Geschichte und Zeitzeugen: Eine kleine Mail eines LGN Blog Lesers zeigt die Wirkung einer Nazi-Diktatur im Kleinen

Die Menschen, die die Nazis in den Dreißigern und Vierzigern miterlebt haben sind meist wichtige Zeugen für die Menschenverachtung und Unterwürfigkeit von Leuten, die an diese Ideologie glauben. Die Opfer der Nazis stehen für uns grundsätzlich im Vordergrund um die Perversion der rechtsextremen Personengruppe zu vermitteln. Uns erreichte ein Kommentar eines LGN-Blog Lesers, der auch im Kleinen zeigt, wie eine Diktatur des Bösen den kleinen Leuten Macht verleiht und auf das gesellschaftliche, alltägliche Leben wirkt.

All diejenigen, die die heutigen Nazis und die Parolen der rechtsextremen Szene sowie der NPD sympathisch finden, sollten sich mehr mit der Geschichte beschäftigen. Diejenigen, die sich alte Zeiten zurückwünschen sollten darüber nachdenken, dass ihre eigenen Freiheiten unter Nazidiktaturen nichts mehr wert sind. Die Strukturen in der Naziszene von heute gleichen den alten Strukturen der Nazis unter dem sogenannten Führer. Ein KULT der eschreckt. Auch heute gibt es wieder von den Nazis benannte Führungskameraden, die mit diesem merkwürdigen Titel innerhalb der Szene Macht verkörpern und Menschen versuchen zu lenken. Eine Macht, die der Religionslehrerin unseres Lesers nahe kommt.

Religionslehrerin in der Schule Danzig Schleusengasse
Ich bin in der Freien Stadt Danzig zur Volksschule gegangen. Wir gehörten bis 1939 nicht zum Deutschen Reich. Um den wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch zu verhindern, wurde Danzig von Berlin aus finanziell unterstützt und regiert, das betraf auch die Schulpolitik. Wir erhielten 1937 eine Schulspeisung, morgens ein ganzes Brötchen, inwendig mit guter Butter beschmiert und dazu einen Becher voll mit heißer Milch. Einmal fehlte 1 Brötchen. Da ich der Letzte in der Reihe war, sagte der Hausmeister. „Nun, kleiner Bowke, für dich ist nuscht nichts da.” Ich antwortete ruhig: „Das macht mir nuscht aus, wir haben zu Hause genug zu essen.”
Die Religionslehrerin, Fräulein St. führte die Aufsicht, sie hörte meine Entgegnung und bölkte los „Das ist doch die Höhe, du verachtest die Gabe unseres Führers? Mitkommen!” Ich stieg die Treppen hoch zum Rektorzimmer, sie hinterher. Nachdem ich ihr die Tür öffnen musste, trat sie ein. Drinnen redete sie lauthals auf den Rektor los, dass ich abfällig über das Brötchen, der guten Gabe des Führers, gelästert hatte (diese falsche Christin log auch noch). Der Rektor, in SA-Uniform, ging zum Stockschrank, dort suchte er den richtigen Rohrstock für meinen Fall aus. Dann musste ich mich bücken und er schlug mir zwei heftige Hiebe über die Arschbacken.
So reimte ich mir später die Preußische Ethik zusammen:
„Wer Gott und den Führer nicht liebt, der erhält einen Hieb.” Für die Trinität „Gott, Führer und Vaterland” verloren viele Erwachsene ihre Moral und ihren Verstand.
Gerhard Jeske. Hamburg

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7 Antworten auf Geschichte und Zeitzeugen: Eine kleine Mail eines LGN Blog Lesers zeigt die Wirkung einer Nazi-Diktatur im Kleinen

