräfte mit dem Schlimmsten. Dementsprechend wurden seitens der Polizei mehrere Einsatz-Hundertschaften mobilisiert.
Es gab den gesamten Tag über nahezu ununterbrochen Aktionen auf Seiten der demokratischen Gegenbewegung. Zum Einen zeigten sich zahlreiche Bündnisse, Initiativen, Vereine, Firmen und, ja es ist Wahlkampf, auch Parteien auf der „Meile der Demokratie“. Diese war in nur wenigen hundert Metern Entfernung zum Nazi-Fest geplant. Da Letzteres jedoch am Vorabend der Veranstaltung per Auflage auf das Gelände des sich im Besitz des NPD-Funktionärs und bekennenden Holocaust-Leugners Jürgen Rieger befindlichen „Schützenhauses“ ausweichen musste, war die räumliche Nähe leider nicht mehr gegeben. Trotz dessen war die „Meile der Demokratie“ ein sehr wichtiges politisches Zeichen und darf als Stärkung der bürgerlichen Initiativen gegen Rechtsextremismus verstanden werden.
Um einiges wirkungsvoller waren die umfangreichen Blockadeaktionen sowie ein Demonstrationszug des antifaschistischen Aktionsnetzwerkes. Trotz erheblicher Behinderungen bei der Anreise durch Ausfälle im Bahnverkehr, fanden sich nach offiziellen Angaben zwischen 500 und 800 Gegendemonstranten in der Kleinstadt ein. Es wurden die drei wichtigsten Zufahrten zum Veranstaltungsort der Neonazis durch friedliche Sitzblockaden versperrt. Leider entschieden die Ordnungskräfte, den anreisenden Besuchern des Nazi-Festes den Zugang über einen Trampelpfad entlang der nahegelegenen Bahngleise zu ermöglichen. Die Blockaden konnten sich jedoch gegen die Einsatzkräfte behaupten und hielten die Strassen bis zum späten Nachmittag friedlich aber konsequent versperrt. Bis auf wenige Zwischenfälle, bei denen anreisende Faschisten mit PKWs entlang der Blockade geleitet wurden und es zu kurzen Aggressionsentladungen gegen die Fahrzeuge kam, blieb der Protest durchweg gewaltlos. Die Einsatzkräfte gingen nur vereinzelt, dann aber leider unverhältnismäßig hart gegen Demonstranten vor. Über den gesamten Tag betrachtet, leisteten sicher vor allem die Anti-Konflikt Beamten und das Infoteam der Polizei gute Arbeit.
Nachdem etwa 450 Rechtsextreme, teils mit erheblicher Verspätung und langen Fußmärschen um die blockierten Kreuzungen herum, den Weg zum Schützenhaus gefunden hatten, endete der Anreisestrom der Faschisten auch schon. Statt der erwarteten 2500 Kameraden verirrte sich nur ein fünftel davon nach Pößneck. Da leider nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Zahl der ewig Gestrigen plötzlich derart gesunken ist, liegt der Schluss nahe, dass die massiv zur Schau getragene Stimmung gegen das menschenverachtende Weltbild der Neonazis Wirkung gezeigt hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der 12. September 2009 einmal mehr bewiesen hat, dass es auch in der thüringischen Provinz keinen Platz für Neonazis gibt. Wir möchten uns an dieser Stelle bei jedem Einzelnen bedanken, der den Weg nach Pößneck gefunden und sich an unsere Seite gestellt hat. Wir konnten das „Fest der Völker“ nicht gänzlich verhindern, aber wir haben den Nazis ordentlich in die Suppe gespuckt.
Es wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, ob der Erfolg, und ein solcher war es ohne Zweifel, Früchte trägt. Vor allem anderen erwarten wir deutliche Signale der neuen Landesregierung in Thüringen. Alle potentiellen neuen Ministerpräsidenten haben sich in Pose ablichten lassen, sollten die Damen und Herren Ihre Versprechen wieder vergessen, werden wir demnächst vielleicht vor Ihrer Tür sitzen!“
Demokratie und Freiheit lag in der Luft


Pingback: Laut gegen Nazis | Das Blog » 10.06.2010:Immer wieder Pößneck in Thüringen- Nazis wollen an einem prägnanten Datum – dem 11.09.2010 – ihr internationales “Fest der Völker” feiern