Einkaufsstraße in Hamburgs Nobelort Blankenese
Im Rahmen unserer bundesweiten Gastronomie – Aktion berichteten Charlie und Friedrun vom Lütt Döns aus Hamburg Othmarschen bereits darüber, dass rechtsextreme Tendenzen auch in den elitären Wohnorten keine Seltenheit sind. Widerstand wird, wenn Rechtsextreme dort Stände betreiben, nur selten beobachtet. Nicht schlecht staunte Charlie, als er am Samstagmorgen nun seinen Einkauf dort tätigte.
Hamburg-Blankenese zählt zu den teuersten angeblich ehrwürdigsten Wohnorten der Stadt. Hier wohnen Reeder, Verleger, Unternehmer, Vorstände, Aufsichtsräte, Anwälte und vielleicht auch ein paar Leute aus der Mittelschicht. Ein Anwalt den wir kennen, ist Jürgen Rieger. Der Nazianwalt, der einer der führenden Funktionäre der NPD ist, über hervorragende Kontakte zu rechtsextremen Kameradschaften verfügt und diese womöglich steuert. Nicht zu vergessen die von ihm betriebene Verwaltung des Nazi-Kapitals, mit dem er auch gerne Immobiliengeschäfte macht. Genau der wohnt in diesem doch so noblen Ort direkt an der Elbchaussee im Zentrum des Stadtteils. Meist unbehelligt. Abgesehen von ein paar Farbklecksen an der Fassade seiner grünen Villa, kann er sich über Störenfriede nur selten beschweren. Als Nachbar ist er akzeptiert. Und da das Gute so nah, hat seine NPD am letzten Samstag direkt vor einer Filiale der Bäckerei Kette “Dat Backhus” in der einzigen Einkaufsstraße Blankeneses gleich einmal einen Informationsstand aufgebaut. Die Filialleiterin der Bäckerei konnte gegen diesen Umstand nichts unternehmen, denn die Behörde genehmigte dieses Vorhaben direkt und unkompliziert- vor dem Geschäft. Sie ließ sich dieses Papier von den Betreibern des Standes auch gleich zeigen.
Charlie rauchte entspannt eine Zigarette, trank einen Kaffee und beobachtete die Standbetreiber die laut Plakat für den “Anwalt der Deutschen” (gemeint ist Rieger) warben, bei ihrem Treiben. Das Ganze mit einem gewissen Abstand. Wie das denn so ist bei so einem NPD – Stand, gab es auch hier einen etwas breiteren Aufpasser, damit nichts passiert, den Charlie dann auch gleich befragte, ob er dies denn auch tue-nämlich aufpassen. Dieser entgegnete ihm dann auch sofort mit “ja klar-besser ist es”. Charlie konnte Rieger nicht entdecken und fragte nach. Einer der im klassischen Nazistyling (kleines Oberlippenbärtchen und massiven Seitenscheitel) arbeitenden Standdienstler entgegnete ihm mit einem “nein-heute leider nicht.”
Wie es sich für ein anständiges Wohnviertel und einen Villenvorort wie Blankenese geziemt, gab es seitens der Bevölkerung keinerlei Proteste. Warum auch, die tun einem ja nichts scheint der allgemeine Tenor zu sein. Nun denn-in der Mitte der Gesellschaft sind Rechtsextreme und deren Gedankengut schon angekommen. Bei der Elite Hamburgs, gibt es wohl auch eine gewisse Toleranz gegenüber dem Treiben des Mitbewohners, Nazianwalt Rieger. Traurig aber wahr.
Bei der Gelegenheit haben wir uns gefragt, ob Migranten es wohl einfach hätten, in Blankenese eine Wohnung anzumieten – da wären wir gespannt. Aber diese Angst müssen die Bewohner aus dem Viertel selbst ja auch nicht haben-Häuser und Wohnungen sind dort eh zu teuer und solange solche Leute wie Rieger niemanden etwas tun, muss auch keiner Widerstand leisten, wenn der seine rechtsextremen Phrasen propagiert-der benimmt sich ja anständig. Für LGN J. M.
was soll denn dieser beitrag? ich bin zufällig drauf gestoßen und dachte, ich trau meinen augen nicht.
in blankenese gibt es regelmäßig protest dagegen, dass die npd ihre fremdenfeindliche propaganda am ort verteilt. der protest kommt meistens von blankenesern. ab und zu (aber eher selten) kommt auch verstärkung von der antifa, mit deren protestformen blankeneser bürger ein paar probleme haben – sie mögen es lieber leise.