  1. Danziger ehemalige polnische Schüler
    im KLV-Lager Adolfs – Dorf – Kr. Wirsitz.-
    von Gerhard Jeske
    Nach dem Einsatz in der Kartoffelernte bei Konitz, erhielten wir anfangs November 1943 den Bescheid mit gepackten Affen ( H-J-Rucksack) oder Koffer im Hauptbahnhof anzutreten.
    Wir wurden von unseren Müttern und Geschwistern verabschiedet, bestiegen den Zug und fuhren einem unbekanntem Ziel entgegen. In Bromberg und Nakel mussten wir umsteigen. dann fuhren wir mit einer Kleinbahn weiter. Abends hielt der Zug auf freier Strecke und wir stiegen aus. Gegenüber.des Kleinbahndammes stand eine alte Schule und im Garten sahen wir ein zweites flaches Gebäude. Zur linken Seite war die Schule einen Kilometer vom Schloss Herreneichen entfernt, ein polnischer Graf war vor 1939 der Besitzer gewesen, den hatte man enteignet, Zur rechten Seite lag an der Landstrasse und vor der Kleinbahnstation ein polnisches Dorf, jetzt war es umbenannt in Adolfs – Dorf. Die Polen waren vertrieben worden und Bauern aus Bessarabien wohnten in den bescheidenen Häusern. Drei km weiter befand sich das Rittergut derer von Witzleben, die sich überhaupt nicht um uns gekümmert hatten. Bei schlechter Verpflegung, ohne Elektrisches Licht und fließendem Wasser, hausten wir mit je 40 Schülern in zwei Klassenräumen. Wir waren ein zusammen gewürfelter Haufen aus drei Schulen: Schleusengasse, Lastadie und Schwarzes Meer. Als der Frost 8 – 12 Grad minus erreichte, fror der Brunnen zu, und wir mussten für die Küche das Wasser in Bottichen auf Schlitten vom Dorf holen. Zum Waschen reichte es nicht. Nur am Sonnabend gab es, nach dem Abendessen, heißes Wasser, für jeden eine halbe Blechschüssel voll. Ich meine, dass die letzten Polenkinder, die beim Gut wohnten und zu Hause waren,es besser hatten, als wir Beutegermanen.
    Im Januar mussten wir nachts in der Kälte Wache gehen. (es gab dort pol. Partisanen) Nicht zu zweien, sondern einzeln patrouillierten wir draußen herum. Da ich schon mit dreizehn Jahren nicht furchtsam war, erlebte ich einsame Stunden unter funkelnden Sternen oder fahlen segelnden Wolken bei kaltem Mondlicht, der manchmal den Schnee vergoldete. Leider war unsere Winteruniform so dünn, dass die Kälte bis auf die Haut durchdrang, nach zwei Stunden waren wir durchgefroren, bis auf die Knochen. Bis Ende März 1944 hausten wir in dieser flachen, trostlosen Gegend.
    Im KLV Lager Adolfdorf im Kreis Wirsitz, war auch mein Freund von der polnischen Minderheit dabei. Der besuchte dort, mit drei oder vier Jungens, in der HJ Uniform, den polnischen Schuster. Den hatten die Nazis nicht deportiert, denn auch den angesiedelten Bauern aus Bessarabien mussten die Schuhe besohlt werden. Hans Olschewski nahm mich eines Abends mit, um mich der Familie vorzuführen. Warum, dass erzähle ich ihnen jetzt. Ich war ein kleiner zäher, nicht unbegabter Junge, schön anzusehen, mit einem zarten Milchgesicht. Der Gefolgschaftsführer im KLV-Lager schikanierte mich. Er fand jeden Tag einen Grund, um mich und einige andere Jungens, nach dem Abendessen auf sein Zimmer zu bestellen. Hier mussten wir zur Strafe jede Menge Kniebeugen, Liegestütze und in der Hocke den Entengang machen, manchmal mit einer halbvollen Waschschüssel in den vorgestreckten Händen. Ein Junge nach dem anderen fing an zu keuchen, bis er sagte „ Gefolgschaftsführer, ich kann nicht mehr.“ Der nannte ihn einen Schwächling und lies ihn gehen. Ich machte diese Strafgymnastik weiter und gab nie auf, bis es ihm zu viel wurde und er mich rausschmiss.
    Vor Weinachten durfte ich mit einem Kameraden nach Danzig fahren, um selbst gebasteltes Spielzeug für Kriegswaisen in der KLV- Lager Leitstelle auf der Fröbelwiese abzugeben.
    Es war schon gegen 20 Uhr als wir dort ankamen. Wie ich mich dort meldete, und der HJ- Führer den Namen unseres Lagers hörte, lief er zu einem Zimmer, er riss die Tür auf und schrie hinein. „ Da sind zwei aus Adolfs – Dorf. Sofort erschienen einige HJ – Unterführer, um die frechen Lümmel anzustaunen. Die waren aber erstaunt, als sie die kleinen Luntrusse vor sich sahen. Na, wir mussten eine Stunde warten und dann übergab uns ein Kamerad unsere Koffer, die waren vollgefüllt, mit Sachen, die wir nicht kannten. Wir schleppten die zwei Koffer zur Straßenbahn-Haltestelle und fuhren bis zum Hauptbahnhof. Dort stiegen wir aus, schleppten die Koffer zur Gepäckannahme und gaben sie als Wartegut auf. Dann fuhren wir nach Hause. Mein Kamerad mit der Lore 4 bis Ende Langgarten, dort wohnte er und ich mit der Linie 5 bis zur Endstation Ecke Hühnerberg – Thornscher Weg, Von dort musste ich noch fünfzehn Minuten durch die Dunkelheit nach Walddorf gehen. Meine Mutter war überrascht als ich die Wohnung betrat. Aber wie sah es dort aus? Das elektrische Licht leuchtete nur mit schwachem Strom. Mein kleiner Bruder röchelte mir mit einer Lungenentzündung aus dem Bett entgegen. Damals kam man damit nicht ins Krankenhaus. Ein kleines Tannenbäumchen stand auf der Nähmaschine. Der älteste Bruder leistete nächtlichen Luftschutzdienst auf einem Speicher. Der Vater auch nicht zu Hause. Das wirkte sehr miserabel auf mich. Schnell hatte meine Mutter Brot und geräucherten Pomuchel aufgetischt, dabei erzählte ich ihr einiges aus dem Lagerleben und warum wir nicht den Konfirmanden Unterricht auf dem Rittergut derer von Witzleben besuchen wollten, und das ich morgen noch Urlaub hätte und die Familie Olschewski besuchen wollte.
    Am Vormittag des anderen Tages sah die Umgebung freundlicher aus. Im Garten lag heller Schnee, gegen das westliche Himmelsblau schickte die Sonne ihre goldenen Strahlen durch die Äste der Obstbäume. Ich verließ unser Haus und spazierte bis zu Spielplatz. Stille ringsherum. Kein Hund bellte, die waren, um Lebensmittel zu sparen, längst liquidiert worden. Weit und breit kein Nachbar zu sehen. Walddorf wirkte menschenleer, wie ausgestorben. Nach dem Mittagessen machte ich mich fertig um Frau Olschewski und ihre Tochter aufzusuchen. Nun erfuhr ich von meiner Mutter, dass der Vater von Hans im KZ.- umgekommen war und dass seine Schwester und Mutter auf dem Bodenzimmer eines Speichers in der Hopfengasse leben mussten, Sie sollten dort Tag und Nacht Feuerwache halten. Abends wurde die Tür unten abgeschlossen, niemand konnte sie deshalb besuchen. Ich hatte die schwarze HJ-Winteruniform angezogen und meine Mutter fragte erstaunt, ob ich so angezogen dorthin gehen wollte. Warum nicht „ meinte ich, wenn ein Zivilist die Beiden besucht könnte das einen üblen Verdacht auslösen.“ In einem kleinen Zimmer mit winziger Küche hauste die Mutter und Schwester auf dem Speicherboden. Die Schwester, eine ehemalige Abiturientin, beherrschte schon vier Sprachen. Beide waren sehr mager, denn sie erhielten nicht die vollen Lebensmittelmarken. Ich nahm, nach unserer Unterhaltung, ein Buch mit Zauberkunst-Stückchen mit. Angeblich wollte Hans Olschewski uns daraus etwas vorführen. Das hatte er nie getan, denn das Buch war sicherlich für Andere bestimmt. zum Beispiel, wie man sich aus einer Fessel befreien konnte. Ich hatte es mir im Zug genau angesehen.
