Pro Tag gehen per e-mail und Telefon zehn bis zwanzig Hilferufe aus Ost-/ und Westdeutschland bei uns ein. Die Menschen dieses Landes berichten von ihren Problemen in den Orten. Wir stellen von hier aus zusätzlich zu allen Statistiken eine Verschärfung des Problems fest. Richtig stellen wollen wir auch, dass das Problem des Rechtsextremismus kein ostdeutsches ist. In vielen Köpfen schwirrt noch der Geist, die Ostdeutschen hätten das Problem mit in die Wiedervereinigung gebracht. Dies ist falsch. Zum Beispiel aus dem anständigsten Bundesland Bayern erreichen uns täglich Horrormeldungen.
Das Telefon klingelt. Eine Frau aus Midweida in Sachsen berichtet von Rechtsextremen die in dem kleinen Ort an Schulen und auf der Straße ihr Unwesen treiben. Als sei es fast normal, erzählt sie uns von mindestens drei bis vier Übergriffen auf alternative Jugendliche, HipHopper und Vietnamesen (2% des Bevölkerunganteils in der Region) pro Woche. Sie leitet eine Jugendgruppe, die etwas tun möchte, um aufmerksam zu machen und bat uns um Hilfe bei der Organisation eines Konzertes. Auf die Frage, ob sie Unterstützung aus dem Ort selbst bekommen würde, stellte sie fest, dass die Stadt und Gemeinde einer solchen Aktion positiv gegenüber steht. Jedoch eine massive Unterstützung in dem Ort selbst zu erhalten ist schwer. Viele Bürger dieses Ortes unterstützen das ideologische Ziel der Rechtsextremen und schließen sich mit Phrasen und Alltagsrassismus eher derer Meinung an. Es scheint, als würde man Toleranz gegenüber den Nazis vor Ort ausüben. Sie stören ja nicht wirklich. Lieber noch einmal wegschauen und nicht den Kern der Sache bekämpfen, scheint die Devise mancherorts zu sein. Dies ist nur einer von zig Fällen, die uns beschäftigen.
Großstädte wie Hamburg beispielsweise tun sich ebenfalls sehr schwer zu erkennen, dass wir mancherorts ein Problem haben. Hamburg ist eine weltoffene Stadt. Nach diesem Motto verfährt der Senat schon seit Jahren. Zwar kommt im Moment ein wenig Bewegung in das Spiel, aber ein klares Bekenntnis zu dem Problem läßt auf sich warten. Wir veranstalteten in Hamburg bereits drei Pressekonferenzen im Side Hotel, gar mit Regierungsvertretern des Landes Sachsen-Anhalt und luden stets den Senat bis zum Bürgermeister ein, ohne Erfolg. Dieser sagte meist lapidar aus angeblichen zeitlichen Problemen eine Teilnahme ab. Eine sehr gefährliche Haltung in einer Stadt in der der Rechtspopulist Ronald Schill mit seiner Rethorik vor einiger Zeit 19,2 % der Hamburger Wähler überzeugt hatte und den Senat mit bilden durfte. Was machen wir eigentlich, wenn ein zweiter anderer Schill wächst?
Aus Bayern erhielten wir einen bizarren Bericht. Ein bayrischer Franke berichtete, dass er auf einer Landstraße geschockt mit seinem Auto stehen blieb. Grund hierfür war ein Werbeplakat für den nächsten Ort. Ein Plakat welches für eine Übernachtung in dem Hotel “Deutsches Reich” wirbt. Wir dachten, dies wäre ein Witz, war es aber nicht. Dieses Hotel gibt es in der Tat. In Bayern schlummert in kleinen und größeren Orten wie Wunsiedel, Nürnberg, Bamberg, Amberg ein Potenzial von Rechtsextremen. Bayern ist im Moment das Bundesland, aus dem wir massive Hilferufe erhalten. Hinzu kommen all die anderen Anfragen aus Brandenburg, Baden Württemberg, Berlin, Sachsen, Saarland, Schleswig Holstein, Niedersachsen und und und…
Wir brauchen in der Politik und Wirtschaft ein Umdenken. Dem wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland gezielt zu entgegnen bedarf es auch finanzieller Mittel. Hier passiert zu wenig. Aus Erfahrung können wir sagen, dass wir pro Monat mindestens 15 Veranstaltungen und Aktionen im Bundesgebiet durchführen könnten. Dies scheitert an den Mitteln in den Regionen und bundesweit. Wir selber verfügen nicht über solche finanziellen Kapazitäten. Uns bleibt nur die moralische Unterstützung und die Öffentlichkeitsarbeit für diejenigen, die das Problem täglich vor ihrer Haustür haben.
Wir benötigen einen Richtungswechsel in den Köpfen. Auf einer Hochzeit unterhielten wir uns mit einem gehobenen Angestellten, der dann fragte was wir so machen. Nahdem wir ihm erzählten, welche Aufgaben wir mit der Kampagne wahrnehmen, sagte er: “Och was, ich dachte immer es gäbe keine Nazis mehr. Ist das nicht ein Hirngespinst? Das sind doch nur dumme Jugendliche, oder?”. Solange in den Köpfen der Gesellschaft kein Umdenk-Prozess stattfindet und eine klare Sichtweise für das Problem entsteht, solange werden wir täglich weitere Hilferufe aus dem Land erhalten.
Sich gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und alte Phrasen zu stellen, muss eine Selbstverständlichkeit werden. Wir arbeiten dran.

Hallo,
schwierig ist es auch in Hermannsburg.erst ein paar möchtegern nazis,die unsere kinder bedrohen.wir eltern haben uns zusammen getan.mahnwache abgehalten.nun sind hier junge nazifamielien,die ganz offen herumlaufen.die armen kinder,die müssen dann bei der HJ mitmachen.wenn man gegen nazis ist muss man hart im nehmen sein.den kopf in sand stecken ,ohne mich.