Sie organisieren sich und marschieren wieder-”Fest der Völker” in Altenburg am 13. September 2008

Unter dem Namen “Fest der Völker” ist keine olympische Veranstaltung geplant. Diese Begrifflichkeit wird von Rechtsextremen bzw. Nazis für eine Veranstaltung, die bisher in Jena stattfand verwendet. ”Fest der Völker” erinnert an Leni Riefenstahls NS-Propaganda Film zur Olympiade 1936 in Berlin. In diesem Jahr wollen sich am 13. September 2008 über 1.000 Nazis in dem thüringischen Altenburg (ca. 30.000 Einwohner) versammeln und treffen. Darunter auch viele Rechtsextreme aus Europa. Die Stadt Altenburg wehrt sich mit einer Gegenveranstaltung.

Ein Zufall ist die Auswahl der Stadt Altenburg nicht. Immerhin zog dort vor kurzem der Führer der “Freien Kameradschaft” Thomas Gerlach hin, der am letzten Wochenende einen Gedenkmarsch mit 230 Teilnehmern in der Stadt veranstaltete und die Veranstalter des 12.09.08 höchstwahrscheinlich herzlich einlud. Der Verfassungsschutz geht von 15 aktiven Rechtsextremen in der Stadt aus. In Jena war es in den letzten Jahren zu einem immer größeren Widerstand gegen die Veranstaltung gekommen. Daraufhin beschlossen die Nazis nun den Ort zu wechseln. Nazi-Promis wie der Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger und viele weitere NPD-Funktionäre und europäische Rechtsextreme werden als Redner ebenfalls vor Ort sein.

Indess mobilisiert die Stadt Altenburg unter Mitwirkung des Stadtparlamentes, Unternehmen, Landtags- abgeordneter sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Jena alle Bürger zu einer Gegenveranstaltung. Die Kampagne “Laut gegen Nazis” -Rechte Gewalt kann jeden treffen- unterstützt dies.

Die Pressemitteilung des Altenburger Bündnisses:

Altenburger Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus

c/o Kreisjugendring Altenburger Land

Geschwister-Scholl-Straße 10

04600 Altenburg

 

Tel. 03447/551095

 

Altenburg, 13. August 2008

Pressemitteilung

 

Altenburger Erklärung verabschiedet

 

Mittlerweile treffen sich die Initiatoren eines breiten Netzwerkes aus allen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt Altenburg und des Landkreises regelmäßig für die Planung eigener Aktionen in der Skatstadt am 13. September 2008. Für diesen Tag hat die Thüringer NPD das sogenannte „Fest der Völker“ in Altenburg angemeldet.

„Wir werden nicht dulden, dass sich braunes Gedankengut in Altenburg breit macht“, erklärt dazu Anne-Kristin Ibrügger, Sprecherin des Aktions-bündnisses gegen Rechtsextremismus. Unter Mitarbeit des Jenaer Aktionsnetzwerkes planen die Altenburger derzeit eine Veranstaltung mit Kundgebung und Demonstration für Toleranz und Demokratie.

 

Doch wie auch in Jena, geht man in der Skatstadt einen Schritt weiter. In einer Altenburger Erklärung machen Unterstützer deutlich, dass sie sich dazu bekennen, auf friedlichem Wege die Veranstaltung der Neonazis zu blockieren. Erste Unterzeichner fanden sich bei einer Veranstaltung am 12. August 2008. „In den nächsten Tagen gilt es, so viele Unterschriften wie möglich unter der Erklärung zu sammeln. Wir sehen in einer friedlichen Blockade des ‚Festes der Völker’ der NPD die Chance, den Rechtsextremisten deutlich zu machen, dass man in Altenburg ähnlich wenig Erfolg haben wird, wie in Jena.“ macht Anne-Kristin Ibrügger deutlich.

 

Diese Erklärung liegt ab sofort in den Kirchen des Landkreises, den Geschäftsstellen der Parteien oder in Altenburger Jugendeinrichtungen aus. Des weiteren kann diese auf den Internetseiten des Bündnisses oder der Parteien heruntergeladen werden. Unterschriebene Listen können beim Kreisjugendring oder den Geschäftsstellen der Parteien abgegeben werden.

 

 In Jena unterzeichneten die Jenaer Erklärung bis jetzt immerhin 650 Bürger. Im Jahr 2007 blockierten 2000 Jenaer die Zufahrt zum „Fest der Völker“ und störten dies damit empfindlich. Schon jetzt kündigte Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) seine Unterstützung und sein Kommen am 13. September 2008 an. In der Universitätsstadt stehen für diesen Tag sechs Reisebusse zur Unterstützung der Veranstaltung des Altenburger Aktionsbündnisses für Jenaer Bürger bereit.

  

Hintergrund: 

 

Seit 2005 veranstaltet die NPD in Jena das sogenannte „Fest der Völker“.  Dabei handelt es sich um ein europäisches Festival rechtsextremer Bands. Getarnt als politische Kundgebung nutzt die NPD die Veranstaltung zur Sammlung von Geld. An Stelle von Eintrittgeldern werden „Spenden“ gesammelt. Der Name „Fest der Völker“ geht auf den Prolog des Leni-Riefenstahl-Filmes „Olympia“ zurück, den die Regisseurin im Auftrag von Joseph Goebbels 1936 drehte. Mittlerweile ist es einem breiten Bündnis aus Jenaer Bürgerinnen und Bürgern gelungen, das Fest aus der Thüringer Stadt zu vertreiben. In Folge dessen meldeten die Veranstalter das „Fest der Völker“ in Altenburg an.  Geplant sind neben den Auftritten von Bands aus der Rechtsrock-Szene, auch Redebeiträge von Neonazis aus Deutschland, England oder Bulgarien.

 

 

 

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