    Am anderen Tag verabschiedete ich mich vom Rest der Familie und fuhr zum Hauptbahnhof. Wir hatten uns um 11,30 dort verabredet. Nachdem wir die Koffer ausgelöst hatten, reihte ich mich in die Schlange am Fahrkartenschalter an. Als ich am Schalterfenster stand, fragte mich die Beamtin nach der Reiseerlaubnis. Ich war baff. Sie erklärte mir, das ab 24 Uhr diese Verordnung gilt, deshalb durfte sie mir keine Fahrkarten verkaufen. Ich schaltete sofort einen Schnellgang im Gehirn ein. Lief schnell über die Straße zur Elisabethgasse zur Polizeiwache und erklärte dem Polizisten meine Lage. Der schrieb einen Antrag aus, genehmigte die Abfahrt und damit versehen peste ich zurück und erhielt die Fahrkarten, der Zug sollte , wenn ich es richtig erinnere um 12,o5 abfahren nach Bromberg. Wir hatten fünf Minuten Zeit um den richtigen Bahnsteig zu erreichen. Das klappte auf die Sekunde genau. Kaum hatten wir die Koffer durch die Tür gewuchtet, pfiff der Beamte die Abfahrt an. Wir waren vorerst beruhigt, nach zweimaligen umsteigen erreichten wir gegen 19.00 Adolfs – Dorf. Jetzt begann das Kofferschleppen, über den Bahndamm zur Lager-Schule. Der eine Henkel vom Koffer war abgerissen, meinen Schulterriemen hakte ich in die Metall- Öse ein und zog den Koffer, wie einen Schlitten über den Schnee hinter mich her.
    Wie erstaunt waren wir, als die Koffer geöffnet waren und wir erkannten, was darinnen lag. Eine Menge Kriegsbücher, die niemand lesen wollte, ein kleines Repetiergewehr. Und ein Radio, das wir nicht gebrauchen konnten, weil wir keinen Elektrischen Anschluss hatten. In unserem Zimmer brannte nur noch eine Petroleum-Lampe mit halbem Zylinder.
    Am Nächsten Morgen landete ich meine große Überraschung und es sollte mein erster, gefährlicher politischer Witz werden. Ich hatte eine Landkarte von Russland mitgebracht, dazu kleine Nadeln mit roten Fähnchen. Die Karte heftete ich an die rechte Seite der Wand vor der Tür, die zum Frühstücksraum führte. Dann steckte ich die roten Fähnchen in den Frontverlauf ein, der sich im Mittelabschnitt auf der Linie Kiew- Shitomir abzeichnete. Nach der primitiven Weihnachtsfeier, wurden die letzten Briefe verteilt einige Jungen ergriff das Heimweh und sie heulten los.. Ich interessierte mich für die Zeitung aus Danzig, die auch eingetroffen war und rückte die Fähnchen bis zur Markierung der Stadt Shitomir vor. Die Stadt war von der deutschen Armee im November zurückerobert worden. Aber wie es aussah, wogten um die Stadt schwere Kämpfe hin und her. Anfang Januar, in der nächsten Zeitung, las ich, dass Shitomir , im Verlaufe einer Frontbegradigung aufgegeben worden war. Nun gibt es ein Wortspiel. Im Plattdeutschen heißt ein Spruch.“ Schiets du mir, so ich Dir“ also – scheißt Du mich an, so ich dich auch.“ Und Schiet, in deutsch und schitomir im russischen, klingen sehr ähnlich. Ich stecke morgens die Fähnchen um. Hinter mir staand der Gefolgschaftsführer, und einige Pimpfe, die am Frontverlauf sehr interessiert waren. Darunter waren Jungens von der polnischen Minderheit, wie ich einige Tage später erfahren sollte. Der Gefolgschaftsführer fragte mich „“ Na, wie sieht die Lage aus.“ Ich ziehe ein Fähnchen heraus und stecke es um und sage.“ Shitomir so ich dir !“ Ruckartig wendete der Gefolgschaftsführer sich ab und ging in den Frühstücksraum. Der hatte das Wortspiel begriffen, denn er kam aus einer Stadt in Westfalen, wo man auch Niederdeutsch verstand. Am nächsten Tag war die Karte entfernt worden und ich noch mehr in Ungnade gefallen.
    Jetzt wollte der Gefolgschaftsführer mir eins Auswischen. Beim Mittagessen verlangte er absolute Ruhe. Plötzlich sprach ein Junge, ein oder zwei Worte. „ Wer hat da gesprochen“ fragte der Gefolgschaftsführer mit harter Stimme. Niemand meldete sich. Er wiederholte seine Frage. Wieder meldete sich kein Junge. Nun schrie der Gefolgschaftsführer los „ Jeske du warst es. Was hast du gesagt?“ Ich schwieg. Er wiederholte die Frage und dann kam der Hammer, er wollte mich einer Dienstverweigerung überführen. Also sagte er. „ Ich gebe Dir den dienstlichen Befehl: Was hat Du gesagt.
    „ Nichts sagen, hieß einen Befehl verweigern. Ich musste etwas antworten und sagte „ leck mich am Arsch“ Stille war, einen Floh hätte man husten hören können. Nach einer Atempause. „ Du solltest mal Deine Personalakte sehen. Aus Dir wird nichts mehr werden.“ Nun konnte ich allezeit hoffen, dass wir so schnell wie möglich den Krieg verlieren müssen.
    Ein oder zwei Tage später lud mich Hans Olschewski ein, ihn abends zu begleiten. Nach dem Abendessen gingen wir über das Schneefeld zum Dorfrand. Unvermittelt sagte Hans, dass sein Vater an einem Hirntumor verstorben war. Ich wusste Bescheid, dass war sicherlich ein Schlag über den Schädel oder eine Pistolenkugel gewesen, sagte aber nichts. Vor einer Kate blieben wir stehen. Er öffnete die Tür und schob mich hin ein. Mattes gelbliches Licht umfing mich , vermischt mit Dampfschwaden, die aus der Tür in die Kälte schwebten. Ich befand mich in der Wohnküche. In der Mitte des Raumes stand ein 3-4 jähriges Mädchen in der Wanne, die Mutter seifte den nackten Körper ein. An der rechten Seite stand der aufgeheizte Herd. Die Oma bereitet das Abendessen vor. Links an meiner Seite standen drei oder vier Jungens, angezogen mit der HJ- Winteruniform. Das waren sie also, die Bowkes von der illegalen polnischen MINDERHEIT: In der linken Ecke des Raumes saß der Schuster an seinem Arbeitstisch. Er schaute mich prüfend an, legte den Hammer aus der Hand und sprach dann leise mit Hans Olschewski. Was er erzählte weiß ich nicht, darüber schwieg Hans sich aus. Hier suchten die polnisch-katholischen Jugendlichen etwas Familienersatz. Hier erlebten sie das, was die Hitlerjugend ihnen verweigerte und auch nicht ersetzen konnte.
    Nach einigen Minuten drehte sich Hans zu mir um, nickte mit dem Kopf und wir verließen die Familie., Aus der gemütlichen feuchte Wärme in die sternenklare Winternacht zu treten schockte uns und ließ uns die Kälte bis auf die Rippen fühlen. , schnell zog die Ohrenklappen herunter, und steckte meine Hände in die Hosentaschen. Schweigend schlurften wir über den Schnee der alten Schule entgegen, die mir jetzt wie ein Straflager für deutsche Jugendliche vorkam. g.jeske copyr.

