Pressekonferenz 31. Juli 2009 im Schmidts
Emotionalität ist bei unseren Pressekonferenzen nicht ausgeschlossen. Am Freitag, den 31. Juli 2009 veranstalteten wir im Schmidts Theater unsere PK zur Kundgebung auf dem Spielbudenplatz am 01. August 2009. Auf dem Podium befand sich ein Querschnitt der Zivilgesellschaft. Wir sind am 01. August fünf Jahre alt geworden. Hierzu gratulierten uns alle Teilnehmer und wir wollen uns dafür herzlich bedanken. Im Vordergrund stand jedoch das Thema Rechtsextremismus und der aktuelle Zustand. Dank des FC St. Pauli Präsidenten Corny Littmann (Schmidts) konnten wir unsere 13 Podiumsteilnehmer auf der Bühne des Schmidts Theater begrüßen. Wir danken der Crew des Schmidts für den super Service zur PK.
Timo Reinfrank überreichte ein Megaphon zum Jubiläum
Timo Reinfrank (Amadeu Antonio Stiftung) und wir beleuchteten zunächst den allgemeinen Zustand in Deutschland, der anhand der Statistiken und Umfragen/Studien (Friedrich Ebert Stiftung, Kriminologisches Institut Niedersachsen) böses erahnen lässt. Demnach tragen 30% der Bundesbürgerinnen und Bürger rechtsradikales Gedankengut mit sich. 1.113 Opfer durch rechte Gewalt und 143 Todesopfer seit der Wende schwebten als Tatsache durch den Theatersaal und wirkten auf die Beteiligten der PK auf und vor dem Podium. Alle acht Stunden wird ein Mensch Opfer rechter Gewalt, in Deutschland. Unfassbar, aber Realität. Eine besondere Ehre ist und war es uns, dass der FC St. Pauli die Kampagne seit Jahren unterstützt. Corny Littmann wies daraufhin, dass durch den Auftsieg der 2. Mannschaft des FC St. Pauli in die Regionalliga in der diverse Mannschaften mit rechtsradikalen Fans spielen, eine starke Präsenz von Nazis zu befürchten ist, “…drastisch gesagt befürchten wir eine Invasion rechtsradikaler Fans.” so Corny.
Wir setzen auf Zusammenschlüsse und ein friedliches Entgegenwirken gegen den steten Zuwachs in der rechten Szene. Hierzu stellte Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) fest:”…Mit friedlichen Mitteln konnte schon viel erreicht werden, sonst würde ich wohl kaum in Hamburg dabei sein..” und verwies auf sein Engagement in Leipzig gegen die jährlichen Aufmärsche am Völkerschlachtdenkmal, die im Übrigen von dem Hamburger Nazi Christian Worch organisiert wurden. Sebastian Krumbiegel und Rolf Stahlhofen (Söhne Mannheims) waren gemeinsam mit uns auch am 14. Februar 2009 im Rahmen der Veranstaltung “GEH DENKEN” in Dresden aktiv (Naziaufmarsch von 6.000 bis 7.000 Nazis). Rolf Stahlhofen unterstrich sein Engagement vom Podium aus. Die Schauspielerin Alexandra Kamp (Horst Schlämmer-Isch kandidiere”) wendete sich ein paar Tage vorher an uns und betonte ihr Engagement mit einer Kurzgeschichte von Kurt Tucholsky auf der PK, bevor sie auf ihre ganz pesönlichen Beweggründe der Unterstützung unserer Kampagne einging (s. beigefügte Artikel/unten). Der Zuschauerraum und auch das Podium selbst erstarrte bei ihrem Vortrag “Deutschland erwache” von Tucholsky.