man kann darüber streiten, ob laut oder leise besser ist. aber das ist eher nebensächlich. viel wichtiger ist, dass dieser text fehlerhaft ist, sektiererisch argumentiert und einem bündnis gegen die npd nicht gerade förderlich ist. hier wohnen nicht “vielleicht auch ein paar Leute aus der Mittelschicht”, hier wohnen mit sicherheit in der mehrzahl leute aus der mittelschicht (bekanntlich eine etwas grobe soziologische kategorie): handwerker, angestellte, bankiers, gastwirte, maler, musiker, lotsen, ärzte, apotheker, architekten, kaufleute, rechtsanwälte, wissenschaftler, journalisten, pastoren, ingenieure, und das ganze noch mal mit -innen hinter der berufsbezeichnung. hier wohnen und arbeiten eine ganze menge “ganz normale leute”, nimm das einfach mal zur kenntnis, lieber autor, anstatt deine ressentiments zu pflegen.
nur das “klassische proletariat” bzw. was von ihm übrig ist, das wohnt nicht hier. hier wohnen auch nicht viele menschen mit anatolischem migrationshintergrund, aber durchaus menschen, die nicht in deutschland geboren wurden, und es gibt ein asylantenheim, dessen bewohner und bewohnerinnen allen grund haben, sich vor den neo-nazis und deren parolen zu fürchten, wel viele von ihnen aus afrika kommen.
solidarität mit diesen menschen und historische kenntnisse darüber, wozu fremdenfeindlichheit und blinder nationalismus führen können, motivieren jedes mal, wenn die npd in blankenese mit ihrem stand auftritt, zahlreiche bürger und bürgerinnen zu protestieren, mit abwechslungsreichen protestformen.
herr rieger ist hier nichts “als nachbar akzeptiert”. ich kenne viele blankeneser, die stocksauer sind, dass herr rieger hier wohnt, die sich geradezu dafür schämen, und zwar nicht nur, weil sie finden, dass blankenese zu fein für diesen hetzer ist (die gibt es bestimmt auch), sondern weil er ein gefährlicher neo-nazi ist. wenn diese menschen herrn rieger die scheiben einschmeißen würden, bekäme er polizeischutz, sie eine anzeige wegen sachbeschädigung und könnten auf keinerlei verständnis bei der übergroßen mehrheit der blankeneser rechnen. sie schmeißen eben keine scheiben ein, sondern ziehen es vor, entweder zu argumentieren oder die neo-nazis zu ignoreren. ich finde es falsch sie zu ignorieren. aber es finde es auch falsch, nur lautstarke protestformen zu akzeptieren.
niemand hat ein monopol auf die richtigen protestformen, ihr nicht und wir nicht. aber wer das hier geschrieben hat, der soll bitte zur kenntnis nehmen, dass es in blankenese widerstand gibt gegen die npd und ihre propaganda. es ist eine verleumdung zu schreiben “Wie es sich für ein anständiges Wohnviertel und einen Villenvorort wie Blankenese geziemt, gab es seitens der Bevölkerung keinerlei Proteste.” blankenese ist ein bürgerlicher stadtteil, konservatives gedankengut, aber auch umweltbewusstsein ist weit verbreitet, bei wahlen erhalten cdu und fdp sowie die grünen überproportional viele stimmen. hier gibt es ohne frage auch rechtes gedankengut, es gibt auch antisemiten. dafür gibt es gründe, über die man klagen kann und sollte. aber hier werden obdachlose freundlich behandelt, egal ob sie hinz und kunzt verkaufen oder einfach betteln. auch straßenmusikanten schätzen diesen ort. sicher gehört dazu, dass man es sich hier “leisten” kann, freundlich zu sein, es gibt hier ganz gewiss weniger wirtschaftliche not als anderswo. das macht manche großzügig. aber das macht die bürger hier doch nicht per se zu reaktionären! angepöbelt oder zusammengeschlagen wird hier neimand, nur weil er erfolgloser im leben ist als viele blankeneser. gewiss profitieren so manche blankeneser von ungerechten wirtschaftlichen verhältnssen. daber das heißt noch lange nicht, dass hier alle in einer zwangsjacke falschen bewusstseins stecken.
also bitte: immer genau hingucken und nicht so ahnungslos schwadronieren wie der verfasser dieses blogbeitrags, der sich offenbar nach der maxime, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, denkverbot erteilt hat.
besucht doch mal die seite http://www.viermalleben.de. da findet ihr bürgerprotest gegen die npd, der auf große resonanz stößt. er findet im netz statt, in der kirchengemeinde, bei ausstellungen, in vorträgen… und auch auf der straße, wenn die npd mal wieder ihren stand in der bahnhofstraße aufbaut. vielleicht sehen wir uns ja nächstes mal dort – leider wird es wohl ein nächstes mal geben.
beste grüße
mj