  2. Gerhard Jeske , den 02.01.1982
    Deutschland unter dem Hakenkreuz =
    Danzig unter dem Hakenkreuz! über eine TV.-Sendung
    Mit diesen Sendungen des Fernsehens ist wieder die Gelegenheit vertan worden die Hintergründe des Aufstieges der Nazi-Partei und deren Machtübernahme aufzuzeigen. Daß ,das deutsche sowie europäische Großkapital die Fäden zog lässt sich an einem, bisher in der bürgerlichen Geschichtsschreibung verheimlichten, Beispiel beschreiben.
    Am 2. und 30.1.1933 trafen sich Vertreter des französischen, deutschen und belgisch-Luxenburgischen Großkapitals in Luxenburg zu einer Geheimkonferenz.
    Auf der Tagesordnung stand : Die Einbeziehung des Deutschen Reiches in ein westeuropäisches Bündnis.
    Für Frankreich nahmen daran teil: Rene’Duchemin,President des Etablissements Kuhmann und der Confederation Generale de la Production,- der Journalist und Schriftsteller Comte d’Ormesson, Mitarbeiter von ‘Le Temps’ sowie der Beamte im Finanzministerium, Jear, Parmentier. Die französische Delegation kam mit Billigung der franz. Regierung angereist.
    Von deutscher Seite waren vertreten: Carl Bosch von der IG Farben, sowie der Generaldirektor der AEG, Hermann Bücher.
    Außerdem waren die Vertreter Belgiens und Luxenburgs anwesend „Die französischen Vertreter waren bereit einer vierten Teileng Polens zuzustimmen. Als Vorleistung erklärten sie sich bereit, den polnischen Korridor (Pomerellen) an das Deutsche Reich zurück¬zugeben. Die Konferenz beschloss dann:”
    Die Beseitigung des poln. Korridors, die Rückkehr Danzig in das Reich und Grenzkorrekturen in Oberschlesien. Die deutsche Delegation bot Polen den Hafen Memel als Ersatzhafen für Danzig an. Die Stossrichtung war klar! Das Nazi Deutschland sollte in ein Bündnis gegen die Sowjet Union eingebunden werden und das zu Lasten Polens.
    Die viel gepriesene französich-polnische Freundschaft entlarvte sich hier als Phrase.
    Hitler verfolgte dann diese Pläne und Angebote nicht, weil seine Ziele weiter gesteckt waren.
    Es war dann Pilsudski, der mit Hitlerdeutschland einen Nichtangriffspakt schloss und so Hitlerdeutschland international aufwertete und die Opposition in Danzig, aber auch den Völkerbund ins Abseits stellte.
    Die Zusammenarbeit des Diktators Pilsudski und der NS-Regierung in der Freien Stadt Danzig, bewährte sich dann auch, auf makabere Weise, verschiedentlich erfolgreich. So wurden auf Antrag, Polens sämtlichen Ukrainern die Aufenthaltsgenehmigungen entzogen. Ebenso erging eoSozialdemokraten und Kommunisten.die die deutsche Staatsbürgerchaft besaßen.
    Polen unterließ es zunehmend die Autorität des Völkerbundes in Danzig zu stärken, weil es meinte mit bilateralen Verträgen zwischen NS-Deutschland und Danzig besser eine eigene nationale Politik durchsetzen zu können.. Der gemeinsame Hass auf Sozialisten und Kommunisten bewirkte.dass die polnische Regierung und die polnische Minderheit, aber auch die jüdische Gemeinde (11 000 jüdische Bewohner gab es ungef. in Danzig), dass sie die deutsche Opposition in ihrem Kampf gegen die Nationalsozialisten wenig aktiv unter¬stützten. Die katholische Kirche, die in Europa, so auch in Polen rechts stand, feierte die Machtergreifung, der Nazis als Ausdruck des göttlichen Willens im Kampf gegen den Bolschewismus. Der, schon verstorbene, Kardinalbischof Wyszynski war ebenso ein typischer Ver¬treter des rechten Polens. Auch er bezeichnete in einer Predigt, daß Hitler dem deutschen Volk gesandt wurde, um, den Kommunismus zu vernichten. Erst als die eigenen Priester und Polen in die Vernichtung durch die Nazis hineingezogen wurden,entstand viel zu spät bei ihnen ihr aktiver Widerstand. Der evangelische ( Bischof) in Berlin) Otto Dibelius bendete seine Predigt mit dem Ausruf ” Ein Volk ein Reich ein Führer.” Er forderte energisch den Anschluss Danzigs an das Deutsche Reich. Ab dem 1.September wurde jeder Widerstand aufgerieben und landete im KZ Stutthof. oder vor den Gewehren des deutschen Selbstschutzes und in den Fängen der Gestapo. Die Weichen für die Fahrt in den Abgrund waren gestellt. Die Katastrophe war absehbar und nur mit der Niederlage Deutschlands zu beenden.
    Gerhard Jeske