Benny Adrion von dem Trinkwasserprojekt “Viva con Agua” betonte unter dem Hinweis der intensiven Partnerschaft beider Institutionen, dass es dringend notwendig sei gegen den Nazispuk etwas zu unternehmen. Aber auch Politik war auf unserem Podium vertreten. der Hamburger Staatsrat Dr. Stephan Winters (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) stellte das von uns unterstützte “Friedensfest Ohlsdorf” vor, mit dem ein Gedenkmarsch von Nazis auf die Gedenkstätte der Bombenopfer Hamburgs vermieden werden soll. Vier Wochen lang haben sich verschiedenste Institutionen Hamburgs zusammengeschlossen und betreiben Veranstaltungen direkt vor Ort. Mit Lesungen, Ausstellungen und Rundgängen nehmen wir Platz auf dem größten Friedhof der Welt “Ohlsdorf” ein. Ähnlich wie in Dresden war es in den vergangenen Jahren immerwieder zur Präsenz von Rechtsextremen gekommen, wenn sich die Bombenangriffe auf Hamburg jährten. Zu Gast auf dem Podium begrüßten wir den Politiker Niels Annen (MdB und Vorstandsmitglied der SPD/Bund). Niels Annen stellte die oft vorhandenen Hemmnisse der Politik dar, sich mit geeigneten Mitteln und Gesetzen der Entwicklung in der rechtsextremen Szene entgegenzustellen. Zudem plädierte er für ein NPD Verbot. Es könne nicht sein, dass die Bundesbürger diese Partei durch Steuergelder im Wahlkampf finanzieren, wies aber auch darauf hin, dass dies nicht allein dazu führen würde, rechtsextreme Tendenzen abzuschaffen. Hier müsste noch viel mehr passieren.
Kälte und Gänsehaut spürten wir, als Tibor Sturm (alias Quietstorm) seine Geschichte erzählte. Er konnte sich gegen sechs Nazis aufgrund seiner Kampfsportausbildung wehren. Einer der Angreifer wurde verletzt. Die Eltern dieses Angreifers zeigten Tibor wegen Körperverletzung an. Der Richter verlangte damals eine Entschuldigung von dem eigentlichen Opfer (wir berichteten mehrmals). Als Tibor diese nicht abgab, wurde er zu einer siebenmonatigen Haft verurteilt. Die Gäste im Schmidts verstummten. Tibor moderierte am Samstag sieben Stunden lang unsere Veranstaltung auf dem Spielbudenplatz.
Im Rahmen der PK war es uns wichtig, Initiativen vorzustellen die wir kontinuierlich unterstützen. Im September 2009 veranstaltet “Augen auf!” e. V. mit Unterstützung der Deutschen Nationalstiftung, Körber Stiftung und “Laut gegen Nazis” einen Event auf einem ehemaligen Grenzübergang zu Tschechien namens “Grenzgang”. Im Vordergrund steht hierbei der europäische Gedanke ohne Ausgrenzung. Sven Kaseler (Augen auf! e. V.) stellte diesen Event vor.
Provokant und satirisch geht die FDÄ gegen den Nazikult vor. Mit gleichen Parolen und Phrasen wie die Nazis selbst sie verwenden, kämpfen sie für arische Früchte. Auf Naziaufmärschen sorgen sie für Irritationen. In Uniformen und Outfits die den Nazis vorbehalten wären, jedoch mit dem Symbol eines Apfels (übrigens Vorbild soll der NPD Vorsitzende -Apfel sein) provozieren sie und ziehen dieses Prozedere der Rechtsextremen in das Lächerliche. Wir begrüßten auf der PK den Gauleiter Niedersachsen Felix Lippold.
Dass es auch Auswege aus der rechtsextremen Szene gibt, unterstrich Bernd Wagner “EXIT Deutschland”. man könne nicht nur gegen die Nazis agieren, sondern muss auch Wege zum Ausstieg anbieten. Mehrere hundert Aussteiger begleitet und betreut EXIT.
Die PK dauerte ca. zwei Stunden. Wir freuen uns über die breite und große Berichterstattung und wollen auch den Journalistinnen und Journalisten für ihre Aufmerksamkeit danken.
Fotos: Stefan Malzkorn/Melanie Schertz
Nur eine Auswahl der Artikel zur PK, finden Sie hier:
20090801-ha-laut-gegen-nazis 20090801-mopo-laut-gegen-nazis 20090801-welt-laut-gegen-nazis 20090802-mopo-laut-gegen-nazis1 20090803-mopo-laut-gegen-nazis
Unser Nachbericht zur Veranstaltung am 01. August 2009 folgt!




