Aufruf zum 01. August 2009/Hamburg von Jan (31) aus Berlin: Macht Euch auf die Socken und setzt ein Zeichen…

Macht euch auf die Socken und setzt ein Zeichen gegen Nazis!

 

Die in den letzten Jahren stark gestiegene rechtsextreme Gewalt und der Alltagsrassismus in Deutschland sind erschreckend. Mir ist jedoch immer wieder aufgefallen, dass nicht die Neonazis das größte Problem darstellen. Das eigentliche Problem sind die vielen vielen Menschen, die wegschauen, wenn in der Straßenbahn vermeintliche „Ausländer“ angepöbelt und zusammengeschlagen werden. Die vielen vielen Menschen, die das Problem Rassismus schlichtweg nicht interessiert, weil sie selbst nicht davon betroffen sind. Und auch die vielen vielen Menschen, die zwar etwas tun wollen, sich aber nicht so richtig trauen, weil sie Angst haben, sich öffentlich gegen Neonazis zu positionieren. Die „schweigende Mehrheit“ also.

 

Vor allem in ländlichen und kleinstädtischen Regionen haben es die wenigen Leute, die sich gegen Nazis engagieren, oft ungaublich schwer. Zu selten gibt es Rückendeckung vom Bürgermeister und der Stadt, zu häufig hören Jugendliche, die sich für diskriminierte Minderheiten einsetzen, ihre Arbeit würde nicht gebraucht. Viele riskieren durch ihr Engagement gegen Rechtsextremismus, selbst zur Zielscheibe von gewaltbereiten Neonazis zu werden. Ich bewundere die Hartnäckigkeit und den Mut, mit der sich diese Menschen unter oft miserablen Bedingungen dennoch weiter für mehr Demokratie in ihrem Ort stark machen. Und ich muss zugeben: Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Ich bin daher froh, in einer Großstadt zu leben, in der die demokratischen Gegendemonstranten zahlenmäßig den Nazis in aller Regel weit überlegen sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie sich kürzlich beispielsweise in Gera wieder gezeigt hat.

Auch in Hamburg sollte die „schweigende Mehrheit“ das Schweigen brechen und sich klar positionieren gegen Neonazis und rassistische Gewalt. Hamburg ist eine der spannendsten, weltoffensten und lebendigsten Städte in Deutschland. Lasst euch das von den Nazis nicht kaputtmachen! Ein Blick in das Parteiprogramm der NPD genügt, um zu wissen, was diese Partei vorhat, wenn sie an die Macht käme. Dann wäre es ganz schnell vorbei mit den demokratischen Grundrechten, die wir heute alle genießen. Deshalb macht euch am 1. August auf die Socken und setzt auf dem Spielbudenplatz ein klares Zeichen für Demokratie und gegen Rassismus und Rechtsextremismus!

 

Jan

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