  3. Die meisten Kritiker schreiben,
    was die Leser oder Betrachter wahrnehmen sollen. Insofern gleichen sie den Theologen und politischen Propagandisten. g. jeske

    gerhard jeske 29.06. 2009
    Hitler wollte keinen Krieg mit Polen!
    Wie sie sich ereifern und geifern, und wissen wollen, was Hitler wirklich beabsichtigte.
    So wie der Papst darüber befindet, was Gott vorhat und tun sollte, so erheben sich diese politischen Spekulanten über Hitlers Willen und politische Absichten, wie wenn sie über Hitler verfügen, wie wenn er eine Marionette wäre. Hätten diese Schreiberlinge 1939 so über Hitler geredet, der brutale, egozentrische Diktator hätte sie im Konzentrationslager verschwinden lassen.
    Einigen Schreibern passte es nicht, dass Polen die Sowjetische Armee nicht durchmarschieren ließ, um in Folge, einen großen europäischen Krieg zu beginnen, Möglicherweise wäre diesem Angriff vom Osten über Polen eine westliche unheilige Allianz mit Hitler-Deutschland gefolgt und Europa ein riesiges Schlachtfeld geworden.
    Andere kritisieren, dass Polen die Forderungen Hitlers nicht berücksichtigt hatte, Dabei klammern sie das Beispiel des Einmarsches in Österreich aus, sowie auch das der Sudeten und der brutalen Besetzung der Tschechoslowakei
    Wie geistlos müssen solche Leute sein, die nach diesen Paradestücken der Macht des Diktators Hitler, uns weismachen wollen, dass er mit Polen nicht anders verfahren würde. Wer Hitler den kleinen Finger reichte, den hätte er nicht ergriffen, sondern er hätte ihm gleich beide Arme abgehackt, um ihn wehrlos zu machen. Das hatte die Geschichte schon bis 1939 hinlänglich bewiesen.
    Gerhard Jeske.

  4. Gerhard Jeske Hamburg
    Die Kirche und der Geheimdienst in der BRD.
    Einzelfälle oder System?
    .
    Es gibt Themen, die kaum bekannt sind, zum Beispiel dieses:
    Ich sollte von der evangelischen Kirche ab 1953 für geheimdienstliche Tätigkeiten eingesetzt werden, Weil ich mich dem entzog, wurde ich später als Diakon aus der evangelischen Brüderschaft entlassen und somit arbeitslos.
    In der NS-Zeit waren ungefähr 80 % Diakone in der SA. Das wurde uns in Rickling, dem Diakonen Seminar nie mitgeteilt, ebenso verschwiegen uns die Älteren Diakone, dass es dort ein kleines KZ-Lager gegeben hatte. Die Verstrickung in den NS-Staat der Brüderschaft und der Evangelischen Kirche in Schleswig Holstein, entdeckte ich alleine. Ab 1953 sollte ich von Hamburg aus in der Ostseestadt Barth-DDR, über Parteimitglieder, die heimlich zur Kirche hielten, Erkundigungen anstellen. Der Pfarrer riet mir ab, mich darauf einzulassen. Er meinte, dass es ein politscher Auftrag wäre und nichts mit dem Evangelium zu hätte. Weiter sagte er zu mir.” Wenn das mal rauskommt, komme ich in das Gefängnis, sie leben froh und frei in Hamburg und die westdeutschen Zeitungen schreiben böse ” Wieder wird ein Christ in der DDR verfolgt.”.Deshalb lehnte ich den politischen Einsatz, unter dem Deckmantel der Kirche ab, Bleibt zu erwähnen, dass ich wegen meiner Entlassung aus dem Diakonen-Amt mit der Hamburger Bischöfin Frau Maria Jepsen ein klärendes Gespräch führen wollte. Eine Dokumentation hatte ich in der Kanzlei abgegeben, das war im März 2009, Eine Antwort erhielt ich nicht auf meinen Brief, auch nicht, dass er dort angenommen worden war. Am 23.04.09 fand dann ein Gespräch mit der Referenten der Bischöfin statt, ohne ein Ergebnis. Bis heute ist mein Schreiben an die Bischöfin nicht beantwortet worden. Wie es nach 1945 war, so ist es auch jetzt noch. Das große Verschweigen hält an.
    Wie viele Diakone und Pastoren führten in der BRD gegen die DDR geheime politische Aktivitäten aus ? Wann und von wem wird diese Geschichte aufgearbeitet werden? Die Gauk-Behörde wird es bestimmt nicht tun.
    gJ.copyr

  5. 1939 Danzig – Ohra Bericht des Fahrdienstleiters Gerhard Knoff geb. 3.5.1914
    Danziger Bürger wurde staatenlos.
    Mit Beginn des Frühjahres 1939, vor allem vom Moment ab, als Adolf
    Hitler im Reichstag während seiner Rede vom 28. April den Nichtangriffspakt mit Polen abgebrochen hatte, zugleich den Anschluss Danzig zum Reich verlangte, ab der Zeit, von Tag zu Tag, mehrten sich Schikanen und Überfälle auf polnische Bürger.
    In den warmen nächsten Sommertagen erschienen auf den Straßen immer mehr verschiedene Kriegsfahrzeuge, sowie uniformierte Männer,gab es zu sehen. Jedenfalls, kurz gesagt, die politische Lage im August sah schon ganz brenzlig aus.

    Infolge der anwachsenden Spannungen war der Zugverkehr auf der Strecke Gdingen-Danzig-Dirschau eingeschränkt und sehr unregelmäßig. Einige Züge, auf Anlass der deutschen Behörden, verkehrten überhaupt nicht. Aus diesem Grund hatte ich Schwierigkeiten mit der Hin- und Rückfahrt zum Dienst nach Lissau. Letzten Endes war es sogar unmöglich, denn beispielsweise musste ich bei meiner Hinfahrt von Ohra zweimal die Polnisch-Danziger Grenze passieren, erstmals in Hohenstein, dann nochmals in Liessau. Eines Tages wurde sogar, von den deutschen Beamten, beim Grenzüberschreiten in Liessau, mein Danziger Reisepass einbehalten. In Anbetracht dieser Lage habe ich mich an den Amtsvorstand des Betriebs- und Verkehrsamtes, Herrn Józef Schulz, gewendet, um mich zu einer anderen Dienststelle leiten zu lassen.
    Daraufhin wurde ich zur Arbeit, zum Bahnhof Danzig-Oliva, eingeteilt, wo ich den Platz vom Fahrdienstleiter Tylewski einnehmen sollte, der aus Furcht vor Inhaftierung nach Orlowo-Adlershorst gefahren ist. Als ich auf meiner neuen Dienststelle ankam, wunderte sich der deutsche Eisenbahner Neumann, fragte wer ich bin und fügte auch gleich hinzu, dass meine Anwesenheit nicht erforderlich ist. Ich erwiderte ihm, dass ich von Amtswegen hierher abkommandiert worden sei und laut Anweisung meinen Dienst verrichten muss.
    Die allgemeine Lage war überaus kritisch. Verschiedene deutsche Eisenbahnbedienstete trugen auf ihrer Dienstuniform offen nationalsozialistische Abzeichen.
    Ebenfalls in Ohra, auf dem Schönfelderweg, hatte sich unsere Lage deutlich verschärft. Wir wohnten als einzige Polen auf dieser Straße. Die aus Anlass der polnischen Nationalfeiertage von uns ausgehängte Flagge, war stets für die Nazis ein Dorn im Auge. Etwa 2-3 Tage vor Kriegsausbruch warfen die Nazirowdys große Feldsteine in unsere Wohnung. Durch zerbrochene Fensterscheiben wurde dabei einiges Mobiliar demoliert. Auf den Schutz der Polizei konnten wir nicht zählen. Trotzdem habe ich den Vorfall förmlich im Polizeirevier vorgelegt.
    Trotz alledem, was uns wunderte, erschien ein Schupo, hatte sich alles angesehen und machte sich sogar einige Notizen in sein Dienstbuch. Als er beabsichtigte wegzugehen, auf meine Anfrage, was er darüber meint, erwiderte er zum Schluss, es sei ja kein Wunder, denn so ähnlich verfahren ja die Polen mit den Volksdeutschen in Polen.
    Von dem Ereignis hat mein Bruder Paul gleichfalls dem Generalkommissariat der Republik Polen, in Gdansk, in Kenntnis gesetzt. Aber das hatte keinen Widerhall, weil schon zu viele ähnliche Vorkommnisse in jener Zeit auf Polen, in Danzig, zu verzeichnen waren.
    In gleicher Zeit, auf unserer Straße, haben wir von Chauvinisten drohende Ausrufe zu hören bekommen: “Wie lange gedenkt ihr hier zu bleiben, ihr Polacken? Wenn ihr nicht verschwindet, hängen wir euch an dem vor eurem Haus stehenden Laternenpfahl auf!”
    Hierbei möchte ich noch bemerken, dass in diesem Zeitraum unser Haus fast ständig unter Polizeiaufsicht war. Unter diesen Umständen, aufregender, keinesfalls normaler Nächte, konnten wir uns zum Schlafen nicht ins Bett legen. Nur in Kleidung, voller Spannung, schlummerten wir in Erwartung nochmaliger Provokationen.
    In den letzten Tagen vermehrten sich Verhaftungen von Polen. Demzufolge, am letzten Augusttag, überließen wir unsere Wohnung seinem Schicksal. Zeitweilig hielten wir uns bei meinem Schwager, Józef Blaszk, in Langfuhr, Adolf-Hitler-Str. 128, auch Ritterhof genannt, auf. Hier, am nächsten Tag, am frühen Morgen, erweckten uns mächtige Detonationen. Im ersten Augenblick konnte ich mich nicht zurechtfinden, wusste nicht was los ist, aber schnell genug habe ich begriffen, dass der Krieg begonnen hatte.
    Wir wissen, damals war schönes Wetter, daher schlief ich auch bei geöffnetem Fenster. Von draußen, aus Lautsprechern, hörte ich die mir gut bekannte Stimme des Gauleiters Albert Forster. Er verkündigte, dass Danzig keine “Freie Stadt” mehr ist und von nun an ein Bestandteil des Deutschen Reiches sei. Sofort habe ich den Radioempfänger eingeschaltet, wo der Text der Proklamation veröffentlicht wurde. Nahezu unaufhörlich war Marschmusik zu hören, von Zeit zu Zeit unterbrochen für Sondermeldungen von Vormarscherfolgen der Wehrmacht ins polnische Gebiet. Ich kann mich auch noch gut erinnern, dass vom selben Tag an der Rundfunkansager, statt wie bisher – “Landessender Danzig” -, den Wortlaut – “Reichssender Danzig” -, benutzt hatte.
    Aus Neugierde, so vor 10 Uhr, wagte ich auf die Straße hinauszugehen. Ich habe bemerkt, dass infolge der entstandenen Ereignisse, die Stadtbewohner aufgeregt und eilends auf den Straßen schreitend, aber an und für sich auch die Nachricht der Einverleibung Danzigs mit Großdeutschland mit Genugtuung empfingen.
    Ich stieg in die Straßenbahn ein und fuhr nach Danzig. In der Bahn, aus mitgehörten Gesprächen von Passagieren, habe ich erfahren, dass die “Polnische Post” angegriffen worden ist und um dieses Gebäude auf dem Heveliusplatz vom frühen Morgen an harte Kämpfe geführt wurden. Man sprach auch von Verhaftungen polnischer Einwohner Danzigs. Bedrückt stieg ich vor dem Hauptbahnhof aus. Gleich fiel mir ein langes Transparent mit dem Wortlaut auf: “Widerstände sind nicht dazu da, dass man vor ihnen kapituliert, sondern dass man sie bricht”
    Das Bahnhofsgebäude war mit roten Hakenkreuzfahnen behängt. Vor und auf dem Bahnhofsgelände wimmelte es von bewaffneten Soldaten und der Schutzpolizei, die den Zutritt dorthin nicht zugelassen haben. Einer von denen stand sogar auf der Straßenbahninsel und hielt in der Hand eine Tafel mit der Aufschrift: “Halt, es wird scharf geschossen!”
    Vor dem Haupteingang des Bahnhofsgebäudes und anderswo waren polnische Briefkästen nicht mehr zu sehen. Polnische Anschriften waren teilweise schon beseitigt. Nach diesen ersten Ereignissen bin ich zur Einsicht gekommen, dass alles vorzeitig und sorgfältig vorbereitet worden war.
    Von Zeit zu Zeit erschallten Schüsse in der Stadt, die zweifellos von der “Polnischen Post” und der Westerplatte her kamen. Nach kurzer Zeit bin ich in die Innenstadt gegangen, in Richtung polnisches Postamt. Unterwegs erblickte ich eine inhaftierte Gruppe von Männern, die von bewaffneten Sturmtrupps abgeführt wurden. Je näher ich zur polnischen Post kam, desto mehr begegneten mir Zivilisten mit Handgepäck, vorwiegend Frauen mit Kindern. Es hat sich schnell erwiesen, dass diese Einwohner aus den naheliegenden Häusern der “Polnischen Post” evakuiert worden waren. Auf den Straßen ringsum des polnischen Postamtes wimmelte es von Wehrmachtsangehörigen, SS-Heimwehr und Schutzpolizei. Nach kurzer Ansicht aus bestimmter Entfernung habe ich mich zurückgezogen und bog in die Tischlergasse ein. Gegen Mittag kehrte ich nach Langfuhr zurück. Am selben Tag bin ich mit meiner Mutter wieder nach Ohra in unsere Wohnung zurückgekehrt. Hier angekommen, stellten wir fest, dass jemand versucht hatte sich hier ranzumachen. Als wir uns umsahen, stellten wir fest, dass nichts verschwunden war. Später haben wir erfahren, dass der patrouillierende Schupo den Eindringlingen das Plündern untersagt hat.

    Es dauerte nicht lange, bis dann Zellenleiter Metz mit noch jemandem in unser Wohnung eintrat und die Frage stellte, wo wir vorher gewesen waren? Daraufhin zeigte ich mit dem Kopf auf die noch im Zimmer liegenden Steine und Glasscherben, gleichzeitig antwortete ich ihm, in Langfuhr. Er sah uns erstaunt an, denn wie er uns zu verstehen gab, hatte er angenommen, wir seien nach Dirschau gefahren. Nach dieser Unterhaltung gab er noch hinzu: “Verhaltet euch gut und macht keine Dummheiten mehr!”
    Bevor beide die Wohnung verließen hat Metz uns noch Lebensmittelkarten ausgegeben, worüber wir sehr überrascht waren. In der nachfolgenden Zeit hat er uns in Ruhe gelassen.

    Am nächsten Tag, gemäß ausgegebener Anordnung, als ich auf dem Weg zum örtlichen Polizeirevier war, begegnete ich meinem Schulfreund Paul Grzegowski. Wir beschlossen uns im Polizeirevier immer gemeinsam zu stellen. Hier wurden wir belehrt, dass wir und alle noch auf freiem Fuß befindlichen Polen, ab heute täglich verpflichtet sind sich persönlich auf dem Polizeirevier zu melden, und zwar zweimal, um 8 Uhr und um 18 Uhr. Anfangs haben die Polizeibeamten noch für Pünktlichkeit Sorge getragen, jedoch im Laufe der Zeit sich immer mehr liberal verhalten. Später, als ich die Pflichtarbeit aufgenommen hatte, brauchte ich mich nur einmal am Tag, morgens oder abends, im Polizeirevier zu melden.

    Im Herbst mussten meine Schwester Wanda mit ihren Kindern in Langfuhr, sowie mein Bruder Edmund nebst Familie, welcher im Erdgeschoß unseres Hauses in Ohra, auf dem Schönfeldweg wohnte, die Wohnungen räumen.
    Die untere Wohnung meines Bruders hatte ein SS-Mann namens Schlicht eingenommen. Von dieser Zeit an wohnten wir nun alle im oberen Stockwerk, in zwei kleinen Zimmern.

    Bürger polnischer Nationalität, die sich im Arbeitsamt zur Arbeit gemeldet hatten, wurden zur Pflichtarbeit bei verschiedenen Aufräumung Arbeiten in der Stadt- eingeteilt. Da ihnen nur ein geringer Wochenlohn von etwa 6 bis 10 RM gezahlt wurde, blieb ich bis zum Frühjahr zu Hause. Nebenbei gesagt, von meiner Seite aus war dies riskant und ich hätte deswegen Unannehmlichkeiten haben können. Trotz allem hatte ich Glück, dass niemand mich als Drückeberger zur Verantwortung gezogen hatte. Weiterhin blieb ich in Kontakt mit einzelnen Leidensfreunden, die noch auf freiem Fuß geblieben waren. Unter diesen Umständen war das tägliche Dasein nicht leicht. Fortwährend bestand die Gefahr von Freiheitsberaubung und in Stutthof zu landen.

    Im Frühjahr 1940 erhielten wir eine Vorladung, meine Mutter und ich, uns vor einer Kommission, welche im damaligen Werftspeisehaus am Fuchswall amtierte, zu stellen. Diese Kommission wurde von allen “Kassenkommission” genannt. Sie hatte entschieden, wie ich mich gut erinnern kann, diese oder jene Familie entweder ins Generalgouvernement zu deportieren, zur Umschulung nach Riesenburg – jetzt Prabuty – abzuschieben, oder weiterhin in Danzig zu belassen. Die Kommission bestand ungefähr aus 8 Personen und hat einzelne Familien im Saal, der sich links hinter der Eingangstür des Werftgebäudes befand, empfangen. Hinter den Tischen saßen einige Zivilisten, aber auch mehrere uniformierte Parteifunktionäre. Unter anderem haben sie meiner verwitweten Mutter vorgeworfen, dass sie als einheimische Danzigerin, ihre Kinder im polnischen Sinne erzogen hatte. Wiederum wurde mir vorgehalten, dass ich ein Jahr vor dem Krieg die Einberufung zum staatlichen Hilfsdienst/Reichsarbeits-
    dienst verweigert hatte. Andererseits war es ihnen auch nicht recht, dass ich als junger Eisenbahner der polnischen Staatsbahnen, durch meine Verdienste schon in kurzer Zeit zum Eisenbahnassistenten befördert worden war.
    Als zum Abschluss des Verhörs meine Mutter sich erlaubte anzufragen, was denn weiter mit uns geschehen würde, empörte sich einer von denen und hat uns fast aus dem Zimmer geworfen.
    Nachdem folgten ungewisse Tage für uns, in der Befürchtung ausgesiedelt zu werden. Tage und Wochen waren inzwischen vergangen, doch ließ man uns in Ruhe.
    Eines Tages traf ich wieder einmal meinen Kollegen Alfons Ferderski. Wir gingen auf die Suche nach entsprechender Arbeit. Wir waren uns einig, dass wir nur noch als Arbeiter Beschäftigung bekommen könnten. Infolge dessen sind wir zum Arbeitsamt gegangen und haben die Zuweisung zum Holzbauwerk A. Geissler KG erhalten.
    Ich möchte noch anführen, dass ich bald nach Kriegsausbruch ein Schreiben vom Eisenbahnkommissar erhalten hatte. Unterzeichnet vom Staatsrat Büttner wurde mir mitgeteilt, dass aufgrund der Übernahme der Eisenbahn des Danziger Gebietes, ab 1. September 1949 auf meine Dienstleistung sofort verzichtet wird.
    Ferner, es war wohl Anfang 1940, erhielt meine Mutter eine schriftliche Nachricht vom Stadtkommissar, dass wegen ihrer polnischen Volkstums Angehörigkeit, ihr Grundstück beschlagnahmt, enteignet ist. Jetzt mussten wir Miete zahlen.
    Noch möchte ich hinzufügen, leider weiß ich nicht in welchem Monat es war, dass ich vom Polizeipräsidium ein Schriftstück erhalten hatte, in dem mir mitgeteilt wurde, dass mir die Danziger Staatsangehörigkeit aberkannt wurde..
    In Anbetracht dessen bin ich staatenlos geworden.
    Im Untersuchungsgefängnis saß ich drei Monate ein. In einer überlegten Zelle voller Wanzen. Wegen angeblicher Sympathie mit einem französischen Kriegsgefangenen, der später floh. Mir wurde dazu eine Verbindung nachgesagt. Ab 1943 wurde ich ins KZ-Stutthof eingeliefert. Von dort wurde ich verlegt zur Danziger Werft und hatte auf der Werft im U-Boot Bau bis zum März 1945 Zwangsarbeit geleistet
    Gerard Knoff, geschrieben für Gerhard Jeske
    Gerhard Jeske ergänzt.
    Ein Mitglied der Familie Knoff ist in der Historischen Beschreibung der Stadt Danzig von Curicke 1422 als Schöppe erwähnt. Der Vater des Gerhard Knoff war ein Vetter der Mutter des Schriftstellers Günther Grass. Als einheimische Bewohner der Hansestadt Danzig wurden sie ausgebürgert, von Reichsdeutschen, die mit der Geschichte der Stadt nicht verbunden waren.

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  7. Gerhard Jeske Hamburg den15.03.011
    Naturkatastrophen kontra Atom-Mailer
    Betrifft das auch die Planung in Nordpolen ein Atomkraftwerk zu bauen?
    Die Ereignisse in Japan hatten zehntausend Menschen aufgeschreckt. Auch die bisher schweigende Mehrheit wird aktiv und demonstriert mit.
    .Ich wunderte mich nicht darüber. Unsere zivilisierte, technische Welt ist der Natur aufgesetzt worden, sie ist kuenstlich. Das Ergebnis ist im Klimawandel zu erkennen. und in Japan in der Atomaren Katastrophe offenbar geworden. Das war vorauszusehen. Und wenn die Kanzlerin sagt, das unsere Kernkraftwerke sicher sind, auch deshalb, weil es hier keine starken Erdbeben geben wird, dann schreibt sie der Natur vor, wie sie sich verhalten soll , Unsere Nordeuropaeische Erdplatte ist genau so in Bewegung, wie die unter Japan. Skandinavien hebt sich und unsere Niederung senkt sich ab. Das wird eines Tages zu einem Bruch fuehren, so dass das Wasser der Ostsee die Nordkueste mit dem Hinterland ueberfluten wird.

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